Nils HirselandPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 7
VITHAU - Die interaktive Story des Perry Rhodan Online Clubs

Die Superintelligenz

Was bisher geschah

Die Manjarden sind im Verlauf ihrer Mission auf das rätselhafte Zentralmodul gestoßen. Im Kern entdecken die Manjarden Reste einer Plasmaballung, die offensichtlich Teil eines größeren Ganzen ist. Über Pinn bekommt Aik mentalen Kontakt zu dem Plasma, und erfährt so die Geschichte von VITHAU.

Die Geschichte erzählt von einer Roboterzivilisation, die in der Geburt einer Superintelligenz gipfelte. VITHAU, aus der Verschmelzung einer hochstehenden Roboterzivilisation und organischem Plasma entstanden, macht sich nun auf, ihre Mächtigkeitsballung zu formen und erkundet ihren neuen Machtbereich.

Hauptpersonen

VITHAU – Die Superintelligenz beobachtet wie ihr Reich wächst

Wildon – Der Bote von VITHAU

Lerec – Ein weiser Cel'Acaran

Flegorn – Ein Offizier der Reiches Gataray

Serine – Die Nurani trifft auf einen Vithaa

Comportach Endivoss – Der Hohepriester des Reiches Gataray hat finstere Pläne

Prolog. Gedanken einer Superintelligenz

Ich wurde Zeuge eines einzigartigen Vorganges. Des Lebens. Der Evolution. Über Jahrtausende hinweg besaß ich das Geschenk der Beobachtung. Seit der Verschmelzung der Vithaas mit dem Plasma waren zwölftausendvierhundertneunzig Jahre verstrichen.

Ich, VITHAU, nutzte diese Zeit, um die Evolution der vielen Völker in meiner Doppelgalaxie zu beobachten.

Ich nutzte auch die Zeit, um mich selbst zu entwickeln. Die Gewöhnung an das neue Dasein war schwer. So viele Möglichkeiten und so viele Entbehrungen. Ich war VITHAU, wir waren VITHAU. Die Vithaas und das Plasma. Zwei unterschiedliche Komponenten. Logik und Mechanismus gepaart mit Gefühlen und oftmals auch Unlogik.

Doch nach über zwölftausendjährigem Streben nach einem perfekten Geisteswesen sind diese so unterschiedlichen Komponenten zu einer Symbiose geworden.

Nun tat ich gut daran die Wesen und Völker meiner Doppelgalaxie genauer kennen zulernen. Dafür beauftragte ich den treuen Vithaa Wildon. Er sollte in meinem Namen durch die Galaxis reisen und würdige Hilfsvölker für mich ausfindig machen. Mit Hilfe dieser Elitevölker sollte meine Galaxis vereinigt werden und die Völker sollen in Harmonie und Frieden leben.

Und machte sich Wildon auf dem Weg. Er war meine Augen und mein Mund in dieser Galaxis …

1. Entdeckung einer Galaxis

Wildon war kein typischer Vithaa. Sein Aussehen wirkte viel organischer. VITHAU selbst wollte damit eine neue Spezies gründen. Wildon besaß vier Arme und zwei Beine. Sein kugelförmiger Kopf saß auf einem langen Hals. Drei Augen, ein Riechorgan, zwei Hörorgane und ein Sprachorgan befanden sich am Kopf. Die Hautfarbe des Konzeptes war schwarz. Die Farbe der Augen golden. Eine organische Haut überzog den gesamten Körper des Kunstwesens mit einer Seele.

Er verließ die Hyperraumblase in dem das Zentralmodul VITHAUs eingebettet war mit seinem fünfzig Meter langen, speerförmigen Erkundungsschiff. Umringt wurde er von den neuartigen Meso-Einheiten, den zehn Kilometer durchmessenden Halbkugelschiffen. Einheiten von vielen Raumschiffen der übriggebliebenden Vithaas. In den letzten zwölftausend Jahren der Reifung VITHAUs wurden viele tausende solcher Meso-Einheiten hergestellt. Damit besaß VITHAU eine gigantische Roboterflotte.

Wildon meldete sich beim obersten Kommandanten der Raumflotte, Vatul. Der Bau des Vithaa erschien vor dem Boten VITHAUs per Holografie.

»Vatul, ich verlasse jetzt unser System. Ich werde mehr über die Völker lernen und würdige Hilfsvölker auserwählen«, erklärte Wildon.

»Ich wünsche euch viel Glück«, entgegnete der Mechanische.

Wildon nickte. Eine organische Geste, die der Vithaa nicht interpretieren konnte. Wildon war ihm voraus, denn er kann die Gepflogenheiten von organischen Wesen. Doch längst noch nicht alle. Das war ein weiterer Grund für seine Reise durch die Galaxien V1 und V2, wie sie sein Meister VITHAU genannt hatte.

Sein organisches Herz klopfte. Ein Zeichen für Aufregung. Wildon war darüber amüsiert. Er war in der Lage von einem Moment zum anderen jedoch auf seinen mechanischen, logischen Teil umzustellen. Dieser Vorteil würde sich sicherlich in Gefahrensituationen bewährt machen, denn organische Gefühle, wie Furcht, waren dabei oft sehr hinderlich.

Wildon betrachtete das Panorama der Galaxien. Unendliche Sterne erblickte er. Dort irgendwo befand sich Leben. Leben in VITHAUs Mächtigkeitsballung. Es waren quasi VITHAUs Kinder.

Wildon schickte sich an nun gerade diese zu besuchen. Sein Raumschiff beschleunigte und schoss sich in die Tiefen von V1 und V2.

Der Bordcomputer der VIRANSA, wie Wildon sein Schiff getauft hatte, wertete die Ortungsangaben aus. Auf seinem Display erschienen erste Informationen zu einigen Völkern in der Galaxis V1, in der er sich jetzt befand.

Viele primitive Völker ohne Raumfahrttechnologie besiedelten die Planeten. Diese Wesen waren noch nicht interessant für Wildon. Dennoch installierte er Beobachtungssonden in jedem bewohnten System. VITHAU wollte über alle Wesen informiert sein. Vielleicht konnten eines Tages gerade diese primitiven Wesen zu einer großen Rollen für die beiden Galaxis heranwachsen.

Eines dieser Völker machten einen interessanten Eindruck. Es bestand aus Humanoidenwesen, die einem Hund glichen. Zu der Zeit von Wildons Besuch waren sie jedoch gerade erst dabei, erste große Reiche zu gründen und sich mit umfassenden Religionen zu beschäftigen. Sie entwickelten die Schrift, den Handel, reformierten aber auch ihre Kriegskunst. Brutale Feldzüge wurden gegeneinander geführt, nur um ein Stück Land mehr zu besitzen.

Ein grausames Volk. Dennoch bemerkenswert in ihrer Art, ihrem Mut und ihrer Ausdauer.

»Vielleicht in 3000 Jahren«, murmelte Wildon zu sich selbst. Auch eine organische Geste. Er betätigte einige Schaltungen und schoss eine Robotsonde in die Umlaufbahn des Planeten. Dann verließ er das System und suchte zahlreiche andere Welten auf. Doch keine von ihnen von einem reifen Volk bewohnt, welches die Raumfahrt kannte.

Die Suche konnte noch lange andauern.

Plötzlich meldete der Bordcomputer der VIRANSA, dass sich in V2 eine größere Ansammlung Völker mit Raumfahrttechnologie befindet. Sofort flog die VIRANSA zu diesem Punkt und erreichte ein System mit einem raumfahrenden Volk. Es waren sogar ziemlich viele Raumschiffe.

Die Mesotronik sammelte einige Tagen lang Daten. Nach drei Tagen konnte sich Wildon ein genaues Bild über diese Völker machen.

Sie trugen den Namen Anmirlester. Auf seinem Display erschien der gesammelte Text der Mesotronik. Wildon lehnte sich zurück und las sich genau den sehr detaillierten Text über das Volk der Anmirlester durch. Dort stand:

»Das Heimatsystem der Anmirlester ist die blaue Riesensonne mit dem Namen Anquamu. Das System besitz 53 Planeten von denen der 23. die Heimatwelt der Anmirlester, mit dem Namen Wuvartun, ist. Wuvartun ist eine sehr heiße und trockene Welt mit nur sehr wenig Seen und Flüssen.

Kein einziges Meer teilt die Kontinente untereinander auf, überhaupt ist das Leben nur an den beiden Polen erträglich. Am Äquator können während der Mittagshitze bis zu 83 °C erreicht werden wobei an den Polen die Temperatur, selbst im Hochsommer nie über 45 °C, steigt. Wuvartun besitzt einen Durchmesser von 29.000 km hat aber, wegen seiner geringen Dichte nur eine Schwerkraft von 1,05 g. Die Oberfläche wird von riesigen Schluchten durchzogen in denen ein Großteil der kleineren Siedlungen zu finden sind. Alle größeren Siedlungen sind am Nord- und Südpol zu finden. Die Flora und Fauna beschränkt sich auf kaum 100 verschiedene Arten.

Es gibt hinweise darauf, dass Wuvartun vor Jahrmillionen ein sehr wasserreicher Planet mit unendlicher Artenvielfalt war; was der Grund für sein heutiges Erscheinungsbild ist konnte bisher noch nicht geklärt werden.

Die Anmirlester, die die dominante Spezies auf Wuvartun darstellen, sind etwa zwei Meter große Echsenabkömmlinge mit jeweils zwei Armen und Beinen die durch eine ca. zwei Zentimeter dicke Flughaut miteinander verbunden sind.

Der große lang gezogene Kopf endet in einem durchschnittlich 20 cm langen Hornschnabel, in dem der Mund sowie drei Nasenöffnungen untergebracht sind. Oberhalb dieses Hornschnabels sitzen zwei ovale, tiefschwarze Augen. Der Gesamte Körper ist grün und unbehaart. Das Alter eines Anmirlester kann man mühelos an seiner grünen Hautfarbe ablesen, bei Geburt ist die Haut hellgrün, im Laufe der Jahre wird sie immer dunkler bis sie eine Dunkelgrüne Färbung annimmt. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Anmirlester liegt bei ca. 200 Jahren.

Die Anmirlester bewegen nur ungern zu Fuß fort, meist fliegen sie von Ort zu Ort und verzichten auch auf die ihnen durchaus zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel. Sie sind wahre Meister des Fluges, den sie bereits im Alter von etwa einem Jahr erlernen.

Diese natürliche Begabung spiegelt sich aber auch in der Raumfahrt nieder, da die Anmirlester von jungen Jahren an dass dreidimensionale Bewegen beherrschen, sind sie wahre Meisterpiloten. Es wird berichtet das Anmirlester Piloten in Ihren kleinen Kampfschiffen jeder gegnerischen Feuersalve ausweichen können. Jedes der großen Sternenreiche der Galaxien V1/V2 haben versucht Anmirlester als Piloten und Navigatoren anzuwerben, allerdings hatten die wenigsten dabei erfolg.

Wildon stutzte etwas. Es wird von mehreren Sternenreichen gesprochen. Doch bis jetzt ist das Imperium der Anmirlester das einzige, welches er gefunden hat. Wo gab es weitere hochentwickelte Zivilisation? Oder waren sie schon längst untergegangen?

Er beschloss weiterzulesen. Als nächstes Thema führte die Mesotronik die Kultur des Volkes der Anmirlester auf.

Die Anmirlester spalten sich in fünf große Kasten auf, die größte Kaste ist die Arbeiterkaste, danach kommt die Raumfahrerkaste, nach dieser die Kriegerkaste, dann die Handelskaste und zu guter letzt die kleinste und wichtigste Kaste, die Regierungskaste. Nach außen hin werden die Anmirlester ausschließlich von der Regierungskaste vertreten, die alle politischen Ämter sowie die Kapitäne der Raumschiffe stellt. Es ist möglich, von einer Kaste in die andere zu wechseln, was allerdings bedeutet, dass man in der neuen Kaste auf der niedrigsten Stufe beginnt. Die Stufe in der alten Kaste bleibt allerdings bestehen, sodass jederzeit ein Wechsel zurück möglich ist.

Zur Anmirlestanischen Zivilisation gehören neben dem System Anquamu noch 15 andere Sternensysteme. Alle diese Systeme liegen in einem kleinen Kugelsternhaufen namens Tusaron am Rande von V2. Die Hauptstadt dieses kleinen Sternenreiches liegt am Nordpol von Wuvartun und heißt Alvortan.

Die Regierung wird ausschließlich von der Regierungskaste gestellt. Regierungsoberhaupt ist der Anmor Trav. Dieses Amt stellt die absolute Macht in Imperium dar und wird auf Lebenszeit vergeben. Dem Anmor Trav steht viele Minister für verschiedene Bereiche zur Seite die sog. Eten-sisao. Die Eten-sisao werden alle 10 Jahre von der Regierungskaste neu gewählt. Zur Zeit hat der Anmirlester Cocoroan das Amt des Anmor Traven inne.«

»Kastendenken gefällt mir gar nicht«, brummelte Wildon. Er verabscheute die Einteilung von Intelligenzwesen in verschiedene Levels. Jedes Wesen war gleich. Es zeugte nur von Dummheit und unglaublicher Ignoranz, die rechte eines Wesens zu beschneiden indem man es in eine Kaste befahl.

