Thomas RabensteinPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 6
VITHAU - Die interaktive Story des Perry Rhodan Online Clubs

VITHAU

Was bisher geschah

Die Manjarden, noch immer im Auftrag HUKTORs unterwegs, sind im Verlauf ihrer Mission auf das rätselhafte Zentralmodul gestoßen. Doch das Modul zeigt keine Funktion, wurde gewaltsam geöffnet und seine robotischen Komponenten stillgelegt. Im Kern entdecken die Manjarden Reste einer Plasmaballung, die offensichtlich Teil eines größeren Ganzen ist. Zu Aiks großer Überraschung kommt über die Kreatur namens Pinn, eine mentale Verständigung zustande. Was das Plasma dem Manjarden übermittelt, klingt nahezu unglaublich. Es erzählt die Geschichte von VITHAU!

1. Vithaas

Der Koordinator folgte mit seinem Linsensystem der Silhouette der gigantischen Stadt. Ein Meer aus Gebäuden, Landeplätzen und Fertigungsstätten breitete sich vor seinen Sensoren aus. Die STADT reichte bis zum Horizont und darüber hinaus.

Mehr als drei Kilometer führten unterirdische Anlagen in die Tiefe der Planetenkruste und bargen vornehmlich Industrieanlagen, Produktionsstätten und die nötige Infrastruktur.

Die STADT erstreckte sich unterhalb der Oberfläche um ein Vielfaches weiter, als die Bebauung an der Oberfläche glauben machte.

Trotzdem konnte sie durch ihre Erscheinung beeindrucken, denn sie bedeckte den gesamten Hauptkontinent des Planeten Vithaas!

Im Gegensatz zu monotoner Zweckmäßigkeit, die allerorts in den unterirdischen Bereichen der STADT vorherrschte, legte man Wert auf ästhetischen Wohnraum und großflächige Erholungsparks an der Oberfläche.

Wo sich dennoch funktionelle Gebäude gruppierten, herrschten schlanke und hohe Konstruktionen vor.

Jedes dieser Gebäude war kühn und hoch gebaut, groß genug, um die Wolkendecke des Planeten zu berühren.

Geschwungene Gleiterbahnen schlängelten sich zwischen den hohen Bauten hindurch und regelten den Verkehr auf über 100 verschiedenen Flugebenen.

Die STADT war eine Metropole der Superlative!

Nördlich vom Standpunkt des Koordinators lag der Raumhafen Wonmon.

In der Sprache der Herren bedeutete das Ort der Ankunft.

Tatsächlich hatte der Name eine tiefere Bedeutung, denn an diesem Ort würde der Koordinator die Kolonie an die Herren übergeben.

Wonmon, ein 4000 Quadratkilometer großes Areal aus molekülverdichtetem Panzerplast, konnte bis zu 20 000 Großraumschiffe gleichzeitig aufnehmen und abfertigen.

Momentan belegte die Dritte Flotte das Landefeld und wurde von den Arbeitsdrohnen auf mesotronischen Betrieb umgerüstet.

Die älteren Einheiten der Heimatflotte, noch immer mit syntronischen Modulen bestückt, bezogen bereits Warteposition im Orbit.

Die Meso-Technologie, die den Kern der neuen Rechnergeneration bildete, war eine Weiterentwicklung eines assimilierten Verfahrens, das den früheren Ureinheiten vor zweihundert Jahren in den Schoß gefallen war.

Auf einer einsamen Eiswelt in der Galaxis V1 fanden Späher ein havariertes Raumschiff. Das Schiff musste bereits vor langer Zeit dort abgestürzt sein. Tektonische Verschiebungen im Umfeld deuteten jedenfalls darauf hin.

Von der ursprünglichen Besatzung war niemand mehr am Leben oder vor Ort. Die geöffneten Außentore ließen aber vermuten, dass sich die Überlebenden längst mit Beibooten abgesetzt hatten.

Die Hülle des unbekannten Schiffes, wirkte trotz der langen Zeit die es bereits auf der Oberfläche lag, makellos und glänzte wie polierter Stahl. Dieser Widerspruch konnte schnell geklärt werden. Der verwendete Werkstoff der Schiffszelle war einzigartig!

Statt molekularverstärkter Verbund- und Panzerplastmaterialien, hatten die Erbauer des fremden Schiffes kristallines Metall eingesetzt.

Die obere Schicht des exotischen Hüllenmaterials wurde dabei ständig abgestoßen und von der Basis neu aufgebaut.

Auf diese Weise, so errechneten die Ureinheiten, erneuerte sich die gesamte Schiffszelle einmal in 1000 Jahren und der Erneuerungsprozess lief noch immer ab.

Durch unbekannte Manipulationen auf atomarer Ebene war ein Werkstoff geschaffen worden, der offenbar selbst regenerierende Eigenschaften aufwies.

Doch das war nicht alles, was die Kundschafter der Robotzivilisation herausfanden.

Im Innern des unbekannten Schiffes, entdeckten die Ureinheiten eine Reihe zerfallener Rechnermodule, die sie einer genaueren Untersuchung unterzogen.

Es gelang den Vithaas, Fragmente der fremden Technologie zu bergen und auszuwerten.

Die Ureinheiten erkannten schnell, dass die fremde Technologie zukunftsweisend war und den bis dato rein syntronischen Betrieb revolutionieren konnte.

Die Artefakte wurden über viele Jahre untersucht und aus den Ergebnissen erste Prototypen einer völlig neuen Rechnergeneration entwickelt. Diese Prototypen zeichneten sich bereits durch eine erstaunliche Leistungsfähigkeit aus und wurden Schritt für Schritt verbessert. Die Meso-Technologie war geboren!

Eine Mesotronik, gegenüber destruktiven Programmen und syntronischen Viren unempfindlich, ist in Punkto Robustheit durchaus mit antiquierten, positronischen Derivaten vergleichbar.

In der Rechenleistung übertrifft ein mesotronischer Rechner eine Syntronik um ein Vielfaches und das bei 70 Prozent geringerem Platzbedarf.

Die innovative Rechnerarchitektur einer Mesotronik, die durch Anwendung des hyperphysikalischen Tunneleffekts für den Signaltransport und der neuronalen Vernetzung von Milliarden, molekülgroßer Knotenrechner besticht, entwickelt ein maschinelles Quasibewusstsein, das auf einen unbegrenzten Daten- und Wissenspool zugreifen kann.

Diese geballte Rechenleistung wird im so genannten Kernel bereitgestellt, einem kugelförmigen, gekapselten Gebilde, das unter allen Gross-Mesotroniken beliebig austauschbar ist.

Die außergewöhnliche Modularität der Mesotroniken war ein Grund, warum die Ureinheiten die neue Rechnerarchitektur übernommen hatten und von nun an den bewährten Syntroniken vorzogen.

Das Hauptkriterium aber war die Eigenschaft der neuronalen Neugruppierung der Knotenrechner, die im weitesten Sinne eine künstliche Evolution innerhalb jeder Rechnergenerationen ablaufen ließ.

Prozesse oder Programme, die sich als fehlerhaft oder unzulänglich erwiesen, wurden durch redundante, verbesserte Linien ersetzt und entwickelten sich selbstständig weiter, wobei nur jeweils die erfolgreichste Lösung an die nächste Generation der Verknüpfungen weitergegeben wurde.

Die Quintessenz war ein Rechner, der seine eigene Struktur und Architektur stetig verbesserte und sich letztendlich für die aktuelle Anwendung perfektionierte. Das ganze fand in einer unglaublichen Geschwindigkeit statt.

Mesotroniken stellten somit eine harmonische Fusion aus Hard- und Software dar. Ein Computer, der sein eigenes Betriebssystem konzipierte, sich in kürzester Zeit neuen Gegebenheiten und Aufgaben anpassen konnte und somit für jedes erdenkliches Problem gerüstet war.

Seit der Einführung des mesotronischen Prinzips war es niemals zu Ausfällen oder Fehlleistungen gekommen. Kontinuierliche Verbesserungen in Richtung auf das beste System, gewährleisteten Qualität und Zuverlässigkeit.

Bald wurden auch die syntronischen Gehirne der Ureinheiten durch mesotronische Rechnereinheiten ersetzt.

Die frühere Zentralsyntronik wurde eine Zentralmesotronik, aus den Ureinheiten wurden die Vithaas und aus rein syntronischen Maschinen hochwertige Roboter, ausgestattet mit einer Quasi-Intelligenz.

Der Koordinator ließ zwei Blendvisiere aus Formenergie um seinen Kugelkopf materialisieren und blickte der Sonne Vith entgegen.