Kopfschüttelnd las er weiter.

»Die Anmirlester sind ein sehr hoch entwickeltes Volk und wahre Meister der Spionage, auch scheuen Sie keinen Kampf, wenn er ihnen einen Vorteil bringt. Meistens sind sie allerdings friedlich und verfolgen eine Politik der Handels und der langsamen Expansion ihres Reiches. Allerdings gibt es Gerüchte darüber, dass die aktuelle Regierung damit liebäugelt, das benachbarte Zatyra Imperium, ein kleines Reich mit gerade einmal vier Sternensystemen, das von einem seit jahrsausenden von den Amirlestern getrennten lebenden Seitenarm ihres Volkes beherrscht wird, zu erobern. Falls es wirklich zum Ausbruch eines Krieges kommen sollte, dürften die Zatyra in ihrem Heimatsystem Uyrax kaum eine Chance besitzen aus diesem Konflikt als Sieger hervorzugehen, da Ihre Technik im Vergleich Jahrhunderte zurückliegt und sie auch Zahlenmäßig unterlegen sind.«

»Das Volk wird mir immer unsympathischer«, meinte Wildon zu sich selbst. Es mochte zwar die Technologie der Raumfahrt beherrschen, schien jedoch moralisch nicht hoch entwickelt genug zu sein, um als Hilfsvolk für VITHAU zu dienen. Ein Kastendenken und kriegerische Expansionspläne schlossen das eindeutig aus.

Am liebsten hätte Wildon den Bericht ausgeschaltet. Doch er informierte sich letztlich über die Technik des Echsenvolkes.

»Wie bereits erwähnt sind die Amirlester sehr weit entwickelt und verfügen über eine beeindruckende Technologie. Die größten Schiffe ihrer Flotte sind allerdings kaum 120 m lang und 200 m breit und haben eine Besatzung von 50 Anmirlestern. Ein Großteil der Flotte besteht aus Einheiten von 70 m Länge und 85 m breite mit einer Besatzung von 18, den Grundstock der Flotte bilden die unheimlich schnellen und wendigen, gutbewaffneten Einmann Jäger mit einer Größe von kaum 4 m Länge und 4,50 m Breite.

Die Schiffe haben die Form von zwei schräg ineinander gesteckten Diskussen, die an den oberen Enden mit dicken Streben miteinander verbunden sind.

Etwa ein Drittel des gesamten Schiffskörpers wird von den Antriebsystemen eingenommen. Die überlichtschnelle Fortbewegung erfolgt über einen hoch entwickelten Transistionsantrieb, der keinerlei Strukturerschütterungen hinterlässt und keine langwierigen Kursberechnungen benötigt. Die Primärwaffe besteht aus einer Gravitationskanone, die am Ziel gewaltige schwankende Gravitationskräfte wirksam macht und so das gegnerische Schiff zermalmt. Hinzu kommen noch herkömmliche stark gebündelte Thermostrahler und Impulsgeschütze. Die Schutzschilde basieren ebenfalls auf Gravitationskräften, dem sogenannten Gravoschirm. Dieser Schirm krümmt den Raum um das Schiff und lenkt somit einen Großteil des gegnerischen Feuers ab. Der Rest prallt gegen einen hochwertigen Paratronschirm, unter dem nochmals eine vierlagiger Prallschirm steckt.«

Nein, dieses Volk war noch nicht ethisch reif genug, um als Hilfsvolk für VITHAU zu agieren. Es benötigte ein anderes Volk dafür. Vielleicht war dieses Echsenvolk eines Tages dazu geeignet, doch im Moment waren sie es eindeutig nicht.

Aus ihren Aufzeichnungen fand Wildon etwas über ein anderes Volk der Galaxis V2 heraus. Es soll wohl das mächtigste in dieser Galaxis sein. Es nannte sich das Imperium von Zumbaar. Aus den Datenspeichern der Anmirlester konnte er auch etliche Informationen über dieses galaktische Volk von V2 heraus lesen:

»Die Zumbaarer sind vom Charakter her ein menschenähnliches Volk, was sich aber kaum von ihren Aussehen behaupten lässt, obwohl man sie als humanoid bezeichnen könnte. Der Zumbaarer ist ungefähr 2,50 Meter groß und ein Meter an den Schultern breit. Er besitzt vier Arme und zwei Beine, aber auch zwei Meter lange Tentakel die im Bereich der Wirbelsäule auf dem Rücken angesiedelt sind.

Diese sind Nachwirkungen einer Katastrophe, die dieser Zivilisation fast den Tod gekostet hätte. Arme und Beine sind viergliedrig, die Tentakel aber enden in einer Art Doppelspitze.

Der Kopf sitzt direkt auf dem Körper, das heißt es gibt keinen direkten Hals. Schaut man sich aber die Kopfform an, entdeckt man, dass der Kopf eine schlauchähnliche Verbindung zum Körper besitzt, die man durchaus als Hals bezeichnen könnte. Diese ermöglicht es ihnen, den Kopf bis zu fünf Zentimeter in den Körper einzufahren oder um ihn bis zu zehn Zentimetern ausfahren zu können, dies ist zwar auch eine Nachwirkung der Katastrophe, aber eine positive, denn sie hat einen Zumbaarer schon oft das Leben gerettet. Die Kopfform ist oval gehalten.

Die Zumbaare besitzen drei Augen mit gelben Pupillen. Genau darunter befindet sich ein Nasenloch. Der Mund befindet sich unter diesem Nasenloch und enthält zwei Reihen Zähne, die im Unter- und Oberkiefer sitzen. Die Haut der Zumbaarer ist rötlich gefärbt und lederartig, eine natürliche Anpassung zur Sonne. Die Haare sind braun, obwohl es hier Variationen vom gelbbraun bis dunkelviolett gibt. Ein Zumbaarer wird im Durchschnitt 400 Jahre alt.

Vor der Katastrophe wurden sie nur 180 Jahre alt, wobei die männlichen Zumbaarer ein höheres Durchschnittsalter als die weiblichen erreichen. So kommt es, dass dieses Volk in Großfamilien lebt und durch eine Großfamilie regiert wird. Es gibt aber keine Überbevölkerung, denn ein Kind braucht zwei Jahre Entwicklung ehe es geboren wird.

Die im Moment regierende Familie ist die Tarkonfamilie, diese regiert jetzt seit knapp 300 Jahren, denn sie wurde jetzt schon zum fünften Mal gewählt.

Die Tarkonfamilie ist eine der beliebtesten Familien bei den Zumbaarer, sie ist auch in vielen wissenschaftliche Bereichen tätig, so hatte ein Ahne der Familie den sogenannten WSM (Anmerkung der Mesotronik: Näheres wird im Bereich Technik erläutert) entwickelt.

Die Zumbaarer sind ein sehr Kunst und Musik liebendes Volk, dies unterstützte auch die Tarkonfamilie und so kommt es, dass es heute sehr viele Gebäude gibt, die man als Theater, Museen oder Opern und Discos bezeichnen könnte.

Diese Dinge, so hatte die Tarkonfamilie entdeckt, stärken die Moral des Volkes. Um diese Künste dem ganzen Imperium zuteil werden zu lassen, wurde eine einheitliche Sprache für das Imperium erstellt, das Zumbaar. Es ist somit ein ausgewählter Mix der Ursprungssprachen von Zumbaar.

Von der Mentalität her sind es friedliche Wesen, die aber auch sehr aggressiv werden können, wenn es um ihre Existenz geht.«

Wildon kratzte sich am Hinterkopf. Ein friedliches Volk, kulturell hochstehend und mit Liebe zur Familie. Das Imperium Zumbaar schien ihm wesentlich besser zu gefallen als die Anmirlester mit ihrem Kastendenken.

Wildon las weiter. Nun wurden im Informationen über das Hauptsystem der Zumbaar angezeigt:

»Der gleichnamige Planet Zumbaar liegt im Weathussystem. Es befindet sich 36780 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxis V2 entfernt. Die Sonne Weathus ist ein roter Unterriese vom Spektraltyp K8IV und wird von 15 Planeten umkreist, wobei der vierte den Heimatplaneten Zumbaar darstellt.

Dieser weist fast erdähnliche Merkmale auf, die Atmosphäre baut sich aus Stickstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff und einigen anderen Gasen auf, wobei Stickstoff den größten Anteil besitzt.

Hauptmerkmal der Atmosphäre ist aber die auffallend höhere radioaktive Strahlung gegenüber anderen gleichartigen Planeten, denn diese liegt weit über den Normalwerten.

Das erklärt sich aber durch die Geschichte des Volkes. Weitere besiedelte Planeten sind der dritte, fünfte und sechste Planet.

Sie werden Umba 1, Umba 2 und Umba 3 genannt, da sie sehr dicht mit Zumbaar zusammen liegen und auf einer Ebene ein Trapez bilden würden. Die drei Planeten haben ähnliche Merkmale wie Zumbaar, wobei Umba 2 und 3 ein kälteres Klima aufweisen.

Der Heimatplanet hat einen Durchmesser von rund 24.000 km. Er weist eine Schwerkraft von 1,4 Gravo auf und ein Tag dauert 26 Stunden.

Es gibt fünf Kontinente: Draaf, Statts, Melka, Senca und Klamat, wobei Draaf der größte und Klamat der kleinste ist. Zwischen den Kontinenten gibt es zwei große Ozeane, Salpe Mera und Waron Mera. Draaf wurde nach dem Zumbaarer Iirkat Draaf benannt, da dieser das Volk nach der Katastrophe wieder aufbaute und das erste überlichtschnelle Raumschiff dieses Volkes entwickelte. So ziert ein monumentales Denkmal diesen Kontinent.

Die Hauptstadt Draafos liegt ebenfalls auf diesen Kontinent und ist mit 125 Mio. Einwohner auch die größte. Sie liegt in einer Bucht am Waron Mera. Rings um diese Stadt ist die Natur wieder so hergestellt worden, wie sie vor der Katastrophe war.«

Wildon begannen die sehr detaillierten Ausführungen der Mesotronik langsam etwas zu langweilen. Es interessierte ihn viel mehr, was für eine Katastrophe die Zumbaar heimgesucht hatte. Doch den nächsten Teil wollte er nicht überfliegen. Es ging um die Technik der Zumbaar.

»Da die Zumbaarer nach der Katastrophe eine gut funktionierende Einheit geworden sind, hat sich auch deren technischer Stand schnell wieder erholt und große Erfindungen und Entwicklungen hervorgebracht.

Sie besitzen drei verschiedene Hauptraumschiffstypen, die Weathusflotte, die Zumbaar Handelsflotte und Zumbaarreiseflotte.

Die eigentlichen Großkampfschiffe sind 1500 m lang, 600 m breit und 300 m hoch, diese bilden die Hauptstreitmacht, denn sie besitzen sehr starke Offensiv- als auch Defensivwaffen, zum Beispiel besitzen sie eine Waffe, den Waffenschildmodulator, die den Schutzschirm des gegnerischen Raumschiffs analysiert, seine Frequenz ermittelt und diese dann den eigenen Waffen einjustiert.

So können schwache Waffen schwerste Treffer zufügen, Nachteil ist aber, dass der Schirm des feindlichen Schiffes ummoduliert werden kann, so muss der WSM immer neu analysieren und somit wäre diese Waffe nutzlos.

Die Schiffe verfügen aber auch über mehrfach gestaffelte Schutzschirme, die je nach Art und Zusammensetzung Objekte oder Strahlungen durchlassen. Der stärkste Schirm ist eigentlich nur ein Abfangfeld, denn dieser ist ebenfalls mit einen WSM gekoppelt und kann sich somit auf die feindlichen Energiewaffen einjustieren und deren Energie beim Aufprall sammeln, ein Teil kann dann gespeichert werden und vom Schiff genutzt werden, der Rest wird wieder in der Raum abgegeben.

Der Hyperantrieb besteht hauptsächlich aus einen Draafkonverter, der das Schiff in eine Art künstliches Wurmloch, in dem der Hyperraum wirksam ist, fliegen lässt und dort Geschwindigkeit bis zu fünfzehnmillionenfacher Lichtgeschwindigkeit zulässt. Diese Technik birgt bei solch hoher Geschwindigkeit auch Gefahren, so ist so manches Schiff im Hyperraum zerschellt, weil ein Konverter plötzlich durchgebrannt war und das Schiff mit den Seiten des Wurmloches kollidiert ist. Die Handels- und Reiseflotte sind Abwandlungen von der Hauptflotte, so wurde zum Beispiel bei den Handelsraumern der Rumpf nach unten hin erweitert, um so mehr Fracht zuladen. Hervor zu heben wäre noch die Architektur dieser Wesen, denn die Häuser in Dreiecksbauten, die eine Höhe von bis zu 2500 m erreichen, diese werden in solchen Höhen von Antigravplatten gestützt.«

Nun endlich trug die Mesotronik die Historie des Volkes der Zumbaarer vor. Wildon war gespannt, was für eine schreckliche Katastrophe sie erlitten hatte und wie sie dieses Unheil überwinden konnte.