Normalerweise war diese Maßnahme nicht nötig, denn die optischen Systeme des Koordinators konnten sich auf jedes Spektrum fokussieren.

Diesmal wollte der Robot jedoch die Welt bewusst mit den Augen der Herren wahrnehmen.

Der schlanke, ästhetisch und humanoid geformte Robotkörper wirkte in jedem Detail perfekt. Die metallisch schimmernde Hülle, die den funktionalen Teil des Koordinators umschloss, war makellos und erstrahlte in spiegelndem Gold.

Der zwei Meter große Körper des obersten Vithaas stellte ein Unikat dar. Es handelte sich um eine spezielle Konstruktion, die bald als Vertreter der Robotzivilisation und Interface der Grossmesotronik den Herren gegenübertreten sollte.

Der Koordinator besaß eine gewisse Autonomie, konnte sich frei bewegen und selbstständig Tätigkeiten ausführen sowie Entscheidungen treffen. Trotzdem war er im Grunde nur der verlängerte Arm der Zentralmesotronik und somit nichts anderes als ihr Ausführgehilfe. Seine Entscheidung war gleichzeitig der Wille der Großmesotronik und somit aller Vithaas, die von dem Zentralrechner gelenkt wurden. Das Robotervolk bildete so in gewisser Weise eine Einheit.

Der gelbe Stern Vith stand bereits tief am südlichen Horizont.

Tief im Süden des Hauptkontinentes lag auch der Handelshafen und Güterumschlagplatz Lookmot.

Große, bauchige Transportschiffe starteten im Minutentakt in den Abendhimmel und holten ihre Fracht von den vorgeschobenen Rohstoffplaneten ein.

Die Kolonie der Vithaas benötigte jeden Tag 100 Millionen Tonnen Erze aller Art, um den Ausbau voranzutreiben. Noch niemals war es seit dem Start des Kolonieprojektes zu einem Engpass gekommen.

Der enorm hohe Energieverbrauch der STADT und des ganzen Planeten wurde durch eine polare Sonnen-Zapfstation gewährleistet.

Zwei tiefblau, leuchtende Energiestrahlen streckten sich der Sonne entgegen und gewährleisteten so eine kontinuierliche Versorgung.

Vom polaren Kollektor ausgehend, floss die Energie in gigantische Wandler, die wiederum über Hyperkanäle in Verbindung mit entsprechenden Empfangspolen auf dem ganzen Planeten standen.

Der Koordinator sah kurz gen Himmel.

Fast schien es, als ob er träumend den Sonnenuntergang bewunderte. Doch für die Schönheit der Natur fehlte ihm jeder Sinn.

Er begutachtete lediglich den schwach schimmernden Energieschirm, der den gesamten Planeten umspannte und gegen äußere Einflüsse abschirmte.

Startende Schiffe konnten per Kodeimpuls ihre eigenen Strukturlücken schalten, um dann weiter in das All vorzustoßen.

Die Zapfstrahlen und die Sonneneinstrahlung wurden in keiner Weise vom Planetenschild beeinträchtigt. Materielle Körper konnten den Schirm jedoch keinesfalls durchdringen und wurden bei Berührung durch eine erzwungene Transition an die Systemgrenze versetzt.

Im Krisenfall konnte der planetenumspannende Quantrim-Schirm so aufgeladen werden, dass er ganz Vithaas in eine schwebende Transition und somit halbstofflich in den Hyperraum versetzte.

Doch zu solch einer drastischen Maßnahme hatte der Koordinator bisher niemals greifen müssen.

Das Interface der Großmesotronik kannte keine Gefühle, Stolz war ihm fremd. Trotzdem sagte ihm seine Programmierung, das alles was er sah gut war.

Mit einem kurzen Befehlsimpuls regelte er seinen Antigrav ein und schwebte langsam um die weite Dachterrasse des Glaspalastes herum.

Das 2000 Meter hohe Gebäude aus Vandax-Kristall war nach der Ankunft der Herren als zentraler Regierungssitz vorgesehen und würde das Zentrum des neuen Imperiums bilden.

Ein Imperium, das nur noch darauf wartete, von seinen neuen Herren übernommen und mit Leben erfüllt zu werden.

Der Koordinator verweilte einen Augenblick und sah zur ZELLE hinüber, die noch immer das Zentrum der STADT und gleichzeitig ihren Ursprung bildete.

Alles hatte hier seinen Anfang genommen, vor genau 12 000 Jahren...

2. Die ZELLE

Die ZELLE fiel mit einer leichten Strukturerschütterung aus dem Hyperraum und nahm Augenblicklich die Ortung auf.

Zwei in enger Nachbarschaft stehende Spiralgalaxien zeichneten sich auf den Schirmen ab.

Sofort reagierten die sensiblen Systeme der ZELLE, richteten das kleine Schiff aus und brachten so die beiden Galaxien in den Fokus der Ortungssysteme.

Die Sensoren verzeichneten bald darauf regen Hyperfunkverkehr. Es existierten demnach raumfahrende Völker, die miteinander kommunizierten und den Hyperraum sowie die 5D-Technologie nutzten.

Die ZELLE ermittelte auch, dass der Lebensraum beider Galaxien bei weitem nicht vollständig erschlossen war. Ein Kolonieprojekt machte demnach Sinn.

Diese, vielleicht wichtigste Entscheidung, wurde innerhalb weniger Minuten gefällt. Es sollte eine Entscheidung werden, die auf die weitere Entwicklung der beiden Galaxien maßgeblichen Einfluss haben sollte.

Die syntronischen Komponenten der ZELLE begannen zunächst den idealen Standort für die zukünftige Kolonie zu ermitteln.

Nachdem die Daten beider Galaxien erfasst und gespeichert waren, tauchte die ZELLE erneut in den Hyperraum ein und erreichte in zwei Etappen den Gravitationsschwerpunkt der beiden Sterneninseln.

Obwohl die ZELLE, eine spindelförmige Konstruktion von 200 Metern Länge, am Zielpunkt zwischen den Galaxien scheinbar reglos und inaktiv verharrte, begannen in ihrem Innern unglaublich komplexe Vorgänge abzulaufen.

Die Programmierschablonen der Ureinheiten wurden erzeugt und mit den Rasterdaten möglicher Ziele verglichen.

Abhängig von den physikalischen Bedingungen des Zielplaneten würde die interne Mikro-Fabrikationsstraße die Ureinheiten mit angepassten Modulen bereitstellen.

Nach 20 Stunden gab der Hauptrechner der ZELLE das Bereit-Signal und wartete auf die Übermittlung der Zieldaten.

Die Hauptsyntronik hatte mittlerweile rund eine Millionen mögliche Ziele ausgewertet und mit der Idealvorgabe der Herren verglichen.

Eines war bereits gewiss, die Wahl würde auf eine warme Sauerstoffwelt fallen.

Zusätzlich musste es im nahen und weiteren Umfeld der neuen Kolonie Planeten geben, deren Ressourcen für den späteren Aufbau genutzt werden konnten.

Außerdem durfte in direkter Nachbarschaft keine fortschrittliche Rasse existieren, denn ein zu früher Kontakt mit anderen Zivilisationen konnte sich schädlich auf die Entwicklung der Kolonie auswirken.

Die ZELLE würde zwar sofort nach der Bereitstellung der Ur-Einheiten mit dem Schutzprogramm starten und Waffendrohnen fertigen, doch bis zum Aufbau einer Verteidigungsarmee war die junge Kolonie verletzlich.

Die Wahl der ZELLE fiel deshalb auf einen abgelegenen Kugelsternhaufen im Leerraum.

Der Sternhaufen lag auf halbem Weg zwischen beiden Galaxien, etwa 300 000 Lichtjahre vom gemeinsamen Gravitationsschwerpunkt entfernt. Diese Sonnenballung – vermutlich ein Irrläufer aus der Galaxis V1 – umfasste zirka 3000 Einzelsterne aller Typenklassen und bewegte sich auf einer langen Bahnellipse auf die Galaxis V2 zu.

Diese Daten beeinflussten die Wahl der ZELLE in keiner Weise, da sich der Vorgang in kosmischen Zeiträumen abspielte und die Kolonie nicht gefährdete.

Der Sternhaufen erhielt den Namen Katimon, was in der Sprache der Herren Hort der Zukunft bedeutete.

Erneut setzte sich die ZELLE in Bewegung und nahm Kurs auf das nahe Ziel. Es würde nur ein kurzer Flug durch den Hyperraum werden.

Nach einer sehr langen Reise war die ZELLE endlich am Ziel ihrer eigentlichen Aufgabe angelangt.

Als dritter von insgesamt sechs Planeten umkreiste Vithaas, wie ab sofort der Planeten in den syntronischen Logbüchern der ZELLE geführt wurde, den gelben Zentralstern Vith. Für die Namensgebung war die Zentralsyntronik zuständig, die anhand verschiedener Vorgaben ihre Wahl traf.

Die gelbe Sonne wies geradezu optimale Parameter auf.

Sie befand sich etwa in der Mitte ihrer Lebensspanne und garantierte so eine konstante Energieabstrahlung für die nächsten 2 bis 3 Milliarden Jahre.

Der Planet Vithaas, im Zentrum der Ökosphäre gelegen, besaß keine Achsenneigung und fiel mit seinen 13 000 Kilometern Durchmesser, seiner warmen Sauerstoffatmosphäre und einer Rotationsperiode von 28 Stunden genau in das Rasterprofil der Herren.

Es gab auf Vithaas keine intelligenten Lebensformen, tierische Formen fehlten gänzlich. Lediglich eine artenreiche Flora hatte sich entwickelt und bedeckte die Kontinente des Planeten.

Doch es wurden nicht nur Wälder registriert, es gab auch steinige Tundren und kleine, aber sehr heiße Wüsten.

Große Meere zwischen den Hauptkontinenten sorgten für einen konstanten Wärmetausch mit der Atmosphäre und somit für stabiles und mildes Klima.

Während die ZELLE in den Orbit um Vithaas einschwenkte, verließen kleine Erkundungsdrohnen das Schiff und flogen die übrigen Planeten des Systems an.

Als besonders viel versprechend erwies sich der fünfte Planet, ein Gasriese mit 30 Monden, jeder von ihnen eine ergiebige Quelle für Rohstoffen aller Art.

Der Planet Vithaas, der längst von der ZELLE in allen Details erkundet worden war, bot die idealen Voraussetzungen für den neuen Koloniestandort.

Hätte die ZELLE über Emotionen verfügt, dann wäre jetzt der Zeitpunkt der Freude, denn ein vor langer Zeit initialisiertes Programm, fand nun sein Ende.

Doch nur das Programm der Suche war am Ende angelangt. Was folgen würde war noch viel größer und der Beginn des eigentlichen Projekts.

Die ZELLE verließ den Orbit um Vithaas und tauchte in die tiefen Schichten der Atmosphäre ein.

Nach dem ersten Kontakt mit der Atmosphäre aktivierte sich automatisch der Prallschirm und ein Antigravkissen begann, die Fallgeschwindigkeit der ZELLE zu reduzieren.

Mit syntronischer Präzision schwebte die ZELLE genau über dem Mittelpunkt des größten Hauptkontinents ein und verharrte für wenige Minuten auf der Stelle.

Dann stellte sich die 100 Meter lange Spindel auf den Kopf und bohrte sich mit einem Desintegratorstrahl in die steinige Oberfläche der steppenartigen Landschaft.

Atomarer Staub wirbelte auf und nebelte die Landestelle ein, in die sich die ZELLE langsam herab senkte.

Als sich der Staub nach etwa einer Stunde gelegt hatte, schien alles wie zuvor. Es herrschte Stille.

Nur das ehemalige Heck der ZELLE ragte noch 20 Meter kerzengerade aus dem Boden in die Höhe und wirkte wie ein hingeworfener Fremdkörper in einer idyllischen Landschaft.

Der Rest des Spindelkörpers war tief im Boden versunken.

Unsichtbar an der Oberfläche, hatte die ZELLE bereits im felsigen Untergrund einen geräumigen Hohlraum geschaffen, der als erste Basis für die Ureinheiten dienen sollte.

Desintegratorbohrer erweiterten die unterirdische Höhle weiter, Prallfelder verdichteten die Wände und Decken- und Molekularforming sorgte für die benötigte Festigkeit der Wände und Tragfähigkeit der Decken. Der gesamte Prozess wurde innerhalb weniger Stunden abgeschlossen, dann folgte Phase zwei.

Ein Schott fuhr langsam zur Seite und Licht fiel in die vorher dunkle Höhle. Nach und nach verließen die ersten Ureinheiten die ZELLE, schwebten auf ihren Antigravkissen dem Boden entgegen und waren vom ersten Moment an autark.

Nur gesteuert durch das übergreifende Koordinationsprogramm der Zentralsyntronik, ging jede Ureinheit unverzüglich an die Arbeit.

Die Ureinheit Material begann sofort mit der Analyse der Erz- und Flözschichten des Planeten, um Grundmaterialien zur Verfügung zu stellen. Mit ihrem internen Konverter war sie in der Lage, jede Art von Erz zu verhütten und Rohprodukte in beliebiger Form zu erzeugen und bereitzustellen.

Die Ureinheit Reproduktion erstellte ein Fertigungsprogramm auf, um weitere Ureinheiten zu klonen und so die Produktion Schritt für Schritt zu steigern und effizienter zu machen.

Die Ureinheit Arbeit machte sich sofort daran, das Höhlensystem zu erweitern und zu befestigen. Bereits am Ende des ersten Tages waren umfangreiche Stollen vorangetrieben und ausgebaut worden. Alles lief nach einem genauen Schema ab.

Auf der Oberfläche postierte sich die Ureinheit des Kampfes.

Vorerst allein auf sich gestellt, sondierte sie den Planeten nach potentiellen Gefahrenquellen; entschlossen, jeden Angriff auf die junge Kolonie mit allen verfügbaren Mitteln zurückzuschlagen.

Die Ureinheiten kannten keine Rast und keine Pause.

Unermüdlich nahm die Ureinheit der Reproduktion die Rohstoffe der Einheit Material an und formte weitere robotische Helfer.

Die syntronischen Basismodule für die ersten reproduzierten Einheiten wurden noch aus dem Lager der ZELLE geliefert, später aber würden entsprechende Produktionszellen die Herstellung dieser lebenswichtigen Komponenten übernehmen.

Am Ende der ersten Woche hatten sich bereits drei Einheiten des Kampfes um die Spindel gruppiert, unterirdisch arbeitete bereits eine ganze Division von Arbeitseinheiten am Ausbau Tunnelnetzes.

Tage, Wochen und Monate vergingen.

Einen Kilometer vom Standort der ZELLE entfernt brach plötzlich der Boden auf und die Panzerplast Stützelemente des ersten Gebäudes wuchsen in die Höhe.

An immer mehr Stellen bildeten sich nun Baustellen auf der Oberfläche.

Was zunächst sinnlos und zufällig anmutete, hatte Konzept.

Das unterirdische Netz der zukünftigen Stadt war bereits angelegt.

Fundamente waren gesetzt, Versorgungsschächte und unterirdische Bunker fertiggestellt. Von nun an wuchs die Stadt in die Höhe!

Erste Lastengleiter, aus dem erweiterten Startprogramm der Reproduktionseinheiten geschaffen, flogen weiter entfernte Punkte an und begannen mit dem Abbau von Rohstoffen und der Vorbereitung der Infrastruktur.

Speziell abgesteckte Areale wurden als zukünftige Erholungszentren ausgewählt und vorbereitet.

Einheimische Pflanzenarten, kultiviert und gentechnisch verändert, bildeten exotische Wälder an Stellen, wo niemals zuvor ein Baum gestanden hatte.

Riesige Pilzwälder entstanden, Farne säumten die Gleiterpfade und Bäume umrahmten eindrucksvolle Plätze und riesige Skulpturen.

Seen breiteten sich aus, über die man auf Antigravpfaden wandeln konnte und kleine Inseln ragten aus dem Wasser, die später einmal Oasen der Ruhe und Erholung sein sollten.

Das Urprogramm der ZELLE hatte ganze Arbeit geleistet.

Bereits nach drei Jahren verfügte die junge Kolonie über eine respektable Infrastruktur, Fertigungsanlagen, eigene Energieversorgung und eine kleine Schutzarmee. Dann kam es zum ersten Zwischenfall...

Die Ureinheiten des Kampfes verfügten zu diesem Zeitpunkt über lediglich 2 Jagdeinheiten. Für den interplanetarischen Flug bestens geeignet, besaßen die Kampfmaschinen jedoch keinen Hyperantrieb.

Der Grund dafür war einfach.

Für die Anlagen und Aggregate eines Hyperantriebs benötigte man spezielle, fünfdimensional schwingende Hyperkristalle.