»Das Volk der Zumbaarer ist jetzt knapp 12.000 Jahre alt und erst nach der Katastrophe vor 500 Jahren zum raumfahrenden Volk geworden. Diese Katastrophe wird auch die Geburt der neueren Zumbaarer und des Iirkat Draaf genannt.

Bis 6.000 Jahre vor Draaf waren die Zumbaar ein primitives Nomadenvolk. Danach kam die Zeit der Errungenschaften, es wurden erste Erfindungen gemacht.

Dann um 2.000 Jahre vor Draaf kam ein Ereignis in die Geschichte des Volkes, das diesem einen entscheidenden Fortschritt brachte, denn ein Raumschiff eines noch immer unbekannten Volkes war notgelandet.

Vieles von diesem Raumschiff war beim Aufprall zerstört worden, aber einiges wurde gerettet und unter den Einzelvölkern Zumbaars aufgeteilt, dies ging lange Zeit gut, aber irgendwann wurden die einzelnen staatenähnlichen Gebilde auf Zumbaar zu mächtig und es kam zu kleineren Streitigkeiten zwischen diesen Mächten.

Diese steigerten sich bis ins Jahr 0, in dem Draaf geboren wurde, und es kam zum fürchterlichsten Krieg in der Geschichte der Zumbaarer. Innerhalb von nur 5 Jahren wurde fast die ganze Bevölkerung Zumbaars ausgerottet, weite Teile des Planeten regelrecht zu Staub gebombt und die Atmosphäre total verseucht.

Denn kurz vorm Ende des Krieges wurden die Staatschefs, die sich für ein Weltfriedensabkommen getroffen hatten, durch ein Attentat der Rebellen getötet und damit wurde ein Antiplanetenwaffenabkommen aufgelöst.

Die Folge war, dass sich alle Planetenbomben in die Luft erhoben und auf die gegnerischen Ziele zurasten. Nach 10 Jahren radioaktiven Winters zeigten sich wieder die roten Strahlen der Sonne Weathus auf dem Planeten Zumbaar. Zu diesen Zeitpunkt war schon eine Spontanmutation im Gange, die sich auf die Zukunft der Zumbaarer auswirkte.

Der damals noch 15-jährige Iirkat Draaf, einzigster Überlebender der Draaffamilie, hatte schon zu diesen Zeitpunkt den Gedanken die Welt wieder zu vereinen. Dies gelang ihm mit Freunden der Tarkonfamilie und der Splittfamilie im Jahre 100 nach Draaf. Darauf hin erholte sich die Kultur der Zumbaarer wieder und begann gemeinsam den Aufbau und die Rekultivierung des Planeten.

Während dieser Zeit entwarf Draaf auch die Pläne für den intergalaktischen Raumflug mit Hilfe der alten Pläne von Raumschiffen und dem Flug mit Unterlicht und der Überlichttheorie.

150 Jahre nach Draaf startete das erste Raumschiff der Zumbaarer. Iirkat Draaf starb daraufhin nach der geglückten Wiederkehr zum Weathussystem. 25 Jahre später trafen die Zumbaarer auf die Procyonen, diese halfen ihnen mit dem Aufbau eines gemeinsamen intergalaktischen Reiches, das heutige Zumbaar Imperium.

Es ist eines der größten Imperien in der Galaxis V2, denn es umfasst weit mehr als 500 Sonnensysteme. Die meisten Systeme wurden von den Zumbaarern selbst kolonisiert. Andere wurden durch Kriege mit anderen Völkern übernommen, denn es kam vor, dass sich so manches Reich überschätzt hatte und die Zumbaarer angriffen und darauf hin verloren hatte. Andere Systeme haben sich dem Imperium so angeschlossen um von den Zumbaarern Schutz und Entwicklungshilfe zu bekommen. So ist das Zumbaar-Imperium kein festes Imperium, sondern nur großer Bund aus vielen kleineren Reichen und einzelnen Systemen.

Außer den Zumbaarern gibt somit weitere Völker im Imperium, die sehr viel Einfluss besitzen, aber treu den Zumbaarern ergeben sind. Einige sind davon die Privacs, die Mongaven und die Anorevs, diese sind Kolonialvölker der Zumbaarer. Andere sind die Procyonen, die Spurganen und die Norgarden, dies sind einige Völker die ins Imperium immigriert waren und heute großen Einfluss besitzen.

Es gibt somit keine Person oder Gruppe, die eine Vormachtstellung besitzt. Wenn etwas abgestimmt wird trifft sich der Rat der Familien, das heißt aus jeder vorherrschenden Familie kommt ein Mitglied zum Rat, und trifft dann einen Entschluss. Dieses System hat sich schon seit vielen Hunderten von Jahren bezahlt gemacht. Es gibt auch keine Angst bei den Zumbaarern, dass ein Volk in ihren Imperium zu mächtig werden kann, denn die Weathusflotte ist die größte Flotte im Imperium und kontrolliert und schützt alle Völker, selbst alle Raumflotten der anderen Völker ergeben nicht soviel Schiffe wie die Weathusflotte besitzt, obwohl man bedenken muss, das manches System nur ein paar hundert Klein- und Kleinstraumschiffen und ein paar Großraumer aufbringen kann.«

»Das ist unser Volk«, murmelte Wildon. Das Reich der Zumbaarer war bestens als Hilfsvolk für VITHAU geeignet. Es besaß die nötige Stärke und Weitsicht. Sie hatten bereits das Schlimmste durchlebt und hatten daraus gelernt.

Drakuul hieß ihr momentaner Repräsentant. Er entstammte aus einer Linie mit Draaf. Wildon beschloss den Zumbaar zu kontaktieren. Natürlich nicht auf normalem Wege. Er entstofflichte sich und materialisierte einfach während einer Senatsbesprechung vor dem Podium. Ein Raunen ging durch die vielen Vertreter ihrer Völker.

Wildon blickte sich mit einem Lächeln um. »Völker von Zumbaar. Ihr habt euch als würdig erwiesen, in friedlicher Kooperation mit der Superintelligenz VITHAU zu leben. Ich bin Wildon, Vertreter VITHAUs in dieser Doppelgalaxie. Ich ersuche euch, die Bitte von VITHAU zu hören und nach ihr zu leben.

VITHAU ist die Schutzpatronin der beiden Galaxien. Es ist ihr größter Wunsch eine Doppelgalaxie in Frieden und Harmonie mit zu sehen.

Darum, Zumbaarer, strebt nach Gerechtigkeit und Glück. Brecht auf und erforscht die Wunder dieser beiden Galaxien und einigt die Völker. Knechtet sie nicht, sondern überzeugt sie mit Worten.

In eure Hände lege ich den Frieden von V1 und V2 …«

Die Zumbaarer überlegten und debattierten lange, ob es sich bei der Erscheinung von Wildon um einen Irren oder tatsächlich einen Vertreter einer höheren Macht handelte. Letztlich war es Drakuul, der beschloss nach VITHAU zu suchen. Die Zumbaarer sahen in den Worten Wildons viel Weisheit und beschlossen danach auch zu handeln, doch nicht in dem Umfang, wie es Wildon gewünscht hatte.

Die Zumbaarer blieben bescheiden. Sie wollten einerseits positiv auf andere Völker wirken, doch nicht ihre Gedanken manipulieren und sie zu etwas drängen. Auch sahen sie sich nicht in der Lage ein galaxieumfassendes Sternenreich zu regieren.

Drakuul begann mit der Erforschung von V1. Er traf viele fremde Wesen, erlebte viele Abenteuer und sah viele Wunder. Seine Erlebnisse würden eine ganze Chronik umfassen, würde man sie schildern.

Er traf auf die Völker der Cel'Acaran, einem noblen Volk aus V1. Mit ihrer Hilfe wollten sie den Sitz VITHAUs suchen -- doch vergebens. Über einhundert Jahre suchten sie nach der Entität und in dieser Zeit lernten sie noch viele andere Völker in V1 kennen, denen sie die gute Botschaft VITHAUs erzählten.

Es waren die katzenähnlichen Kyrenen, den Sonnenläufern, den Drausel und den Noferern, und den jungen Völkern der Jayranen und Nurani. Bei den oftmals noch leichtgläubigen Völkern hinterließ Drakuul in VITHAU eine Art Mythos. VITHAU war allmächtig, allwissend und die Hüterin von V1 und V2. Aufgrund der Überlegenheit der Technik der Zumbaarer glaubten viele Völker diese Erzählungen. Niemand ahnte, dass Drakuul selbst nur unterwegs war, um die andauernden Zweifel seines Volkes zu beseitigen.

Nach 108 Jahren der Suche nach VITHAU erschien Drakuul noch einmal Wildon. Der Zumbaare war inzwischen 148 Jahre alt und hatte den Zenit seines Lebens bereits überschritten. An diesem Abend saß Drakuul in seinem Sessel in seiner Kabine und blickte auf die Sterne.

»Du bist wiedergekommen?«, fragte der alte Mann und hustete.

»Ja, Drakuul«, antwortete Wildon knapp.

»Doch warum? Wir haben 108 Jahre verschwendet dich zu suchen. Wir haben euch gesucht, weil wir deinen Worten nicht den reinen Glauben schenkten. Wir waren voller Misstrauen. Und letztendlich haben wir VITHAU sicherlich enttäuscht …«

Resignation eines alten Mannes klang aus der Stimme von Drakuul. Wildon trat näher an ihn heran. Ein feines Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. Er legte seine Hand auf Drakuuls Schulter.

»Nein, ihr habt uns nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Ihr habt V1 Leben eingehaucht. Ihr habt in den Cel'Acaran, den Kyrenen, Jayranen und Nurani wertvolle neue Verbündete gefunden. Ihr habt das Wort von VITHAU weiter getragen. Die Völker in beiden Galaxien beginnen danach zu leben und zu handeln.

Deine Mission war ein Erfolg.«

Drakuul lächelte. Ein Stein viel ihm vom Herzen. Das Misstrauen war gewichen. Er glaubte fest an VITHAU.

»Doch deine Aufgabe ist noch nicht beendet, Drakuul.«

Wildon erklärte, dass die Zumbaarer nun unbedingt eine Verteidigungsanlage für beide Galaxien bauen sollten. Ein Projekt, welches viele Jahrhunderte dauern würde. Hunderttausende von Raumforts müssten gebaut werden.

Draakul wurde als Gründer dieser Aufgabe von Wildon eingesetzt. Der Zumbaare willigte freudig ein. Und so begann der Bau …

»Und so wurden die Raumforts vor mehr als tausend Jahren fertig gestellt«, erzählte das 250 Zentimeter große Wesen mit den Flügeln. »Zu diesem Zeitpunkt war das Imperium Zumbaar gewaltig. Der Gataryorden begann sich erst zu entwickeln.«

Es blickte mit strengem Blick auf die kleinen Wesen herab, die mit großen blauen Augen ihren Lehrer anstarrten und jedem Wort gespannt zuhörten.

Wirklich jedem Wort?

War da nicht der kleine Hekilklig, der mit irgendetwas anderem beschäftigt war? Ja, er malte ein Bild.

»Hekilklig, ich hoffe, du illustrierst meine Erzählungen?«

Entsetzt versuchte das Kind den Zettel zu verstecken und grinste gezwungen in Richtung des Lehrers, der nun seine strenge Miene verlor und herzlich lachte.

Lerec entstammte aus dem Volk der saurierähnlichen Cel'Acaran. Die Cel'Acaran waren eine der ältesten Spezies der Doppelgalaxie V1/V2. Und obwohl ihr Volk einen beinahe unscheinbaren Eindruck hinterlassen hatte, waren sie einer der größten Machtfaktoren der Galaxis.

Die Cel'Acaran waren etwa 2,50 m große Flugechsen-Abkömmlinge. Die lederartige Haut hatte eine dunkelrote, fast braune Färbung. Der etwa 40 cm lange Kopf endete in einem langgezogenen, sich nach unten verjüngenden Schnabel und thronte über einem fast 20 cm langen aber nur 5 cm durchmessenden, unglaublich flexiblen Hals, der es Ihnen gestattete, den Kopf in alle Richtungen zu drehen, ohne dabei den restlichen Körper zu bewegen.

Etwa in der Mitte des Kopfes befanden sich zwei riesige Facettenaugen. Im Schnabelfortsatz des Kopfes lagen fünf kleine Atemlöcher die von einer dünnen Hautmembran überzogen wurden. Sie besaßen sechs Gliedmaßen, jeweils zwei Füße und Arme die in je in sieben knochigen, aber unglaublich berührungsempfindlichen Fingern bzw. Zehen endeten. Darüber hinaus besaßen sie am Rücken ein Flügelpaar, welches sie meist so legten, dass es den Körper wie ein Umhang bedeckte.

Äußere Geschlechtsmerkmale waren nicht zu erkennen. Traktionsgemäß trugen die Cel'Acaran keine Kleidung, sondern bedeckten sich nur mit Ihrem Flügelumhang. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 400 Jahre.

Lerec war 412 Jahre alt und somit deutlich über der Lebenserwartung. Doch der weise Wissenschaftler und Gelehrte fühlte sich keineswegs müde.

Lerec gehörte zu den angesehensten Personen des Gataray Ordens. Er war oberster Lehrer an der Eliteschule der Regierung. Dort kamen nur auserwählte Kinder aus V1 und V2 hin, die für wichtige Aufgaben in der Raumflugflotte oder am Hofe des Ordensführers bestimmt waren. Lerecs Aufgabe war es, diese kleinen Wesen auszubilden und sie zu reifen Bürgern, Beamten oder Soldaten zu machen. Er hatte somit eine der wichtigsten Funktionen im Gataray-Reich.

Ein Cel'Acaran war für diese Aufgabe bestens geeignet. Die Kultur der Cel'Acaran brachte dem Alter und der daraus resultierenden Weisheit unglaublichen Respekt entgegen. Der Erwerb von Wissen und Weisheit stellte das größte Ziel im Leben eines Cel'Acaran da. Besonders die Archäologie ist ein bevorzugtes Vorsehungsgebiet. In den Archiven der Cel'Acaran sammelte sich mehr Wissen über längst vergessen Völker, Technologien, Kriege, Sternenreiche und alle anderen Bereiche als irgendwo sonst in V1/V2.

Allerdings wurde dieses Wissen Fremden gegenüber nur sehr zögernd zugänglich gemacht. Grundvoraussetzung dafür war das Vertrauen eines Cel'Acaran und um dass zu gewinnen, brauchte es nicht nur absolute Integrität sondern auch viel Zeit.

Lerec wollte gerade fortfahren, als der oberste Hohepriester des Gataray Ordens, Comportach Endivoss, den Raum betrat.

Endivoss war ein Vertreter aus dem Volk der Jaynaren. Die Jaynaren waren die wichtigsten Vertreter im Gataray Orden. Die tief religiösen Humanoiden mit der wulstigen Stirn, beherrschten seit über acht Jahrhunderten als führende Macht den Gataray Orden. Ihre Religion ist eine Verehrung ihrer lokalen Gottheit Jaycuul.

Comportach, ein zwei Meter großer, alter Jaynare mit langen, weißen Haaren und einem ebenso langem, weißem Bart, war ein erzkonservativer Vertreter der Jaycuulreligion. Oftmals hatte er sich deshalb mit Lerec in den Haaren gehabt, denn der Cel'Acaran vertrat die Theorie, dass Jaycuul gar nicht existierte und VITHAU die eigentliche Entität in V1 wäre. VITHAU hatte in den letzten Jahrhunderten immer wieder für viel Diskussionsstoff gesucht. Bereits vor dreitausend Jahren tauchten die Zumbaarer aus der Nachbargalaxis auf und predigten von der Superintelligenz.

Die Zumbaarer halfen den Taca, dem einstigen Beherrschervolk der damaligen Gataray-Republik. Die Taca gründeten das Reich und halfen am »Großen Bau« mit. Damit war die Errichtung der Hunderttausenden von Raumforts gemeint, die V1/V2 schützen sollten.

Doch nach 2.000 Jahren Regentschaft der Taca begannen sie auszusterben. Die Jaynaren nutzten die Gunst der Stunde und ergriffen die Macht. Doch dies war kein gewaltloser Akt. Ihre Brudervolk, die Nurani, wollten ebenfalls die Vorherrschaft von Gataray erlangen. 150 Jahre dauerte der Krieg an, den die Jaynaren für sich entschieden.

Nun, achthundert Jahre später, lebten alle 125 Völker in dem 8.000 Sternensysteme großen Orden in relativer Harmonie und in Frieden. Ihre Kontakte zu dem Reich der katzenhaften Kyrenen, der Kobold-Triade und zu dem Zumbaar-Imperium sind sehr gut und die Reiche leben in Frieden zusammen.

Doch Tendenzen sprachen oft gegen diese friedliche Illusion. In Lerecs Augen war vor allem Comportach eine Gefahr. Er versuchte die Religion mit allen Mitteln durchzusetzen und beeinflusste den Ordensführer negativ. Was wollte er jetzt von Lerec und seinen Schülern? Comportach trug einen hohen Stab mit sich, der viel Krach machte, als er ihn bei jedem Schritt auf den Boden pochte.

Lerec verneigte sich vor dem Hohepriester. »Was führt euch zu uns, ehrenwerter Comportach Endivoss?«

Der Alte würdigte den Cel'Acaran keines Blickes. Sein strenges Gesicht strahlte Verachtung gegenüber dem Echsenwesen aus.

Dann wandte er sich an die Kinder, zumeist Jaynaren, Nurani oder andere Vertreter aus dem Gataray Orden. »Schüler Jaycuuls, die Galaxis wird sich mit dem heutigen Tage verändern. Die Anmirlester, die Verbündeten der Zumbaarer, haben Handelsniederlassungen angegriffen. Der ehrwürdige Ordensführer hat sofort den Krieg erklärt.«

Entsetzen ging durch die Reihen der Schüler. Auch Lerec glaubte sich verhört zu haben. Der letzte Krieg war der der Kyrenen gegen das Königreich von Mino vor fast einhundert Jahren. Gataray selbst hatte seit mehr als dreihundert Jahren keinen Krieg mehr erlebt.

»Aber was sagt der VITHAU-Rat dazu?«, wollte Lerec wissen.

Der VITHAU-Rat war ein Zusammenschluss von Vertretern aus V1/V2, die sich monatlich trafen, um über die Geschicke in der Doppelgalaxie zu diskutieren. Alle raumfahrenden Völker waren dort vertreten. Die meisten Konflikte konnten dort gelöst werden.

»Der hohe Ordensführer hat bekannt gegeben, dass das Vertrauen zu den Völkern in V2 irreparabel erloschen ist«, erklang die strenge Stimmte von Comportach Endivoss. »Die Anmirlester sind Vasallen der Zumbaarer, die ihre Position als größte Macht in der Doppelgalaxie gefährdet sehen. Deshalb tritt der Gataray-Orden aus dem VITHAU-Rat aus.«

Viele der noch jungen Kindern fingen an zu weinen. Endivoss hatte nur Verachtung für diese Schwäche übrig. Lerec rief einige Betreuerinnen. Während die sich um die Kinder kümmerten, stellte Lerec Endivoss zur Rede.

»Das war doch Ihre Idee, Comportach!«

Der Hohepriester lächelte abfällig.

Lerec begriff schnell. Endivoss hatte den alten Ordensführer beeinflusst. Bedauerlicher Weise hatte der Hohepriester eine starke Lobby im Parlament. Viele rechts gerichtete oder religiös fanatische Völker unterstützten die dummen Ansichten von Endivoss.

»Wir dürfen die Galaxien nicht in einen Krieg stürzen, bei VITHAU«, beschwor Lerec verzweifelt.

»VITHAU ist ab sofort verboten. VITHAU ist eine ketzerische Lüge der Zumbaarer. Wer sie predigt, wird inhaftiert werden. Lerec, ich rate Ihnen, sich ruhig zu verhalten. Auch Sie sind ersetzbar«, drohte der Hohepriester.

Dann verließ er den Raum. Lerec stand bedröppelt am dem Lehrerpult und dachte über die neuen Ereignisse nach. Er hätte nie gedacht, dass es soweit kommen würde in V1/V2. Die Zukunft aller Völker stand auf dem Spiel.

So weit waren sie gekommen und nun schien alles zuende zu sein. Das durfte nicht sein. Lerec musste etwas tun.

Er suchte den Ordensführer, Lamal Ploktor, auf. Der uralte und senile Jayrane begrüßte seinen Freund. Lerec war nicht nach Höflichkeitsfloskeln zumute. Er machte eine Ehrenbezeugung und begann sofort mit seinen eindringenden Worten:

»Ehrenwerter Ordensführer. Lasst nicht zu, dass der Gataray Orden die Doppelgalaxie in den Krieg stürzt! Wir dürfen nicht überschnell reagieren!«

»Jaja …«, machte Ploktor nur. Sein Zustand war schlimmer als befürchtet.

An seiner Stelle antwortete Comportach Endivoss: »Es ist nicht der erste Überfall der Anmirlester. Diesmal sind sie zu weit gegangen. Unsere Agenten haben ebenfalls von der Verschwörung der Zumbaarer gegen uns herausgefunden. Sie wollen unsere Expansion stoppen, um ihre Macht zu halten. Wir sind die Opfer und müssen uns wehren«, erklärte der Hohepriester mit eiserner Stimme.

Lerec wollte noch nicht aufgaben. »Das sind die Worte einer Schlange. Sind es auch Eure, Ordensführer?«

»Meine Worte sind seine Worte …«, kam die Antwort.

Lerec schüttelte das Haupt.

»Ihr stürzt euch in den Untergang. Ihr werdet die Galaxien spalten. Seit ihr den alle wahnsinnig geworden?«, brüllte er durch den Raum. Dabei öffnete er seine Flügel und flatterte wild mit ihnen.

»Geh nun, Lerec. Wir haben deine Sorgen zur Kenntnis genommen. Du bist Lehrer und kein Politiker. Tue du deine Aufgabe und überlasse uns die unsrige. Geh!«

Die Worte des Hohepriesters waren kalt und endgültig. Lerec verstand nur zu gut. Der Ordensführer stand unter dem Bann von Endivoss. Er hatte den Senat mit Lügen und gefälschten Beweisen auf seine Seite gebracht. Dabei hatte er die tatsächliche Rivalität zwischen dem Gataray Orden und dem Zumbaar Imperium um die Vormachtstellung in V1/V2 und Angriffe von Anmirlesterpiraten ausgenutzt.

Mit gesenktem Kopf verließ Lerec den Thronsaal. Er bemerkte nicht, dass ihm ein Jaynare folgte. Er war ein hohe Offizier im Dienste des Ordensführers. Sein Name war Flegorn. Er trug schulterlanges, schwarzes Haar, Bartstoppeln und eine schwarze Uniform, an der jede Menge Waffen befestigt waren. Sein Ruf eilte ihm voraus. Er war einer der besten Kämpfer des Ordens und Anführer der Eliteeinheiten.

Flegorn war auch einer der besten Schüler Lerecs gewesen. Endivoss gab ein Zeichen, welches unmissverständlich war. Flegorn sollte auf Lerec aufpassen, ihn beschatten. Ihm folgten ein paar andere Elitekämpfe, die Comportach Endivoss persönlich die Treue geschworen hatten. Sie sollten wiederum auf Flegorn aufpassen und Lerecs Leben beenden.

2. Auf der Suche nach VITHAU

Die Zumbaarer überlegten und debattierten lange, ob es sich bei der Erscheinung von Wildon um einen Irren oder tatsächlich einen Vertreter einer höheren Macht handelte. Letztlich war es Drakuul, der beschloss nach VITHAU zu suchen. Die Zumbaarer sahen in den Worten Wildons viel Weisheit und beschlossen danach auch zu handeln, doch nicht in dem Umfang, wie es Wildon gewünscht hatte.

Die Zumbaarer blieben bescheiden. Sie wollten einerseits positiv auf andere Völker wirken, doch nicht ihre Gedanken manipulieren und sie zu etwas drängen. Auch sahen sie sich nicht in der Lage ein galaxieumfassendes Sternenreich zu regieren.

Drakuul begann mit der Erforschung von V1. Er traf viele fremde Wesen, erlebte viele Abenteuer und sah viele Wunder. Seine Erlebnisse würden eine ganze Chronik umfassen, würde man sie schildern.

Er traf auf die Völker der Cel'Acaran, einem noblen Volk aus V1. Mit ihrer Hilfe wollten sie den Sitz VITHAUs suchen -- doch vergebens. Über einhundert Jahre suchten sie nach der Entität und in dieser Zeit lernten sie noch viele andere Völker in V1 kennen, denen sie die gute Botschaft VITHAUs erzählten.

Es waren die katzenähnlichen Kyrenen, den Sonnenläufern, den Drausel und den Noferern, und den jungen Völkern der Jayranen und Nurani. Bei den oftmals noch leichtgläubigen Völkern hinterließ Drakuul in VITHAU eine Art Mythos. VITHAU war allmächtig, allwissend und die Hüterin von V1 und V2. Aufgrund der Überlegenheit der Technik der Zumbaarer glaubten viele Völker diese Erzählungen. Niemand ahnte, dass Drakuul selbst nur unterwegs war, um die andauernden Zweifel seines Volkes zu beseitigen.

Nach 108 Jahren der Suche nach VITHAU erschien Drakuul noch einmal Wildon. Der Zumbaare war inzwischen 148 Jahre alt und hatte den Zenit seines Lebens bereits überschritten. An diesem Abend saß Drakuul in seinem Sessel in seiner Kabine und blickte auf die Sterne.

»Du bist wiedergekommen?«, fragte der alte Mann und hustete.

»Ja, Drakuul«, antwortete Wildon knapp.

»Doch warum? Wir haben 108 Jahre verschwendet dich zu suchen. Wir haben euch gesucht, weil wir deinen Worten nicht den reinen Glauben schenkten. Wir waren voller Misstrauen. Und letztendlich haben wir VITHAU sicherlich enttäuscht …«

Resignation eines alten Mannes klang aus der Stimme von Drakuul. Wildon trat näher an ihn heran. Ein feines Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. Er legte seine Hand auf Drakuuls Schulter.