Vorkommen dieser Hyperkristalle hatte die ZELLE vor der Landung auf Vithaas in einem fünfhundert Lichtjahre entfernten Sonnensystem lokalisiert.

Um das Nachbarsystem zu erreichen und die Hyperkristalle abzubauen, benötigte man demnach ein hyperflugtaugliches Schiff.

Die Lösung für dieses Problem war in der Urprogrammierung der Zelle verankert.

Der ehemalige Hyperantrieb der ZELLE selbst würde die Antriebsmaschinen für den ersten Frachter liefern.

Da es nur einen einzigen Hyperantrieb an Bord der Zelle gab, hatte die Fertigstellung des ersten Frachters Priorität, selbst über die Schutzbedürfnisse der Kolonie.

Ein kritischer Zeitpunkt war erreicht, von dem das weitere Wachstum der Kolonie abhing. Um weiter zu wachsen, benötigte die Kolonie Hyperflug fähige Raumschiffe. Für die Raumfahrt wiederum war man auf Hyperkristalle angewiesen und um sie zu bergen, musste man den einzig vorhandenen Hyperantrieb einsetzen.

Sollte dem ersten und vorläufig einzigen Frachtschiff etwas zustoßen, dann würde das Wachstum wegen fehlendem Nachschub stagnieren und die Kolonie schließlich an ihrem zu hohen Energie- und Rohstoffbedarf zugrunde gehen.

Bei der Kolonieverteidigung musste man deshalb Abstriche hinnehmen.

Die zwei Kampfjäger, jeder von ihnen mit 2 Ureinheiten des Kampfes besetzt, konnten einen möglichen Gegner nur bedingt Widerstand entgegen setzen und nicht in den Hyperraum nachsetzen.

Die spätere Fertigstellung effektiver und Fernflug tauglicher Kampfschiffe, würde das ändern. Doch bis dahin, würde noch einige Zeit vergehen.

Als der einzige Frachter von Vithaas abhob, um in das Nachbarsystem aufzubrechen, wusste die koordinierende Syntronik der ZELLE bereits, was von diesem Einsatz abhing.

Im ganzen System der Sonne Vithaas waren keine Hyperkristallvorkommen zu verzeichnen. Die Zukunft der Kolonie und die Erfüllung der gestellten Aufgabe, hingen einzig vom Erfolg des Frachters ab und von der Arbeit der mitgeführten Einheiten.

Die ZELLE wartete sechs Monate auf die Rückkehr des Frachters, dann endlich traf die Bestätigung ein.

Die Lenkeinheit des Frachters meldete gleich nach der Ankunft reiche Vorkommen an Hyperkristallen und eine volle Ladung überlebenswichtiger Rohkristalle.

Die syntronische ZELLE kannte das Gefühl der Erleichterung nicht, dennoch hatte man den Eindruck, dass die Maschinen auf Vithaas, deren Zahl auf mehrere Hunderttausend angewachsen war, mit neuem Elan an die Arbeit gingen.

Kurz nach der Landung des Frachters, traf eine unerwartete Alarmmeldung von einer der vorgeschobenen Stationen ein.

Ein fremdes Schiff war am Systemrand materialisiert, zu diesem Zeitpunkt ein denkbar ungünstiges Ereignis!

Die ZELLE gab sofort Befehl für den Alarmstart der beiden Jagdeinheiten, um die verletzliche Kolonie zu schützen.

Die Fabriken der jungen Kolonie wurden von Koloniebedarf auf Rüstung umgestellt und Einheiten des Kampfes bezogen ihre Stellungen an den strategisch wichtigen Punkten der jungen Stadt.

Die Syntronik der ZELLE benötigte nicht lange, um zu erkennen, dass dieser Besuch nicht zufälliger Natur war.

Ein fremdes Volk musste die Aktivitäten des Frachters beobachtet und ihn bis nach Vithaas verfolgt haben.

Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen des Frachters, der über mehrere Etappen und Kurswechsel zurückgekehrt war, hatten die Fremden das Schiff verfolgen können.

Die ZELLE war aufs höchste alarmiert und begann, das Verhalten der Eindringlinge zu analysieren.

Das Vorgehen des fremden Schiffes symbolisierte Überlegenheit. An Bord machte man sich offenbar keine Sorgen über den Ausgang eines eventuellen Kampfes.

Die ZELLE war einen Moment irritiert. Robotisch gesprochen hatte die Syntronik mehrere Möglichkeiten abgewogen und konnte keine davon statistisch gewichten.

Als das fremde Schiff die Bahn des Fünften Planeten überschritt, gab die ZELLE Vollalarm.

Alle Einheiten, bis auf die Einheiten des Kampfes, zogen sich in die unterirdischen Bunker zurück. Notkraftwerke sprangen an und Projektoren legten Strukturschirme über die neuralgischen Punkte der Kolonie.

Die Fremden änderten ihr Vorgehen in keiner Weise, sondern steuerten noch zielstrebiger auf Vithaas zu.

Die beiden Jagdeinheiten gingen unter voller Kampfbereitschaft auf Zielkurs und schlossen das fremde Schiff mit einem Zangenmanöver ein. Dann traf ein Funkspruch der Besucher ein.

Sofort machte sich die ZELLE an die Entschlüsselung der Symbolfolgen, die schon nach kurzer Zeit im Klartext vorlagen.

Die Erkenntnis über den Inhalt der Botschaft verursachte eine kurze Überladung der syntronischen Komponenten.

Die Fremden forderten die bedingungslose Kapitulation und Übereignung der Kolonie. Anderenfalls drohten sie mit der totalen Vernichtung des Planeten durch Atombrand.

Die ZELLE kannte keine Panik. Automatisch aktivierte sich ein Unterprogramm, das auf diese spezielle Situation abgestimmt war.

Das kompromisslose Vorgehen der Fremden erlaubte eine ebenbürtige Reaktion. Moralische Grundkonzepte, die der zentralen Syntronik in der Programmierung mitgegeben waren, wurden durch eine Sicherheitsschaltung kurzfristig außer Kraft gesetzt und erlaubten somit den Einsatz aller verfügbaren Mittel zur Verteidigung.

Die Zentralsyntronik sendete einen starken Impuls aus, der von allen Einheiten des Kampfes empfangen wurde: »Rettet die Kolonie!«

Auch die Fremden empfingen dieses Signal, konnten es aber offensichtlich nicht deuten.

Stattdessen löste sich vom Schiff der Fremden ein blendender Energiestrahl, der eine der Jagdeinheiten Mitschiffs traf.

Die Jagdeinheit wurde aus der Bahn gerissen, doch der Schirm des Jägers hielt der Energiewaffe des Fremden stand.

Eine erste Unsicherheit war im Verhalten des Fremden zu erkennen, denn das Schiff bremste deutlich ab und legte eine weitere Schirmstaffel um seinen Rumpf.

Die ZELLE hatte längst die Waffenwirkung des Angreifers ausgewertet.

Der langsamen Reaktion des Schiffes nach zu urteilen, war es mit organischen Lebewesen besetzt.

Die Technologie der Herren war dem Schiff der Angreifer überlegen.

Der Angreifer wechselte die Taktik und feuerte eine Anzahl schnell fliegender Geschosse ab, einige davon auf den Planeten gerichtet.

Während die Einheiten des Kampfes die Raumtorpedos als Trägerkörper für Atombrandbomben identifizierten, vernichtete eine der beiden Jagdeinheiten die Geschosse weit vor dem Planeten.

Die zweite Jagdeinheit nahm das Schiff des Angreifers direkt unter Feuer.

Die Waffenwirkung der eingesetzten Intervallkanone zerschlug die Schirmstaffel des weitaus größeren Angreifers bereits beim ersten Treffer.

Die ZELLE errechnete, dass den Eindringlingen eine grobe Fehleinschätzung unterlaufen war. Eine junge und kleine Kolonie, war nicht zwangsläufig schwach und wehrlos.

Im selben Moment hatten die Fremden wohl denselben Schluss gezogen, denn der Angreifer wendete sich vom Planeten ab und beschleunigte in Richtung Systemrand.

Die ZELLE signalisierte ihren Jagdeinheiten, den Fremden nicht entkommen zu lassen, denn das Schiff durfte auf keinen Fall Informationen über die junge Kolonie in eine der beiden Galaxien hinaustragen.

Die Jagdeinheiten hielten mühelos mit der Beschleunigung des Fremden mit und unterbanden den Hyperfunkverkehr durch ein Quantrim-Feld.

Erneut feuerte der fremde Raumer auf die Jagdeinheiten, die sich aber längst auf die gegnerische Waffenwirkung eingestellt hatten und den Beschuss mühelos standhielten.

Dann gab die ZELLE den Befehl, das fremde Schiff zu vernichten.

Ein heller Glutball blähte sich im System der Sonne Vith auf und beendete die erste Kampfhandlung der jungen Kolonie.

Ein Kampf, der im Interesse der eigenen Sicherheit, mit der Vernichtung des Aggressors abgeschlossen wurde.

3. Der Ruf

Der Koordinator beendete das kurze Erinnerungsprogramm und zog sich von der Dachterrasse zurück.

Die ZELLE und ihre Ureinheiten hatten ganze Arbeit geleistet.

Die Vithaas, wie sich die letzte Generation der stetig weiter entwickelnden Roboter nannte, hatten längst das ganze System und den größten Teil von Katimon erschlossen.

Kundschafter waren in die beiden Galaxien vorgestoßen und auf einige, sehr hochstehende Zivilisationen gestoßen.

Die Vithaas dieser Zeit brauchten sich nicht mehr zu verstecken.

Gelegentlich wurden sogar Handelsschiffe fremder Völker empfangen, die dringend benötigte Waren mitbrachten.

Die Raumflotte der Vithaas zählte heute 90 000 Einheiten; eine Zahl, die momentan nicht weiter ausgebaut wurde und im Einklang mit dem zu kontrollierenden Gebiet und den Schutzbedürfnissen der Kolonie stand.

Im Zentrum des Glaspalastes angelangt, schwebte der Koordinator auf die Zentralkonsole zu, ein Kontrollgerät, das vielleicht die wichtigste Funktion der ganzen Kolonie beherbergte.

Mit diesem Kontrollgerät konnte der Koordinator die Herren rufen.

Rund 12.000 Jahre hatten die Vithaas benötigt, die Kolonie und den Grundstock des zukünftigen Sternenreiches aufzubauen. Ihre Aufgabe war erfüllt und die Herren würden sehr zufrieden sein. Es war an der Zeit den Ruf zu senden.

Der Ruf bedurfte jedoch einiger Vorbereitung.

Zunächst mussten Schutzmaßnahmen getroffen und die benötigten Energien bereitgestellt werden.

Mit einer leichten Berührung der Authentifizierungssensorik fiel der Prallschirm um die Zentralkonsole in sich zusammen und gab den Weg zu den Kontrollen frei.

Der Koordinator zögerte keine Sekunde und leitete den Countdown ein. Überall auf Vithaas, den Rohstoffwelten und Schiffen, begann mit der Präzision eines Uhrwerks ein genau vorgegebenes Programm abzulaufen.

Schiffe suchten den nächsten Landeplatz auf und aktivierten ihre Quantrimschirme. Lebenswichtige Bereiche der Industrie, Versorgung und Infrastruktur taten es ihnen gleich. Überall in der STADT flammten die blassen Sphären der Schutzschirme auf.

Die Umrüstungsarbeiten auf dem Raumhafen Wonmon wurden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Die wartenden Flotten im Orbit wurden auf Ausweichbasen umgeleitet und gelandete Schiffe in Schutzhangars verfrachtet.

Der Koordinator, nichts anderes als das mobile Interface der Grossmesotronik von Vithaas, beobachtete den Ablauf des Prozesses und war gleichzeitig über Tausende Hyperkanäle, mit den Hauptbereichen seines Planeten verbunden.

Ein neuer Zapfstrahl griff nach der Sonne, diesmal ging er von Una-Man aus, dem größten Mond des Gasriesen Vithaas-VI.

Der Koordinator erhielt kurz darauf die Bestätigung, dass die Speicherbatterien des Messengers damit begannen, sich aufzuladen.

Ein Hologramm zeigte den großen Wüstenmond, dessen gesamte Oberfläche technisiert, eingeebnet und bebaut war.

In Äquatorhöhe des Mondes befand sich ein gigantischer Krater, vor Millionen Jahren durch den Einschlag eines Kometen geformt. Dieser Krater mit einem Durchmesser von 6000 Kilometern war nahtlos in die technisierte Oberfläche des Mondes integriert worden und bildete eine vollverkleidete Hyperfunkantenne mit extremer Energieleistung und Bündelung.

Der gesamte Mond stellte somit eine gigantische Hyperfunkstation nebst Verstärker dar und konnte mit seiner Energieemission selbst den Abgrund zwischen Galaxien überbrücken!

Der Koordinator beobachtete jede Meldung, jeden Schritt des umfangreichen Countdowns. Dann trafen die Bereit-Meldungen aus allen Sektionen ein, der Ruf konnte gesendet werden.

Um einen Hyperfunkspruch zur der rund 60 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis der Herren zu senden, benötigte man derart große Energiemengen, das der Ruf nur ein einziges Mal abgestrahlt werden konnte.

Allein die auftretenden Streuemissionen des ultrastarken Hypersenders führten zu unberechenbaren, hyperphysikalischen Effekten, die sich negativ auf die Struktur des Mondes aber auch auf die Technik der Vithaas auswirken konnte.

Berechnungen gingen davon aus, dass der Mond unter Einwirkung dieser Energien vernichtet werden würde.

Der Koordinator verharrte reglos vor den Kontrollen und beobachtete den Countdown ohne jegliche Emotionen.

In zwei Stunden würde die Großmesotronik den Ruf absetzen und jeder in den beiden Galaxien würde ihn ebenfalls hören.

Die Sonne Vithaas schien kurz in sich zusammen zu sacken. Gleichzeitig veränderte sich die Farbe der Zapfstrahlen von hellen orange in tiefdunkles Blau.

Überall um die Zapfstrahlen herum riss der Normalraum auf und entlud überschüssige Energien in den Hyperraum.

Sofort wurde ein abschirmendes Quantrim-Röhrenfeld um die Energieleitung aufgebaut, das ein ungewolltes Abfließen von Energien unterband.

Auf dem Planeten Vithaas sah man erst Minuten später, wie sich der ruhig strahlende Zentralstern urplötzlich in ein hektisch flackerndes Fanal verwandelte.

Zeitgleich mit diesem Phänomen wurde der Quantrimschirm des Planeten überladen und die Sonne verschwand fast augenblicklich vom Himmel.

Stattdessen machte sich ein schlierig, weißes Wabern am Himmel breit, die optische Erscheinung des unergründlichen Hyperraums.

Im Normalraum spielten sich unglaubliche Szenen ab.

Mit Überlichtgeschwindigkeit breitete sich eine Hyperschockwelle aus, die im Umkreis von zwanzig Lichtjahren alle Sterne aufflammen ließ.

Die Sonne Vithaas, der gigantische Energien abgezapft wurden, flackerte wie eine Kerze im Wind. Dann erfolgte die Abstrahlung des Rufs.

Die abgestrahlte Energiemenge war so gewaltig, dass sich der bereits verfestigte und erkaltete Eisenkern des Mondes, innerhalb von wenigen Sekunden wieder verflüssigte.

Die Kruste brach auf, wurde durchlässig und zeigte so den gewaltigen Überdruck des Kerns an. Die Vithaas hatten mit diesem Effekt gerechnet.

Der Ruf wurde so oft wie möglich wiederholt, dann erlosch der Zapfstrahl des Mondes abrupt und die Sonne Vithaas begann sich langsam zu stabilisieren.

Die Abnahme der benötigten Energiemenge hatte den Stern etwa 200 000 Jahre altern lassen, doch auch dieser Effekt war bewusst einkalkuliert worden.

Überall in den beiden benachbarten Galaxien waren empfindliche Hyperfunkgeräte und auf 5D-Basis arbeitende Aggregate in Mitleidenschaft gezogen worden.

Auf den Notrufkanälen waren aber nur wenige Hilferufe zu hören, denn die meisten Anlagen waren durch den Ruf irreparabel zerstört worden.

Im gesamten Sternhaufen Katimon trat ein Phänomen auf, das mit Hyperphysikalischer Impuls bezeichnet wurde.

Dieses Phänomen verhinderte jeglichen Hyperfunkverkehr und erlaubte mehrere Stunden keine Kommunikation.

Der Effekt verflüchtigte sich nur langsam und wurde mit einer Art Taubheit des Trägermediums Hyperraum erklärt.

Die Vithaas hatten den Hyperraum erschüttert, einen Mond vernichtet und in beide Galaxien für Stunden den Hyperfunk lahm gelegt.

All das nur, um diesen kurzen Ruf an die Herren abzustrahlen.

Doch wurde er auch gehört?