»Nein, ihr habt uns nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Ihr habt V1 Leben eingehaucht. Ihr habt in den Cel'Acaran, den Kyrenen, Jayranen und Nurani wertvolle neue Verbündete gefunden. Ihr habt das Wort von VITHAU weiter getragen. Die Völker in beiden Galaxien beginnen danach zu leben und zu handeln.

Deine Mission war ein Erfolg.«

Drakuul lächelte. Ein Stein viel ihm vom Herzen. Das Misstrauen war gewichen. Er glaubte fest an VITHAU.

»Doch deine Aufgabe ist noch nicht beendet, Drakuul.«

Wildon erklärte, dass die Zumbaarer nun unbedingt eine Verteidigungsanlage für beide Galaxien bauen sollten. Ein Projekt, welches viele Jahrhunderte dauern würde. Hunderttausende von Raumforts müssten gebaut werden.

Draakul wurde als Gründer dieser Aufgabe von Wildon eingesetzt. Der Zumbaare willigte freudig ein. Und so begann der Bau …

3. 3.215 Jahre später … Der Gataray-Orden

Und so wurden die Raumforts vor mehr als tausend Jahren fertig gestellt«, erzählte das 250 Zentimeter große Wesen mit den Flügeln. »Zu diesem Zeitpunkt war das Imperium Zumbaar gewaltig. Der Gataryorden begann sich erst zu entwickeln.«

Es blickte mit strengem Blick auf die kleinen Wesen herab, die mit großen blauen Augen ihren Lehrer anstarrten und jedem Wort gespannt zuhörten.

Wirklich jedem Wort?

War da nicht der kleine Hekilklig, der mit irgendetwas anderem beschäftigt war? Ja, er malte ein Bild.

»Hekilklig, ich hoffe, du illustrierst meine Erzählungen?«

Entsetzt versuchte das Kind den Zettel zu verstecken und grinste gezwungen in Richtung des Lehrers, der nun seine strenge Miene verlor und herzlich lachte.

Lerec entstammte aus dem Volk der saurierähnlichen Cel'Acaran. Die Cel'Acaran waren eine der ältesten Spezies der Doppelgalaxie V1/V2. Und obwohl ihr Volk einen beinahe unscheinbaren Eindruck hinterlassen hatte, waren sie einer der größten Machtfaktoren der Galaxis.

Die Cel'Acaran waren etwa 2,50 m große Flugechsen-Abkömmlinge. Die lederartige Haut hatte eine dunkelrote, fast braune Färbung. Der etwa 40 cm lange Kopf endete in einem langgezogenen, sich nach unten verjüngenden Schnabel und thronte über einem fast 20 cm langen aber nur 5 cm durchmessenden, unglaublich flexiblen Hals, der es Ihnen gestattete, den Kopf in alle Richtungen zu drehen, ohne dabei den restlichen Körper zu bewegen.

Etwa in der Mitte des Kopfes befanden sich zwei riesige Facettenaugen. Im Schnabelfortsatz des Kopfes lagen fünf kleine Atemlöcher die von einer dünnen Hautmembran überzogen wurden. Sie besaßen sechs Gliedmaßen, jeweils zwei Füße und Arme die in je in sieben knochigen, aber unglaublich berührungsempfindlichen Fingern bzw. Zehen endeten. Darüber hinaus besaßen sie am Rücken ein Flügelpaar, welches sie meist so legten, dass es den Körper wie ein Umhang bedeckte.

Äußere Geschlechtsmerkmale waren nicht zu erkennen. Traktionsgemäß trugen die Cel'Acaran keine Kleidung, sondern bedeckten sich nur mit Ihrem Flügelumhang. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 400 Jahre.

Lerec war 412 Jahre alt und somit deutlich über der Lebenserwartung. Doch der weise Wissenschaftler und Gelehrte fühlte sich keineswegs müde.

Lerec gehörte zu den angesehensten Personen des Gataray Ordens. Er war oberster Lehrer an der Eliteschule der Regierung. Dort kamen nur auserwählte Kinder aus V1 und V2 hin, die für wichtige Aufgaben in der Raumflugflotte oder am Hofe des Ordensführers bestimmt waren. Lerecs Aufgabe war es, diese kleinen Wesen auszubilden und sie zu reifen Bürgern, Beamten oder Soldaten zu machen. Er hatte somit eine der wichtigsten Funktionen im Gataray-Reich.

Ein Cel'Acaran war für diese Aufgabe bestens geeignet. Die Kultur der Cel'Acaran brachte dem Alter und der daraus resultierenden Weisheit unglaublichen Respekt entgegen. Der Erwerb von Wissen und Weisheit stellte das größte Ziel im Leben eines Cel'Acaran da. Besonders die Archäologie ist ein bevorzugtes Vorsehungsgebiet. In den Archiven der Cel'Acaran sammelte sich mehr Wissen über längst vergessen Völker, Technologien, Kriege, Sternenreiche und alle anderen Bereiche als irgendwo sonst in V1/V2.

Allerdings wurde dieses Wissen Fremden gegenüber nur sehr zögernd zugänglich gemacht. Grundvoraussetzung dafür war das Vertrauen eines Cel'Acaran und um dass zu gewinnen, brauchte es nicht nur absolute Integrität sondern auch viel Zeit.

Lerec wollte gerade fortfahren, als der oberste Hohepriester des Gataray Ordens, Comportach Endivoss, den Raum betrat.

Endivoss war ein Vertreter aus dem Volk der Jaynaren. Die Jaynaren waren die wichtigsten Vertreter im Gataray Orden. Die tief religiösen Humanoiden mit der wulstigen Stirn, beherrschten seit über acht Jahrhunderten als führende Macht den Gataray Orden. Ihre Religion ist eine Verehrung ihrer lokalen Gottheit Jaycuul.

Comportach, ein zwei Meter großer, alter Jaynare mit langen, weißen Haaren und einem ebenso langem, weißem Bart, war ein erzkonservativer Vertreter der Jaycuulreligion. Oftmals hatte er sich deshalb mit Lerec in den Haaren gehabt, denn der Cel'Acaran vertrat die Theorie, dass Jaycuul gar nicht existierte und VITHAU die eigentliche Entität in V1 wäre. VITHAU hatte in den letzten Jahrhunderten immer wieder für viel Diskussionsstoff gesucht. Bereits vor dreitausend Jahren tauchten die Zumbaarer aus der Nachbargalaxis auf und predigten von der Superintelligenz.

Die Zumbaarer halfen den Taca, dem einstigen Beherrschervolk der damaligen Gataray-Republik. Die Taca gründeten das Reich und halfen am »Großen Bau« mit. Damit war die Errichtung der Hunderttausenden von Raumforts gemeint, die V1/V2 schützen sollten.

Doch nach 2.000 Jahren Regentschaft der Taca begannen sie auszusterben. Die Jaynaren nutzten die Gunst der Stunde und ergriffen die Macht. Doch dies war kein gewaltloser Akt. Ihre Brudervolk, die Nurani, wollten ebenfalls die Vorherrschaft von Gataray erlangen. 150 Jahre dauerte der Krieg an, den die Jaynaren für sich entschieden.

Nun, achthundert Jahre später, lebten alle 125 Völker in dem 8.000 Sternensysteme großen Orden in relativer Harmonie und in Frieden. Ihre Kontakte zu dem Reich der katzenhaften Kyrenen, der Kobold-Triade und zu dem Zumbaar-Imperium sind sehr gut und die Reiche leben in Frieden zusammen.

Doch Tendenzen sprachen oft gegen diese friedliche Illusion. In Lerecs Augen war vor allem Comportach eine Gefahr. Er versuchte die Religion mit allen Mitteln durchzusetzen und beeinflusste den Ordensführer negativ. Was wollte er jetzt von Lerec und seinen Schülern? Comportach trug einen hohen Stab mit sich, der viel Krach machte, als er ihn bei jedem Schritt auf den Boden pochte.

Lerec verneigte sich vor dem Hohepriester. »Was führt euch zu uns, ehrenwerter Comportach Endivoss?«

Der Alte würdigte den Cel'Acaran keines Blickes. Sein strenges Gesicht strahlte Verachtung gegenüber dem Echsenwesen aus.

Dann wandte er sich an die Kinder, zumeist Jaynaren, Nurani oder andere Vertreter aus dem Gataray Orden. »Schüler Jaycuuls, die Galaxis wird sich mit dem heutigen Tage verändern. Die Anmirlester, die Verbündeten der Zumbaarer, haben Handelsniederlassungen angegriffen. Der ehrwürdige Ordensführer hat sofort den Krieg erklärt.«

Entsetzen ging durch die Reihen der Schüler. Auch Lerec glaubte sich verhört zu haben. Der letzte Krieg war der der Kyrenen gegen das Königreich von Mino vor fast einhundert Jahren. Gataray selbst hatte seit mehr als dreihundert Jahren keinen Krieg mehr erlebt.

»Aber was sagt der VITHAU-Rat dazu?«, wollte Lerec wissen.

Der VITHAU-Rat war ein Zusammenschluss von Vertretern aus V1/V2, die sich monatlich trafen, um über die Geschicke in der Doppelgalaxie zu diskutieren. Alle raumfahrenden Völker waren dort vertreten. Die meisten Konflikte konnten dort gelöst werden.

»Der hohe Ordensführer hat bekannt gegeben, dass das Vertrauen zu den Völkern in V2 irreparabel erloschen ist«, erklang die strenge Stimmte von Comportach Endivoss. »Die Anmirlester sind Vasallen der Zumbaarer, die ihre Position als größte Macht in der Doppelgalaxie gefährdet sehen. Deshalb tritt der Gataray-Orden aus dem VITHAU-Rat aus.«

Viele der noch jungen Kindern fingen an zu weinen. Endivoss hatte nur Verachtung für diese Schwäche übrig. Lerec rief einige Betreuerinnen. Während die sich um die Kinder kümmerten, stellte Lerec Endivoss zur Rede.

»Das war doch Ihre Idee, Comportach!«

Der Hohepriester lächelte abfällig.

Lerec begriff schnell. Endivoss hatte den alten Ordensführer beeinflusst. Bedauerlicher Weise hatte der Hohepriester eine starke Lobby im Parlament. Viele rechts gerichtete oder religiös fanatische Völker unterstützten die dummen Ansichten von Endivoss.

»Wir dürfen die Galaxien nicht in einen Krieg stürzen, bei VITHAU«, beschwor Lerec verzweifelt.

»VITHAU ist ab sofort verboten. VITHAU ist eine ketzerische Lüge der Zumbaarer. Wer sie predigt, wird inhaftiert werden. Lerec, ich rate Ihnen, sich ruhig zu verhalten. Auch Sie sind ersetzbar«, drohte der Hohepriester.

Dann verließ er den Raum. Lerec stand bedröppelt am dem Lehrerpult und dachte über die neuen Ereignisse nach. Er hätte nie gedacht, dass es soweit kommen würde in V1/V2. Die Zukunft aller Völker stand auf dem Spiel.

So weit waren sie gekommen und nun schien alles zuende zu sein. Das durfte nicht sein. Lerec musste etwas tun.

Er suchte den Ordensführer, Lamal Ploktor, auf. Der uralte und senile Jayrane begrüßte seinen Freund. Lerec war nicht nach Höflichkeitsfloskeln zumute. Er machte eine Ehrenbezeugung und begann sofort mit seinen eindringenden Worten:

»Ehrenwerter Ordensführer. Lasst nicht zu, dass der Gataray Orden die Doppelgalaxie in den Krieg stürzt! Wir dürfen nicht überschnell reagieren!«

»Jaja …«, machte Ploktor nur. Sein Zustand war schlimmer als befürchtet.

An seiner Stelle antwortete Comportach Endivoss: »Es ist nicht der erste Überfall der Anmirlester. Diesmal sind sie zu weit gegangen. Unsere Agenten haben ebenfalls von der Verschwörung der Zumbaarer gegen uns herausgefunden. Sie wollen unsere Expansion stoppen, um ihre Macht zu halten. Wir sind die Opfer und müssen uns wehren«, erklärte der Hohepriester mit eiserner Stimme.

Lerec wollte noch nicht aufgaben. »Das sind die Worte einer Schlange. Sind es auch Eure, Ordensführer?«

»Meine Worte sind seine Worte …«, kam die Antwort.

Lerec schüttelte das Haupt.

»Ihr stürzt euch in den Untergang. Ihr werdet die Galaxien spalten. Seit ihr den alle wahnsinnig geworden?«, brüllte er durch den Raum. Dabei öffnete er seine Flügel und flatterte wild mit ihnen.

»Geh nun, Lerec. Wir haben deine Sorgen zur Kenntnis genommen. Du bist Lehrer und kein Politiker. Tue du deine Aufgabe und überlasse uns die unsrige. Geh!«

Die Worte des Hohepriesters waren kalt und endgültig. Lerec verstand nur zu gut. Der Ordensführer stand unter dem Bann von Endivoss. Er hatte den Senat mit Lügen und gefälschten Beweisen auf seine Seite gebracht. Dabei hatte er die tatsächliche Rivalität zwischen dem Gataray Orden und dem Zumbaar Imperium um die Vormachtstellung in V1/V2 und Angriffe von Anmirlesterpiraten ausgenutzt.

Mit gesenktem Kopf verließ Lerec den Thronsaal. Er bemerkte nicht, dass ihm ein Jaynare folgte. Er war ein hohe Offizier im Dienste des Ordensführers. Sein Name war Flegorn. Er trug schulterlanges, schwarzes Haar, Bartstoppeln und eine schwarze Uniform, an der jede Menge Waffen befestigt waren. Sein Ruf eilte ihm voraus. Er war einer der besten Kämpfer des Ordens und Anführer der Eliteeinheiten.

Flegorn war auch einer der besten Schüler Lerecs gewesen. Endivoss gab ein Zeichen, welches unmissverständlich war. Flegorn sollte auf Lerec aufpassen, ihn beschatten. Ihm folgten ein paar andere Elitekämpfe, die Comportach Endivoss persönlich die Treue geschworen hatten. Sie sollten wiederum auf Flegorn aufpassen und Lerecs Leben beenden.

Lerec tat so, als würde er Flegorn nicht bemerken. Das er aber, wie alle Cel'Acaran, über telepathische Fähigkeiten verfügte, wusste er natürlich, dass der Jaynare hinter ihm herschlich. Nur bei Comportach Endivoss versagten die telepathischen Fähigkeiten des Cel'Acaran gänzlich. Etwas seltsames, nicht jaynarisches, ging von dem Hohepriester aus, der nun eindeutig nach der Macht strebte.

Plötzlich zog Flegorn eine Waffe und richtete sie auf Lerec. Das Echsenwesen warf sich auf den Boden. Der Strahl verfehlte ihn nur knapp und traf dafür einen anderen Offizier, der tot zu Boden fiel. Ein zweiter Schuss erledigte seinen Kameraden, der mit gezogener Waffe unweit vor Lerec stand.

Zwei Schüsse, zwei Treffer. Flegorn blickte sich vorsichtig um, steckte die Waffe in seinen Halter und rannte zu Lerec.

»Bist du unverletzt?«, erkundigte er sich bei seinem Lehrmeister.

»Ja, mein Junge. Es freut mich, dass du nicht vergessen hast, mit mir telepathischen Kontakt aufzunehmen. Es müssen Vasallen von Comportach gewesen sein.«

Flegorn nickte. »Eindeutig. Sie sollten dich töten. Doch wie sollen wir es beweisen? Endivoss reißt die ganze Macht an sich und stellt das Volk vor vollendete Tatsachen«, erklärte der Offizier des Gataray-Ordens.

»Das Volk wird sich das nicht gefallen lassen«, wandte Lerec ein.

Er sah das Funkeln in Flegorns Augen als dieser sprach: »Dann revoltieren wir doch gegen Comportach Endivoss und den greisenhaften Ordensführer. Mit der Kraft des Volkes können wir sie bezwingen!«

Flegorn ballte die Faust. Doch Lerec winkte ab. Er wedelte etwas mit seinen mächtigen Flügeln, um den Staub und Dreck loszuwerden.

»Nein, das würde viel Leid über uns bringen. Viele Bürger würden sterben. Uns muss etwas anderes einfallen, bevor der Krieg gegen die Zumbaaren ausbricht.«

»Aber was, Meister?«

Flegorn war ratlos. »Was ist mit deinem Volk, Lerec? Können nicht die Cel'Acaran für den Frieden in V1/V2 kämpfen? Niemand kann es sich erlauben sich schlecht mit deinem Volk zu stellen, zu groß ist seine Macht und sein Einfluss.«

Lerec wartete eine Weile, bis er antwortete. Er musste sich die Worte zurecht legen.

Die Cel'Acaran konnten, und das nicht zuletzt wegen ihrer Lückenlosen Aufzeichnungen, auf eine mehr sehr alte Geschichte zurückblicken. In dieser Zeit hatten sie gewaltige Sternenreiche erblühen und vergehen sehen. Sie dokumentierten die Entwicklung vieler Rassen und beeinflussten viele Planeten im positiven Sinne.

Viele Male wurden sie von Aggressoren angegriffen und wegen Ihrem Wissen gejagt aber niemals wurden sie vernichtend geschlagen. Ihr Heimatsystem, die Sonne Aceran mit ihren drei Planeten, welches in den Randzonen von V1 lag, wurde niemals erobert.

Der Heimatplanet Vacaren war von solcher Schönheit, dass er in vielen Legenden jüngerer Völker als Sitz der Götter bezeichnet wurde. Die Städte Vacarens fügten sich nahtlos in die Umwelt dieses Planeten ein und wirkten wie lebendige Organismen.

Über der Hauptstadt Vacarens schwebte in einer Höhe von 5 km eine riesige Plattform, auf der mehr als 60 Millionen Wesen Platz fanden. Hier tagte auch der Rat der Alten, das oberste Regierungsgremium dieses Volkes.

Die Cel'Acaran wirkten auf andere Völker oftmals kühl und reserviert, beinahe emotionslos. Wer sie allerdings besser kannte, konnte feststellen, dass es ein äußert leidenschaftliches Volk war.

Die Freundschaft eines Cel'Acaran zu erlangen, war noch schwerer als dessen Vertrauen.

Niemals würde ein Cel'Acaran Informationen, Technologie, oder sonstiges Gut an Machtsüchtige oder Aggressive Völker oder Personen weitergeben.

Von vielen anderen, primitiveren Völkern wurden die Cel'Acaran als Götter verehrt, was allerdings niemals von Ihnen ausgenützt werden würde.

Zweifelsfrei verfügten sie über die nötige Stärke und Technologie, um einen Krieg gegen das Regime von Gataray zu führen, doch das widerstrebte der Natur der Cel'Acaran.

»Wir sind kein Volk von Kriegern. Nur im letzten Notfall würden wir eingreifen. Nur, wenn wir keine andere Idee hätten.«

Flegorn wirbelte wild mit den Armen. »Aber welche anderen Möglichkeiten haben wir denn noch?«

Lerec schmunzelte leicht. »VITHAU

»Was?«

Flegorn verstand nicht, worauf das Echsenwesen hinaus wollte. VITHAU war anscheinend eine Superintelligenz. Der Glaube an sie war besonders in V2 sehr stark, doch wirklich beweisen konnte niemand ihre Existenz.

»Wir müssen Wildon finden. Wir müssen den Sitz von VITHAU finden und die Superintelligenz um Hilfe bitten«, erklärte Lerec.

Der Jaynare schüttelte den Kopf und stemmte die Hände in die Hüften. »Niemand weiß, ob es VITHAU wirklich gibt«, gab er zu bedenken.

»Bist du da ganz sicher?«, fragte Lerec in einem seltsamen Unterton.

Schnell begriff der Jaynare. Die Cel'Acaran wussten von der Existenz VITHAUs. Aber anscheinend wollten sie ihren Trumpf nicht ausspielen.

»Weiß dein Volk auch, wo VITHAU lebt?«

Das feine Lächeln von Lerec erstarb. »Nun, das haben wir noch nicht herausgefunden. Wir vermuten irgendwo zwischen unseren beiden Galaxien. Nur wo genau, wissen wir nicht. Wir haben Beobachtungen angestellt und eine gigantische Roboterflotte entdeckt. Es ist die Flotte der Vithaas. Dieses Volk steht VITHAU sehr nahe. Wenn wir sie gefunden haben, haben wir auch VITHAU gefunden.«

Die Worte Lerecs gaben Flegorn Hoffnung. Er war überzeugt. Der Jaynare bot Lerec an, ihn auf seine Suche nach VITHAU zu begleiten.

Doch sie brauchten noch ein Schiff und eine Besatzung. Beide überlegten, wo sie am besten eine gutes Raumschiff und eine zuverlässige Crew bekommen konnten. Flegorn fiel etwas als erstes ein.

»Luritter!«

»Wer ist das?«

»Ein Drausel«, erklärte Flegorn.

Lerec verdrehte die Augen. Die Drausel waren ein seltsames Volk. Es gehörte der geheimnisvollen Kobaldtriade an. Niemand wusste genau, was hinter dem Verbund steckte. Waren es Händler oder bauten sie ein heimliches Imperium auf.

»Von dem Drausel bekommen wir ein Schiff. Er hat die besten Raumschiffe in ganz V1. Und er schuldet mir noch ein paar Gefallen.«

»So?«, machte Lerec.

Flegorn lachte. »Oftmals verbessert er seine Raumschiffe mit Metallen und Aggregaten, die von der Flugsicherungsordnung verboten sind. Wenn er nun erwischt wurde, legte ich stets ein gutes Wort für ihn ein. Zusammen mit dem stolzen aber undurchsichtigen Kyrenen Natar führt er einen Raumschiffhandel hier auf Lopay.«

»Dann lass uns aufbrechen, mein Freund Flegorn. Zeit ist ein Luxus, den wir uns in diesen Tagen nicht leisten können …«

Lopay -- die Hauptwelt des Gataray Ordens -- war eine Sauerstoffwelt mit nur einem Kontinent namens Rahir, der beinahe 70 % der Planetenoberfläche einnahm. Der Durchmesser Lopays betrug 17.576 km. Die Durchschnittstemperatur war mit 35 °C anzugeben, die Schwerkraft lag bei 2,3 Gravo.

Rahir selbst war voll erschlossen und als eine einzige großzügig angelegte Stadt zu bezeichnen. Rahir, wie auch die Stadt selbst genannt wurde, zeichnete sich durch die fantastische Architektur aus. Die Gebäude, die oftmals durch weitläufige Parkflächen voneinander getrennt waren, erreichten Höhen von bis zu drei Kilometern und wurden von Antigravpolstern unterstützt, da sie sonst zusammenbrechen würden.

Die neunhundert Jahre bestehende Altstadt Rahirs, wo sich auch der Zentrale Tempel von Jaycuul und die Regierungsgebäude befanden, wurde von einem ringförmig angelegten Raumhafen umgeben, der aber mittlerweile nur noch von Privatpersonen benutzt wurde.

Dort konnte man Luritter und Natar finden.

Lerec und Flegorn versuchten sich so unauffällig wie möglich zu benehmen, denn sie wurden von Comportach Endivoss' Schergen gejagt. Die Altstadt war nicht mit gewaltigen Bauten gefüllt, sondern auch mit etlichen Basaren und Marktplätzen. Das bunte Treiben war an diesem Tage jedoch getrübt. Die Meldung von dem bevorstehenden Krieg hatte überall Entsetzen ausgelöst. Niemand war zum Einkauf zumute oder nur sehr wenigen. Wie ausgestorben wirkten die großen Basare, Marktplätze und Präsentationshallen für Raumschiffe und Gleiter.

Bedächtig schritten Lerec und Flegorn durch den großen Marktplatz in Richtung Raumschiffhafen. Nur einige hundert Wesen begegneten ihnen. Es waren zumeist Jaynaren, Nurani, Kyrenen und auch Cel'Acaran. Kein einziger Vertreter der Zumbaarer, Anmirlester oder eines anderen Volkes aus V2. Sie allen mussten sehr schnell abgereist sein oder warteten in ihren Hotels und Wohnsiedlungen auf eine Veränderung der Lage.

Vielleicht auf eine Entspannung der Situation. Doch Lerec glaubte nicht daran. Hohepriester Comportach Endivoss war ein Propagandist erster Güte. Seine Reden waren wohl durchdacht. Er schafft es in kürzester Zeit mit in Lerecs Augen falschen Tatsachen das Volk gegen die Zumbaarer aufzuhetzen. Die natürlich Abneigung gegen die oftmals hinterhältigen Anmirlester spielte ihm dabei natürlich einige Trümpfe zu.

Die beiden Gejagten hatten kein Auge für das schöne Panorama des Markplatzes. Immer wieder war er mit seinen riesigen Einkaustürmen, Statuen und Parkanlagen ein imposanter Anblick, doch dafür hatten weder der Jaynare noch der Cel'Acaran die rechte Begeisterung in diesen Tagen.

Sie näherten sich einer großen Halle mit der Aufschrift »LURITAR Raumschiffhandel«

»Wir sind da«, erklärte Flegorn knapp.

Die Eingangstür stand weit offen. Die beiden Besucher blickten sich fragend an. Aus den Hallen konnten sie einige Geräusche hören. Einen schier unentwegt redender Drausel konnten sie vernehmen.

»Das klingt ganz nach Luritter«, meinte Flegorn und ging voran. Unbehaglich folgte ihm Lerec in die Halle.

Dort standen einige Beamte der Raumfahrtbehörde. Ein dicker Heman hatte anscheinend das Kommando. Die Hemans waren nur 140 Zentimeter große, kugelförmige Wesen mit einigen Tentakeln. Sie hatten permanente Körperausscheidung in flüssiger und gashaltiger Form. Keine angenehmen Zeitgenossen, doch hervorragende Bürokraten und Verwalter.

Zwei weitere Beamte konnten die beiden ausmachen. Ein teilnahmslos wirkender Jaynare und eine sehr attraktive Nurani, die akribisch die Raumschiffe und Einzelteile durchsuchte. Flegorn konnte seine Blick nicht von ihr nehmen. Sie war hochgewachsen, schlank und ihr hautenger Anzug betonte ihre weiblichen Rundungen. Ihre langen, blonden Haare hatte sie hochgesteckt. Ihre blauen Augen strahlten fasziniert aus ihrem ebenen Gesicht.