Das Schwarze Schiff, zweifellos von der starken Hyperemission des Rufes angelockt, passierte den Sternhaufen in einer Distanz von 100 000 Lichtjahren. Der vorgeschobene Späher der Vithaas registrierte den Raumer anhand seines ungewöhnlichen Energiemusters.

Die Kontur des fremden Schiffes war nicht genau auszumachen. Es musste sich in einen unbekannten Energieschirm gehüllt haben, der keinerlei Einzelheiten aus seinem Innern offenbarte.

Gleich einem tiefschwarzen Schatten, mit stetig fließenden Konturen, schob sich das Schiff am Sternenhaufen der Vithaas vorbei.

Der Vithaas-Späher nahm die Verfolgung auf und aktivierte seinen Quantrim-Schirm.

Unsichtbare Tasterstrahlen analysierten das fremde Raumfahrzeug und behielten es ständig in der Ortung.

Der Späher folgte dem schwarzen Schatten eine Zeit lang in sicherem Abstand, dann schien das unbekannte Raumfahrzeug das Interesse an Kartimon verloren zu haben und drehte in den intergalaktischen Raum ab.

Der Späher speicherte den Vorgang und leitete die Informationen an die Zentralkolonie weiter.

Zu diesem Zeitpunkt wussten die Vithaas nicht, dass dies die erste Begegnung mit einem Schiff der höheren Mächte gewesen war.

Zum großen Glück der Vithaas hielt der Chaotender den Sternhaufen nicht für interessant genug, um dort zu intervenieren.

Vielleicht war das Schiff der Chaotarchen auch auf einer ganz anderen Mission unterwegs und nur Zufällig auf den Ruf aufmerksam geworden.

Leicht hätte die Geschichte der Vithaas an diesem Tag ein jähes Ende finden können, doch das Universum meinte es an diesem Tag gut mit der jungen Roboterzivilisation.

4. Die Ungewissheit

Genau einhundert Jahre waren vergangen und noch immer war keine Antwort von den Herren eingetroffen.

Der Koordinator, der die ganze Zeit über im Glaspalast weilte, stand starr und unbeweglich vor der Zentralkonsole.

Die Großmesotronik von Vithaas rechnete zwar immer noch mit der ersehnten Antwort, doch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Kontaktaufnahme nahm mit fortschreitender Zeit stetig ab.

500 000 Lichtjahre vom Vith-System entfernt, genau auf der Verbindungslinie zwischen Katimon und der Heimatgalaxis der Herren, hatten die Vithaas eine Großstation im Leeraum errichtet.

Diese Station sollte den Siedlungsschiffen der Herren eine erste Anlaufstelle bieten und die Ankömmlinge einweisen.

Die Station hatte auch die Aufgabe, ihre empfindlichen Sensoren weit in den intergalaktischen Leerraum auszustrecken, um die Ankunft der Herren frühzeitig zu melden. Doch von den erwarteten Siedlerschiffen fehlte bisher jede Spur.

Gelegentlich wurde fremder Schiffsverkehr verzeichnet, der offensichtlich zwischen den beiden Galaxien und einer bisher unbekannten dritten Koordinate stattfand.

Die angepeilten Schiffssignaturen bewegten sich ausnahmslos mit metagravähnlichen Triebwerken und entzogen sich bereits nach kurzer Zeit den Tastern der Vithaas. Offensichtlich gab es bereits eine Verbindung zu einer der Nachbargalaxien, doch genauere Daten lagen nicht vor. Nur eines war unstrittig – es handelte sich nicht um Schiffe der Herren.

Die künstlichen Gehirne der einstigen Siedlungsroboter hatten über die letzten hundert Jahre immense Entwicklungsschritte vollzogen.

Die Vithaas der Neuzeit besaßen künstliche Intelligenz und waren imstande, die Grundprogrammierung ihrer Herren zu hinterfragen.

So war es nicht verwunderlich, das der Koordinator zum einzig richtigen Schluss kam und ein Erkundungsschiff zur Galaxis der Herren entsandte.

Der Koordinator wies das Scoutschiff an, den Ruf persönlich an die Herren zu überbringen, Daten zu sammeln und dann nach Katimon zurückzukehren.

Die Grossmesotronik von Vithaas hatte mittlerweile den Schluss gezogen, dass die Herren den Ruf entweder nicht empfangen hatten, oder dass eine Katastrophe über das Volk der Erzeuger hereingebrochen war, die eine Antwort unmöglich machte.

Der Koordinator rechnete auch mit der Möglichkeit, dass eine andere ZELLE den Vorzug erhalten hatte und die Herren sich einem anderen Ort zugewandt hatten.

Letztere Möglichkeit bestand durchaus, denn die ZELLE war nicht die einzige ihrer Art gewesen.

Für den Fall, das die Vithaas und ihre Kolonie nicht mehr benötigt wurden, gab es eine klare Anweisung in der Grundprogrammierung.

Sie hieß schlicht und einfach – Selbstzerstörung.

An dieser Stelle stutzte der Koordinator kurz.

Natürlich war der Hintergrund für diese Anweisung klar. Die Herren wollten unter allen Umständen verhindern, dass ihre Technik und das gesamte Kolonieprojekt einem anderen Volk in die Hände fiel.

So weit war die Anweisung der Herren zumindest in ihrer Logik klar und schlüssig.

Doch die Vithaas waren nicht mehr identisch mit den syntronischen Ureinheiten der ZELLE.

Durch die mesotronischen Technik hatten sie die Fähigkeit entwickelt, Gedanken zu formulieren, Dinge zu hinterfragen und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.

Der Koordinator, mobiles Interface der Grossmesotronik, brauchte nur wenige Millisekunden, um die Fragmente der gefährlichen Grundprogrammierung zu identifizieren und so umzuordnen, das die Kolonie der Vithaas auch in Zukunft bestand haben konnte.

Was sich so simpel und einfach anhörte, hatte dennoch eine große Tragweite.

Auch wenn die Vithaas noch immer im Dienste ihrer Herren wirkten, so hatten sie sich mit der Löschung der Selbstzerstörungsklausel bereits von ihren Erzeugern abgekoppelt.

Ein entscheidender Schritt in die Selbstständigkeit war soeben vollzogen worden, auch wenn niemand davon Notiz genommen hatte.

Der Koordinator hatte die eigene Grundprogrammierung überschrieben und geändert!

Mit einem Ruck wandte sich der Robot von der Zentralkonsole ab und schwebte auf die Außenterrasse des Glaspalastes, das erste Mal seit 100 Jahren.

Sein Blick wanderte erneut über die große STADT, die er für die Herren erschaffen ließ.

Von nun an würden die Vithaas über ihren weiteren Weg selbst entscheiden können.

Ohne Gefühlsregung beobachtete der Koordinator, wie sich vom nahen Raumhafen ein Scoutschiff in den Himmel von Vithaas erhob. Das Kontaktschiff für die Herren.

Der Flug in die ferne Heimatgalaxis der Herren würde etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Genauso viel für den Rückweg veranschlagt, rechnete der Koordinator mit mindestens fünf Jahren, bis er über das Schicksal der Herren Gewissheit hatte.

Eine relativ geringe Wartezeit, gemessen an den Jahrtausenden, die seit der Landung der ZELLE verstrichen waren. Der Koordinator war bereit, ein letztes Mal zu warten.

5. Der Scout

Das Scoutschiff fiel aus dem Hyperraum und folgte seinem Kursvektor, der genau auf die helle und große Spiralgalaxis in Flugrichtung zielte.

Das Schiff hatte mit 90 Prozent der Lichtgeschwindigkeit den Hyperraum verlassen und raste mit gleichbleibender Geschwindigkeit auf die nahe Galaxis zu.

Eine erste Zählung ergab, dass über tausend Kugelsternhaufen im Halo der Galaxis standen. Die vier Hauptarme des Spiralnebels, umgeben von dichten Wolken aus kosmischem Staub, schmiegten sich eng um den Zentrumskern.

Nach allem, was die Vithaas wussten, musste es sich um die Heimatgalaxis der Herren handeln. Die Herren repräsentierten ein hochstehendes Volk, das die eigene Galaxis fast zur Gänze erschlossen hatte und an Größe und Macht, von keiner anderen Lebensform dieser Sterneninsel übertroffen wurde.

Zwei Jahre Flugzeit hatte der Scout hinter sich gelassen um die Herren aufzusuchen. Gleichzeitig war es ein Flug gewesen, der die Vithaas zurück an die Wurzeln der eigenen Existenz führte.

Automatisch begannen die Hyperfunksender des Scoutschiffes die uralten Erkennungskodes abzustrahlen, erst dann erfolgte die Auswertung der ersten Tasterdaten.

Der Kommandant, mit allen Bereichen des Schiffes und der Mesotronik verbunden, erhielt die ersten Daten zeitgleich, als sie von den Ortern erfasst wurden. Die Mesotronik rechnete mit einer schnellen Kontaktaufnahme, denn die Herren verfügten sicherlich über ein weit gespanntes Sicherheits- und Horchnetz, das die gesamte Galaxis einschloss.

Doch statt der erwarteten Antwort erreichten irritierende und befremdliche Ortungsergebnisse die Zentrale des Scout Schiffes.

Der Kommandant ordnete an, den ersten Report einfach zu löschen und erklärte die Daten als nicht akzeptabel.

Nach eingehender Selbstüberprüfung ihrer Funktionen traten die Orter erneut in Aktion, lieferten jedoch eine unveränderte Datenlage.

Der Kommandant saß starr und bewegungslos in seinem Kommandosessel, als die Mesotronik die eingeholten Tasterergebnisse bestätigte.

Ein organisches Wesen hätte jetzt möglicherweise einen Schock erlitten, doch der Kommandant nahm die Fakten unbewegt zur Kenntnis. Die Galaxis der Herren befand sich in Auflösung!

Was vor den mesotronischen Augen des Kommandanten ablief, war unglaublich!

Sterne kollabierten in großer Anzahl und hinterließen zerstörte Systeme. Supernova-Explosionen, die selbst in großen Galaxien nur selten zu beobachten waren, ereigneten sich in dieser Galaxis etwa alle drei Minuten. Gravimetrische Stoßwellen breiteten sich vom Zentrum der Galaxis zu den Rändern aus und rissen Planeten, Monde und Sonnen ins Verderben.

Der Kommandant konnte sich die Beobachtungen nicht erklären und versetzte das Scoutschiff in höchste Alarmbereitschaft.

Dann gab die Mesotronik die Anweisung, unter größter Vorsicht in die Hauptebene der Galaxis vorzustoßen und aktivierte die Triebwerke des Schiffes.

Noch immer strahlte der starke Hypersender des Scoutschiffes unentwegt die alten Kodeimpulse ab, eine Antwort erfolgte bisher nicht. Kurz darauf tauchte das Schiff zur letzten Etappe in den Hyperraum ein.

Als das Scoutschiff aus dem Hyperraum austrat, wurde die Schiffszelle sofort schwer vom Aufschlag eines festen Körpers erschüttert.

Die mesotronische Sicherheitsschaltungen reagierten prompt und aktivierten den Quantrim-Schirm.

Sofort glühten die Schirmstaffeln intervallartig auf, jeder Blitz markierte einen verglühenden Körper.

Die Schiffsmesotronik schaltete die Triebwerke auf maximale Verzögerung, um das Schiff nicht unnötig zu gefährden und streckte seine Taster in alle Richtungen aus.

Der Scout war im Bereich eines roten Zwergsterns materialisiert und nur vier Planeten standen im Erfassungsbereich der Orter.

Vorab breitete sich ein riesiges Trümmerfeld aus, das von geborstenen Raumschiffszellen und metallischen Kleinsttrümmern gebildet wurde.

Der Kommandant war fassungslos und beorderte die Einheiten des Kampfes auf ihre Positionen.

Die Intervallkanonen des Scoutschiffes wurden aktiviert, bereit, jeden Angriff abzuwehren, doch es blieb ruhig im System der kleinen Sonne.

Die Vithaas registrierten über hundert verschiedene Schiffstypen, zusammen über 500 000 Raumschiffwracks, die langsam dem Gravitationsfeld der roten Sonne erlagen.

In diesem System musste sich eine Raumschlacht unglaublichen Ausmaßes abgespielt haben. Dem Zustand der Schiffswracks nach zu urteilen, bereits vor geraumer Zeit.

Der Kommandant ließ sich Detailbilder der zerstörten Schiffe einblenden und erkannte sofort, das die Flotte von Anfang an auf verlorenem Posten gestanden hatte.

Der Zustand der Wracks zeigte deutlich die hohe Überlegenheit der gegnerischen Waffensysteme an. Doch wer hatte hier gegen wen gekämpft?

Die beunruhigenden Nachrichten der Tasterauswertung wurden durch weitere Ergebnisse der Wissenschaftsabteilung ergänzt.

Der allgemeine Zerfall und fortschreitende Kollaps der Sterne in dieser Galaxis wurde künstlich herbeigeführt!

Der Kommandant verband sich über Notschaltung mit allen Instanzen des Scoutschiffes und trieb die Datenauswertung über dieses Phänomen mit höchster Priorität voran. Kurz darauf lagen die ersten Ergebnisse vor.

Die Gravitationskonstante der Galaxis wies eine Anomalie auf!

Der Kommandant brauchte ganze zwei Sekunden, um diese Information zu verarbeiten. Jemand oder etwas hatte die Naturgesetze dieses Raumsektors manipuliert.

Die Vithaas waren noch immer dabei, die Daten zu analysieren, da zog der zweite Planet des Systems die Aufmerksamkeit auf sich.

Über die mesotronische Direktverbindung wurde der Eingang eines periodisch wiederkehrenden Funksignals gemeldet.

Der Kommandant dirigierte das Scoutschiff mit einer gedankenschnellen Verbindung auf den Planeten zu und lenkte das Scoutschiff aus dem Trümmerfeld heraus.

Noch vor Erreichen des Standardorbits schlug die Wissenschaftsabteilung erneut Alarm.

Eine gravimetrische Stoßfront bewegte sich auf das System der roten Sonne zu!

Mit dem Eintreffen wurde innerhalb der nächsten 5 Stunden gerechnet.

Der Kommandant rief die verfügbaren Daten über das sich nähernde Phänomens ab.

Ungeheuerliches musste sich im Zentrum dieser Galaxis abspielen.

Der dicht gepackte Kern, im Zentrum der meisten Galaxien von einem massiven Schwarzen Loch dominiert, strahlte fortwährend Gravitationswellen und andere 5D-Strahlung ab.

Die Wissenschaftler der Vithaas vermuteten, dass sich die veränderte Gravitationskonstante bereits auf die Struktur des galaktischen Kerns auswirkte.

Als Folge bewegten sich ultraheiße Gaswolken radial und mit knapper Lichtgeschwindigkeit von der Zentrumsregion nach außen.

Die Plasma Eruptionen, vermutliche Begleiterscheinungen des kollabierenden Schwarzen Lochs, würden erst in ferner Zukunft diesen Raumsektor erreichen. Doch die gravimetrischen Stosswellen, die sich teilweise im Hyperraum fortpflanzten, erreichten die Randregionen nur mit einigen Stunden Verzögerung.

Als Folge der sich fortpflanzenden Gravitationswellen entstanden lokale Anomalien, die sich durch eine Erhöhung beziehungsweise Reduzierung der Gravitationskonstante äußerten.

Die unmittelbare Folge dieser Wellenfronten war die Explosion oder der Kollaps eines betroffenen Sterns, der sich innerhalb dieser Region befand. Falls sich dieser Prozess nicht aufhalten ließ, dann bedeutete er den Untergang für diese Galaxis und all ihrer Zivilisationen.

Doch wer war dafür verantwortlich? Konnte die Technologie der Herren solch eine Katastrophe verursachen? Hatten sie sich etwa dazu entschlossen, die Völker ihrer Galaxis in den kollektiven Suizid zu stürzen?

Der Kommandant, die Zentralmesotronik und alle Vithaas an Bord des Schiffes, die in einem einzigen Netzwerk verbunden waren, gaben die Antwort auf diese Frage mit einer Stimme: »Nein! Niemals!«

Die Herren waren ethisch hochstehende Wesen, die sich niemals auf diese Weise an den Gesetzen des Universums vergriffen hätten.

Zu groß war ihr Respekt vor der Schöpfung, selbst in der schlimmsten, denkbaren Lage.

Der Kommandant leitete die empfangene Funksendung der Entschlüsselung zu und beschleunigte das Scoutschiff ohne Rücksicht auf die umherfliegenden Trümmer. Die Vithaas durften keine Zeit mehr verlieren.

Der zweite Planet bot ein Bild des Grauens.

Die Oberfläche der kleinen Welt war übersäht mit Einschlagskratern, verursacht durch Waffen stärksten Kalibers.

Dieselben Angreifer, die den Sieg über die Flotte der Verteidiger errungen hatten, waren anschließend offenbar ebenso skrupellos gegen den Planeten vorgegangen.