Lerec gab Flegorn einen leichten Hieb in die Seite. »Flirten können wir in Friedenszeiten.«

Flegorn fühlte sich peinlich berührt und räusperte laut. Etwas zu laut, denn die Anwesenden drehten sich um. Neben den drei Inspektoren der Raumschiffbehörde befanden sich noch die beiden Geschäftsführer in der Halle.

»Ah, da ist ja mein Freund Flegorn«, plapperte der Drausel. »Sehen Sie, Inspektor Kruziski, alles wird sich klären. Flegorn ist ein hoher Offizier am Regierungshof. Er wird Ihnen bestätigen, dass alles korrekt in unserem Geschäft abläuft. Ich kann auch gar nicht verstehen, warum Sie überhaupt der Auffassung sind, dass wir illegale Teile in unsere Raumschiffe einbauen. Sie müssen wissen, dass wir sehr seriöse Unternehmer sind, die stets die Gesetz achten und auf das Wohl unserer Kunden aus sind.«

Der Inspektor hatte seine Mühe dem Redeschwall des Schnabelwesens zu folgen. Statt dessen versprühte er einen beißenden Duft und hinterließ überall eine eklige Schleimspur.

Die Drausel sahen aus wie aufrechtgehende, Schnabeltiere. Im Durchschnitt wurden sie 160 Zentimeter groß. Luritter war nur 1,48 Meter.

Ihr Fell war leuchtend grün und in ihrem Gesicht befanden sich drei gelbe Facettenaugen. Der Schnabel der Drausel war dunkelrot. Die Vordergliedmaßen mündeten in vierfingrige Greifhände, während die Beine in Flossenfüßen endeten, die für den Rest des Körpers zu groß erschienen.

Auf Grund dessen besaßen die Drausel einen sehr eigentümlichen Gang. Besonders wenn sie rannten, wozu ein Drausel nur im absoluten Notfall zu bewegen war, brachen die Betrachter häufig in Gelächter aus. Drausel hatten sehr unangenehme Stimmen, die meistens von einem Schnattern, dem sogenannten Drauselakzent, unterlegt waren.

Luritter war das beste Beispiel dafür. Der Drausel lief watschelnd auf Flegorn und Lerec zu und begrüßte sie überschwänglich.

»Das ist mein guter Freund Flegorn, hatte ich Ihnen das schon gesagt?«

Der Inspektor grinste müde.

»Ja, Sie wiederholen sich ständig«, antwortete er, wobei ein Schleimfaden an seiner Lippe hängen blieb. Mit einem seiner drei Tentakel nahm er die Schleimspur und schlürfte die Ausscheidung wieder auf.

»Ihh, ist denn das gesund?«, wollte Luritter angewidert wissen.

Der Inspektor ignorierte die Frage und wandte sich den beiden Besuchern zu. Er hatte sichtlichen Respekt vor dem großen Cel'Acaran.

»Arbeiten diese Leute im Auftrag des Staates?«, fragte er ruhig.

Flegorn wusste, dass er jetzt lügen musste.

Comportach Endivoss hatte gerade ein Gebet an Jaycuul beendet, da meldete sich ein hochrangiger General. Endivoss hatte nun viele Getreue um sich geschart und ihnen machtvolle Positionen gegeben. Dieser Prozess fand nicht erst gestern statt, sondern zog sich durch viele Jahre.

Nun endlich konnte er seinen Plan in die Tat umsetzen.

Der Gebetsraum war prachtvoll eingerichtet. Es war kaum Technik vorhanden, außer einer visuellen Übertragungsstation. Sonst standen dort viele Statuen des Jaycuul, goldene Möbel und ein riesiger Altar aus Marmor. Der Boden war verchromt und spiegelte die Decke wieder, die die Galaxis V1 zeigte.

»General?«

Das Hologramm verneigte sich.

»Hohepriester, wir haben zwei Agenten verloren. Sie hatten versucht, Lerec zu töten, doch jemand muss ihm geholfen haben«, berichtete der Jaynare.

Endivoss umklammerte mit beiden Händen seinen Stab. »Flegorn! Dieser jämmerliche Idealist würde niemals seinen Meister verraten. Ich hätte es wissen müssen. Gibt es Hinweise, wo sie sich aufhalten?«

Der General verneinte.

Endivoss verharrte in seiner Pose. Er schien in den Raum zu lauschen. Der Jaynare war mächtiger als viele annahmen, denn er besaß mutantische Fähigkeiten. Darunter die Telekinese und Telepathie.

»Ich spüre ihn …«, murmelte er mehr zu sich selbst als zu seinem Gesprächspartner.

»Sie sind auf dem Handelsplatz des Raumhafens. Ich spüre deutlich seine Präsens …« Zu seinem größten Bedauern konnte er jedoch nicht die Beweggründe von Lerec herausfinden. Espern konnte er den Cel'Acaran. Allerdings vermochte er nicht seine Gedanken zu lesen.

»Brecht sofort auf und tötet Lerec und Flegorn. Tötet auch alle, die mit ihnen gemeinsame Sache machen. Los!«

Der General salutierte. Das Hologramm erlosch. Zufrieden lehnte sich Endivoss in seinen Thron zurück.

Nichts konnte ihn mehr aufhalten. Besonders nicht Lerec. Egal was der Gelehrte tun würde; er half dabei sogar Endivoss Bestrebungen.

Also wir haben keine illegalen Metalle oder Aggregate hier. Sie wollen mir doch nicht Machenschaften mit der Kobaldtriade unterstellen? Das wäre ja wohl auch die Höhe! Wir sind rechtschaffende Bürger und nur weil ich Drausel bin … Ah ja, jetzt weiß ich, was los ist.

Sie sind ein Rassist. Hilfe, ein Rassist, der einen armen Drausel verdächtigt ein Verbrecher zu sein, nur weil er ein Drausel ist.

Mir reicht es, haltet mich zurück. Ich geh zu meinem Anwalt. Nein, noch weiter. Ich geh vor den VITHAU-Rat …«

Der Inspektor war das Gebrabbel von Luritter langsam leid. Er blickte zu seiner Assistentin, die mit einem kühlen Schmunzeln auf ihn zu kam. Flegorn konnte sich ihrem Bann immer noch nicht entziehen.

»Nun, wir haben aber einige Tonnen des Virtollerzes in ihren Lagerhallen gefunden. Ein so seltenes Erz, dass es nur der Regierung zum Raumschiffbau vorbestimmt ist. Wie Sie ja sicher wissen, Luritter, müssten Sie sehr hohe Steuern für den Besitz bezahlen. Sie haben natürlich die Steuererklärungen hier, oder?«

»Öh …«, machte der Drausel und blickte Flegorn hilfesuchend an.

Der Offizier der Elitegarde trat an den Inspektor und der Nurani heran.

»Inspektor Kruziski und Inspektorin … Wie war sogleich Ihr Name?«

»Serine.«

»Ah, Serine. Nun, dieses Geschäft arbeitet mit der Regierung zusammen«, erklärte Flegorn halblaut. »Jedoch nicht auf die übliche Weise, sondern mehr im geheimen, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

Natar lief wie ein Löwe auf und ab. Lerec hatte den Kyrenen die ganze Zeit beobachtet. Er war drauf und dran eine Dummheit zu begehen. Deshalb beschloss Lerec sich Natar anzunehmen und auf ihn aufzupassen.

»Geheimdienst meinen Sie?«, wollte Kruziski wissen. Der Heman kam ins Grübeln, während Serine der Erklärung keinen Glauben schenkte.

»Sie sind uns bestens bekannt, Flegorn. Sie haben schon oft ihrem Freund Luritter geholfen. Doch dieses Mal kaufen wir Ihnen, Ihre Märchen nicht ab«, stellte die Nurani fest. Ihre Augen blitzen bei diesen Worten.

Flegorn wusste nicht, ob er sie küssen oder eine Ohrfeige verpassen sollte. Am liebsten hätte er beides gemacht. Er atmete tief durch.

»Serine … wir … äh … sind auch heute in geheimer Mission. Es geht um den Zumbaar-Imperium Konflikt. Der Drausel und der Kyrene haben verbotene Technologie, aber dafür sehr effektive Raumschiffe, die wir oftmals für verdeckte Operationen nutzen.«

»Und das soll ich ihnen glauben?«, wollte Serine wissen und zog eine Augenbraue hoch.

»Ja.«

»Wenn Sie beim Geheimdienst wären, würden Sie uns solche Details nicht verraten, sondern uns einige Lügengeschichten auftischen oder wir würden morgen eine Nachricht von dem Geheimdienst bekommen, dass wir diesen Fall schleunigst vergessen sollten«, meinte die Nurani.

Flegorn konnte der hübschen Frau anscheinend nichts vormachen. Sie war ziemlich intelligent. Vielleicht zu intelligent …

»Woher wollen Sie das wissen?«, versuchte er sie aus der Reserve zu locken. Er freute sich innerlich über diese Gegenfrage. Sie würde bestimmt keine Antwort darauf haben.

»Ich war früher beim Geheimdienst«, gab sie gelassen zurück.

»Oh …«

Plötzlich stürmten einige Soldaten in Halle. Ohne Vorwarnung begannen sie zu schießen. Es waren vermummte Kämpfer der Jaycuul-Garde. Es waren Getreue von Endivoss. Flegorn warf sich auf Serine, um sie zu schützen. Als er auf ihr lag, verspürte er eine gewisse Erregung, die jedoch sofort von ihr unterbunden wurde, als sie ihn unsanft zur Seite schob. Der dritte Beamte wurde erschossen. Nur Flegorn und Natar besaßen Waffen. Sie erwiderten sofort das Feuer.

»Wer sind die denn? Was soll das, Inspektor?«, meckerte Luritter.

Der Inspektor hatte große Angst und seine Ausdünstungen verdoppelten sich. Luritter musste den Brechreiz zurückhalten. Er rannte, was mehr wie ein Stolpern aussah, in den hinteren Hangar.

»Folgt mir. Wir fliehen!«, brüllte er.

Serine blickte Flegorn fragend an. Dann rannte sie los. Lerec folgte zusammen mit Kruziski, während Natar und Flegorn weiter auf die Angreifer feuerten.

»Ich werde die Raumfahrtbehörde verklagen. Sie ruinieren mein Geschäft!«, rief der Drausel aufgeregt.

»Schick lieber die Rechnung an Endivoss«, bemerkte Lerec zynisch und staunte über das 50 Meter lange, silberne Raumschiff. Es war keilförmig und die Hülle bestand aus dem verbotenen Virtollerz, welches Hauptbestandteil für die Gewinnung eines besonders harten Stahls ist. Dieses Erz war sehr selten in der Galaxis. Es war so selten, dass die Regierung des Gataray-Ordens es privaten Raumschiffbauern verboten hatte, das Virtollerz abzubauen. Nur mit besonderer Genehmigung und einer sehr hohen Erzsteuer durften Privatunternehmer das Erz abbauen. Sonst war es nur für die Regierungsraumschiffe bestimmt gewesen.

Nur die Kobaldtriade schien massenhaft das Virtollerz zu besitzen. Woher sie es hatten wusste niemand. Wohin sie es brachten war auch nicht bekannt.

Angebote des Gataray Ordens das Erz abzukaufen, wurden stets von der Triade abgelehnt, was nicht sonderlich zur Beliebtheit der drei Völker im Orden beitrug.

Die Drausel waren ein Teil der Kobaldtriade.

Schüsse zuckten nur knapp an Flegorn und Natar vorbei.

»Wir müssen zu den anderen. Wir können sie nicht aufhalten!«, rief Flegorn dem Kyrenen zu, der stumm nickte und sofort los lief. Flegorn folgte ihm auf dem Fuß. Sie erreichten den hinteren Hangar.

»Das ist die KYRA. Es ist unser bestes Schiff«, erklärte Natar.

Flegorn war von dem Design des Raumschiffes beeindruckt. Hoffentlich war es von der Technik ebenso beeindruckend, doch irgendwie hatte er da bei Luritter und Natar keine Zweifel.

»Hurtig, hurtig. Wir müssen rein!«, schnatterte Luritter aufgeregt.

Serine half dem Raumfahrtinspektor rein. Sie wagte es jedoch nicht ihn anzufassen, sondern schob ihn mit einem Antigravstrahler die ausgefahrene Gangway hoch. Dabei hinterließ die schleimige Kugel ein übelriechende Spur.

»Kann der sich nicht mal etwas zurückhalten? Diesen Gestank kriege ich nicht mehr aus meinem Schiff heraus«, meckerte Luritter.

»Entschuldigung«, sagte Kruziski kleinlaut.

Serine verdrehte die Augen. Endlich war der Molch im Schiff. Als letztes rannten Flegorn und Natar in den Raumer. Dabei rutschten beide auf der Schleimlache von Kruziski aus. Hastig krabbelten sie den Rest des Weges zum Schiff, während die Gangway bereits eingezogen wurde.

Serine musterte Flegorn mit einem Schmunzeln und verschränkte die Arme vor dem Bauch. Flegorn war nicht in der Stimmung auf ihre neckischen Blicke einzugehen. Statt dessen nahm er ein großes Handtuch, welches Natar ihm reichte und versuchte den ekligen Schleim abzukriegen.

»Moment, meine Herren. Darf ich sie ablecken?«, fragte Kruziski höflich.

Natar und Flegorn blickten sich verwundert an.

»Die Heman essen ihre Ausscheidungen nur zu gerne«, erklärte Serine den beiden verdutzten Gatarayen.

»Ich bevorzuge eine Dusche«, wehrte Flegorn ab, während Natar bereits zum Pilotensessel eilte.

Die feindlichen Soldaten feuerten auf das Schiff, doch der Virtollstahl ließ nichts durch. Luritter fuhr den Schutzschirm hoch und Natar führte einen Systemscheck durch.

»Alles bereit zum Start«, berichtete der Kyrene.

Flegorn und Lerec setzen sich in den Aufenthaltsraum.

»Hey, mein toller Freund. Du und das Blondchen können sich an den Waffensystemen und im Maschinenraum nützlich machen«, zeterte Luritter.

Flegorn blickte Serine fragend an.

»Ich gehe in den Maschinenraum«, sagte sie knapp und ging los.

Flegorn setzte sich an die Konsole für die Waffen. Er visierte die Ordenssoldaten an und feuerte. Eine Salve fegte nicht nur die Soldaten, sondern auch die halbe Einrichtung der Halle weg.

»Was machst du da, du Irrer? Willst du mich ruinieren?«, schnatterte der Drausel. »Soll ich zum Sozialdienst gehen? Oder mich vielleicht an den See im Park setzen und hoffen, dass mir jemand Brotkrümel zuwirft?«

»Halt die Klappe!«, wies ihn Natar an. Er injizierte den Start.

Mit einem tosenden Gedonner hob die KYRA ab. Das wendige Raumschiff schoß aus dem Hangar steil in den Horizont. Mit ihrer Beschleunigung konnte kaum ein Raumschiff mithalten. Schnell erreichte es den Orbit und ging sofort in den Hyperraum.

»Die Flucht ist gelungen«, stellte Flegorn erleichtert fest.

»Dann werden wir jetzt VITHAU suchen. Möge VITHAU diesen teuflischen Konflikt beenden, bevor er eskaliert«, sprach Lerec mit belegter Stimme.

Serine und Kruziski blickten sich an. Der Inspektor erklärte, dass er uns Serine Lerec und die anderen bei ihrer Suche unterstützen werden, da sie sowieso keine andere Wahl mehr hatten. Lerec akzeptierte.

Die KYRA verließ das Einflussgebiet des Gataray-Ordens und steuerte in den Leerraum zwischen V1 und V2 in der Hoffnung dort irgendwo VITHAU zu finden …

Doch ihr erster Weg führte sie nicht direkt in den Leerraum, sondern zu Lerecs Heimatwelt, dem Planeten der Cel'Acaran.

Einige Cel'Acaran Schiffe eskortierten die KYRA zum Orbit von Vacaren. Die Schiffe der Cel'Acaran besaßen ein sternförmiges Äußeres und erreichten Größen von bis zu 300 m. Alle Schiffshüllen bestanden aus einem bläulich schimmernden Metall, welches über eine atemberaubende Festigkeit verfügte und auch ohne Schutzschirm starken Beschuss standhalten kann.

Die Schiffe wurden von einem bläulichen Energieschirm umgeben, der auf Tachyonenbasis arbeitete und das Schiff praktisch unangreifbar machte.

Zumindest für die bekannten Technologien in V1/V2. Keine der Völker konnte bisher die Technik der Tachyonen sich zu nutze machen.

Vacaren war tatsächlich ein wunderschöner Planet, wie Flegorn fand. Während die KYRA langsam in Orbit tauchte und durch eine Wolkendecke flog, bemerkte der Jaynare gar nicht, dass Serine neben ihm stand.

Sie würdigte ihn keines Blickes, schien sich aber gleichwohl von der phantastischen Natur Vacarens beeindrucken zu lassen.

»Ich habe mich bei Ihnen noch nicht entschuldigt«, sprach Flegorn plötzlich verlegen.

Irritiert blickte ihn die Nurani an. »Wofür?«

»Nun, Sie sind jetzt eine Gejagte. Einst eine Beamtin im Dienste des Ordens, nun Staatsfeind Nummer Eins neben Lerec und mir …«

Serine seufzte kaum merklich. »Ich bin sowieso nicht gerne Beamtin gewesen«, sagte sie lächelnd.

Endlich lacht sie, dachte Flegorn. Sie hatte ein bezauberndes Lächeln. Ihre vollen Lippen waren voller Sinnlichkeit. Flegorn musste sich zusammenreißen. Er war auf einer wichtigen Mission, vielleicht der wichtigsten in der Geschichte von V1/V2. Er durfte sich jetzt nicht seinen eigenen Gefühlen widmen.

Dafür war später Zeit. Sollten sie noch leben …

Flegorn antwortete nicht und blickte aus dem Fenster. Die KYRA durchstieß die Wolkendecke und den beiden bot sich ein sagenhaftes Panorama an Bergen, Flüssen, Wäldern und Städten.

»Hier möchte ich einmal meine Flitterwochen verbringen«, meinte Serine.

Verwundert blickte Flegorn sie an. Mit einem Klos im Hals fragte er: »Sie sind verlobt?«

Wieder lachte die Nurani. Sie war anscheinend stolz, dass sie Flegorn überrascht hatte. Ihr war nicht entgangen, dass er sie anhimmelte.

»Nein, noch nicht …«

»Aber es gibt schon einen Glücklichen?«

»Vielleicht …«

Serine ließ Flegorn nachdenklich zurück. Hatte sie einen Freund oder nicht? Diese Frage quälte den ehemaligen Eliteoffizier bis Lerec ihn aus den Gedanken riss.

»Hier, mein Freund. Das ist CARACAN, der Sitz der Ältesten.«

Lerec deutete aus dem Fenster auf die gigantische Scheibe, die über der Hauptstadt Vacarens flog. Sie schwebte fünf Kilometer über dem Erdboden und hatte einen Durchmesser von mehr als 50 Kilometern. Ringsherum waren Befestigungsanlagen und Raumhäfen. Im Zentrum der Plattform befand sich in einem Radius von drei Kilometern der Sitz der Ältesten. Gewaltige Statuen, Tempel und Konferenzsäle füllten den Kern der Plattform aus.

»Beeindruckend«, gestand Flegorn.

Lerec lächelte.

»Es freut mich, dass du noch für andere schöne Dinge Augen hast«, bemerkte er neckisch und spielte damit natürlich auf die Nurani an.

Flegorn räusperte sich nur und grinste verstohlen. Natar kam hinzu und berichtete, dass sie bereits im Landeanflug auf CARACAN waren.

»Sehr gut, meine Freund. Unser schleimiger Inspektor wird mit Natar an Bord der KYRA bleiben. Du, Serine und Luritter werden mit mir vor dem Rat der Ältesten sprechen. Bitte überlasst mir das Reden.«

Die drei erklärten sich einverstanden. Luritter wollte zwar noch etwas bemerkten, doch Flegorn hielt ihm den Schnabel zu.

Der lange Weg zum Rat erschien den vier Wesen fast schon zu kurz. Abgesehen von Lerec, der nicht das erste Mal auf CARACAN war, starrten die anderen auf die unzähligen Statuen, die den Gang entlang standen.

Sie erzählten Geschichten. Nicht nur Geschichten der Cel'Acaran, sondern aller Völker in V1/V2.

Nach einer Weile erreichten sie einen dunklen Raum. Die Wände und der Boden waren kupferfarben und nur ein großer Thron stand in der großen Halle mit einer Glaskuppel, die das einzige Licht spendete.

»Sei willkommen Lerec. Auch deine Gefährten sein gegrüßt«, erklang eine alte, düstere Stimme.

Flegorn nahm an, dass sie dem Cel'Acaran gehörte, der auf dem Thron saß. Sein Gesicht war nicht zu erkennen. Es lag im dunkeln. Der Rest des Körpers wurde von seinen Flügeln bedeckt.

Lerec verneigte sich und die anderen taten es ihm gleich.

»Was führt dich zu mir, weiser Lehrmeister der Jaynaren und Sohn Vacarens?«

Lerec berichtete die ernste Lage. Er erzählte von dem heimlichen Putsch, den Comportach Endivoss durchführte und dem drohenden Krieg zwischen dem Zumbaar-Imperium und dem Gataray-Orden.

»Forderst du die Cel'Acaran auf in den Krieg zu ziehen, um den Frieden zu wahren? Seit Jahrtausenden haben wir nicht mehr gekämpft. Daran wird sich auch nichts ändern. Wir greifen nicht ein«, erklärte der unbekannte Cel'Acaran.

Flegorn und Luritter sahen sich enttäuscht an.

»Hey, du großer Vogel im Thron«, meldete sich nun Luritter zu Wort. Flegorn hätte den Drausel am liebsten zum Teufel geschickt. »Bist du schon zu alt, oder was? Machen die Knochen nicht mehr mit oder warum wollt ihr nicht kämpfen? Da sind selbst wir Drausel noch tapferer.«

Luritter hoffte den Cel'Acaran so aus der Reserve locken zu können, doch der Unbekannte auf dem Thron lachte schallend. Luritter blickte beschämt auf den Boden.

»Sehr belustigend. Dein Drauselfreund mag tapfer sein, doch er hat ein sehr loses Mundwerk, Lerec. Ich nehme an, du hast sowieso einen anderen Plan?«

»Gewiss, Ältester«, gestand Lerec.

»Dann sprich!«, forderte der Älteste und somit auch der Regent der Cel'Acaran. Er streckte sein Gesicht hervor. Es war alt und eingefallen. Ein Auge war blind.

»VITHAU könnte unsere Rettung sein. Wir müssen den Sitz der Superintelligenz finden. Es sind ihre Galaxien. Sie soll uns dabei helfen den Frieden zu bewahren.«

Der Älteste gab sich erstaunt.

»Das sind große Forderungen an eine Entität. Doch gerade euer Mut der Verzweiflung könnte ihr helfen. Nun gut, ich werde euch helfen. Reist nach Kemperan. Sucht dort nach dem roten Kristall in den Bergen des Dufror. Dieser Kristall liegt dort seit Jahrtausenden. Er war ein Geschenk VITHAUs an uns. Nur die Zumbaar besitzen ebenfalls einen. Dieser Kristall wird euch direkt zu VITHAU führen.«

»Das ist doch ein Wort«, mischte sich Drausel ein. Serine versetzte ihm einen Hieb in die Rippen. »Autsch! Das war aber gemein!«

»Psst!«, gebot ihm Flegorn.

Der Älteste stand auf. Seine Schritte waren mühevoll, doch wirkte dieses Wesen imposant mit seinen fast drei Metern. Dieser Cel'Acaran musste noch älter als Lerec gewesen sein. Er gab seinem Artgenossen einen Datenspeicher mit den Koordinaten von Kemperan.

»Geht nun! Doch seid vorsichtig. Die Berge von Dufror sind gefährlich. Ich werde euch zwei meiner besten Krieger mitgeben. Möge VITHAU mit euch sein!«

Alle vier verneigten sich und verließen die Halle. Sie gingen den langen Gang zum Raumhafen wieder zurück.

Flegorn nahm Kontakt zur KYRA auf und teilte Natar mit, dass sie nun wiederkommen würden. Der Kyrene berichtete, dass zwei martialisch aussehende Cel'Acaran bereits auf der KYRA auf sie warteten.

»Ebenfalls hat der zumbaarische Botschafter, Jessyldun Kontakt mit uns aufgenommen. Er sagt, dass der Älteste ihm eine Information gegeben hat, dass wir nach Kemperan aufbrechen um den roten Kristall zu suchen. Er will uns begleiten. Sein Interesse ist auch der Erhalt des Friedens. Was geht hier eigentlich vor?« Natar klang ziemlich ungehalten.

Flegorn warf einen Blick zu Lerec.

»Sieben heldenhafte Vithauer. Wir müssen den Frieden bewahren, sonst wird eine dunkle Zeit über uns einbrechen. Bist du bereit, Flegorn?«

Lerec blickte ihn forschend an.

Der Jaynare zögerte keine Sekunde. »Ja, Meister Lerec. Ich bin bereit. Suchen wir diesen Kristall der uns zu VITHAU führt. Ich scheue keine Gefahr mehr.«

Die Brust des Jaynaren schwellte sich vor Stolz.

Lerec lächelte innerlich.

»Dann lasst uns aufbrechen. Aufbrechen zu VITHAU …«

ENDE

Die Gefährten unter der Führung Lerecs sind nun aufgebrochen, um VITHAU zu finden. Die Superintelligenz ist die einzige Kraft in den Doppelgalaxien, die noch einen Krieg verhindern kann.

Mehr dazu erfahrt Ihr in Heft 8 mit dem Titel

Die letzte Hoffnung

wieder geschrieben von Nils Hirseland.

Vithau - Interaktive Story des PROC - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 7 von Nils Hirseland. Titelbild: Rainer Schwippl. Nach einer Idee von: Rainer Schwippl. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung, Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory (SAXON, LaTeX). Homepage: http://www.proc.org/vithau/. eMail: vithau@proc.org. Copyright © 2000-2002. Alle Rechte vorbehalten!