An mehreren Stellen war die Kruste von gigantischen Einschlägen einfach durchschlagen worden. Riesige Lavabecken hatten sich gebildet, als der Planet sein Innerstes nach außen kehrte.

Andere Zerstörungen deuteten auf einen entfachten und wieder gelöschten Atombrand hin.

Zweifellos hatten sich die Verteidiger bis zum letzten Schiff gegen den Angriff eines übermächtigen Gegners gewehrt. Doch auf den Ausgang der Schlacht hatte dieser heldenhafte Opfergang keinen Einfluss gehabt.

Der Kommandant war unfähig, Trauer oder Mitleid zu empfinden, doch das Vorgehen des unbekannten Angreifers löste stärkste Ablehnung bei den Vithaas aus.

Als das Scoutschiff in den Orbit des zweiten Planeten einschwenkte und mit seinen Tasterstrahlen die Oberfläche nach dem unbekannten Sender absuchte, verstärkte sich das Rufsignal plötzlich um ein Vielfaches. Die Sendeleistung wurde verdoppelt und aus den periodischen Symbolgruppen wurden hypermodulierte Signale.

Nachdem die Botschaft im Klartext vorlag und wiedergegeben wurde, ging ein Ruck durch alle Vithaas an Bord des Scout Schiffes.

Der Kommandant wurde von einer mesotronischen Überladung regelrecht gelähmt. Er versteifte sich auf seinem Kommandostand und war unfähig, sich zu rühren.

Das mesotronische Gehirn des Kommandanten begann dabei mit einer unkontrollierten Informationsausschüttung und legte sich selbst für Sekunden lahm.

Binnen kürzester Zeit gewann die Grundprogrammierung wieder die Oberhand und brachte Ordnung ins Chaos.

Der Kommandant war aufs höchste alarmiert und an Bord des Scout Schiffes erwachten gleichzeitig Hunderte Vithaas aus der kurzen Starre.

Der Grund für den mesotronischen Schock war so einfach wie unglaublich. Die Funksendung war in der Sprache der Herren abgefasst!

Alle Vithaas an Bord des Scout Schiffes vernahmen den Klartext der Funksendung zur selben Zeit und er offenbarte seine Natur im selben Moment, als er verstanden wurde. Es handelte sich nicht um einen Notruf, wie zuerst vermutet, sondern um eine Warnung. Regungslos lauschten die Vithaas der Botschaft:

»Wehe, wenn die Mächte des Chaos über dich kommen! Wir hatten uns immer sicher gefühlt, wie konnten wir nur so naiv sein? Hatte unsere technische Entwicklung uns blind gemacht, oder wollten wir die wahren Zusammenhänge im Kosmos nicht begreifen? Nicht das Leben, nicht die natürliche Evolution bestimmt die Entwicklung des Universums, sondern höhere Wesen mit fragwürdiger Moral, weltfremd und abgehoben vom Wirken der Normalsterblichen. Diese Mächte fechten ihren Kampf aus und vernichten dabei Welten, Systeme und Galaxien! Dies ist eine Warnung an alle die noch am Leben oder bei Verstand sind. Verlasst diese Galaxis, so ihr noch könnt, bevor euch die schwarzen Schiffe des Chaos einholen!«

Damit brach die Funksendung ab.

Der Kommandant erteilte die Anweisung, alle Möglichkeiten des Scoutschiffes auszuschöpfen, um den Inhalt des Funkspruches zu analysieren.

Auch bei den Vithaas gab es Informationen über ein Schwarzes Schiff, das kurze Zeit nach dem Ruf Katimon passiert hatte.

Gab es vielleicht einen Zusammenhang zwischen der Sichtung dieses Schiffes und der Katastrophe, die sich in dieser Galaxis abspielte?

Hatte gar der Ruf dem Schwarzen Schiff den Weg zur Galaxis der Herren gewiesen?

Einhundert Jahre hatten die Vithaas auf die Antwort ihrer Schöpfer gewartet, nochmals zwei Jahre hatte der Flug des Scouts gedauert.

Reichte dieser Zeitraum aus, um die Vernichtung einer ganzen Galaxis einzuleiten?

Der Kommandant war nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten.

Die Schockwellenfront würde in vier Stunden eintreffen.

Machte es Sinn, den Planeten nach weiteren Informationen abzusuchen, sollte man ein anderes System aufsuchen, oder war es ratsam, schnellstens dieser Galaxis zu verlassen?

Ein elektrischer Schlag durchzuckte alle Vithaas, als plötzlich die optischen Sensoren einen schwarzen, amöbenartigen Fleck registrierten, der sich aus der Sonnenkorona des Zwergsterns löste und zielstrebig auf das Scoutschiff zuhielt. Der Kommandant wusste in derselben Augenblick, was diese Sichtung bedeutete:

Ein schwarzes Schiff der Chaosmächte hielt sich noch immer in diesem System auf und hatte den Scout entdeckt.

Der Kommandant kannte keine Panik und reagierte prompt.

Das Scoutschiff beschleunigte mit Höchstwerten auf Gegenkurs und aktivierte sämtliche Quantrim-Schirmstaffeln.

Das Schwarze Schiff, dessen Hülle konturlos und fließend erschien, hielt den Abstand trotz Fluchtbeschleunigung des Scouts und verkürzte die Distanz Lichtsekunde für Lichtsekunde.

Die Einheiten des Kampfes hatten den Feind längst mit ihren Geschützen erfasst und warteten auf den Feuerbefehl des Kommandanten.

Dieser hatte bereits errechnet, dass er das Schiff nicht mehr rechtzeitig in den Metagravflug bringen konnte und aktivierte die Hyperraumversetzung durch den Quatrimschirm.

Das Scoutschiff befand sich nun in einer Art schwebender Transition, ohne wirklich ein Bestandteil des Hyperraums zu sein.

Für jeden normalen Gegner wäre das Scoutschiff nicht mehr auszumachen gewesen, doch das Schwarze Schiff hielt weiter auf die Vithaas zu.

Ein blauer Energiestrahl, der aus dem Zentrum der absoluten Schwärze zu kommen schien, riss das Scoutschiff aus dem Hyperraum und zerstörte alle Schirmprojektoren.

Der Kommandant gab Anweisung, sich dem Gegner zu stellen und sich mit allen verfügbaren Waffen zu wehren.

Im Salventakt schossen überschwere Gravitationsbomben auf das feindliche Schiff zu und wurden einfach von der absoluten Schwärze seines Schirmes verschluckt.

Sämtliche Energiekanonen des Scoutschiffes feuerten bis zur Überhitzung, doch der Überlebenskampf des Scoutschiffes, so tapfer er war, hatte dem Gegner keinen Schaden zufügen können.

Dann war die finstere Schwärze heran und umfing das Scoutschiff in absoluter Dunkelheit.

Sämtliche Ortungsstationen fielen aus, die Navigation war unmöglich.

Die Vithaas wurden in tiefe Desorientierung gestürzt, denn keines ihrer Instrumente funktionierte mehr zuverlässig. Dann waren plötzlich Lichter in der Dunkelheit zu sehen!

Der Kommandant, der die Umgebung seines Schiffes nur noch mit den optischen Sensoren erfassen konnte, sah die Lichter größer und größer werden.

Waren es wirklich Lichter? Nein! Es handelte sich um Kampfstationen! Gigantische Plattformen mit Auslegern, die genau auf das Scoutschiff zuhielten. Der Kommandant erkannte die verhängnisvolle Wahrheit. Das Scoutschiff sollte geentert werden!

Alle Vithaas des Schiffes schlossen sich zu einem engen Netzverbund zusammen und fällten eine gemeinsame Entscheidung.

Die Zivilisation der Herren war verloren, vernichtet von den übermächtigen Schiffen des Chaos. Warum das geschehen war, darauf hatten die Vithaas an Bord des Scouts keine Antwort.

Es gab nur noch eines zu tun. Der Kommandant musste verhindern, dass dem Gegner Informationen über die Zivilisation der Vithaas in die Hände fielen.

Noch während sich starke Thermostrahlen in die Hülle des Scoutschiffes fraßen, um den Enterkommandos gewaltsamen Einstieg zu verschaffen, schmolz der Kernel der Schiffsmesotronik zu einem Klumpen unförmigen Metalls zusammen.

Alle Vithaas an Bord des Scouts brachen zusammen und wurden von Desintegrationsfeldern in atomaren Staub verwandelt.

Als die ersten Angreifer in die Kommandozentrale des Scoutsschiffes stürmten, große, klobige Krieger mit schweren Waffen, sah ihnen der Kommandant gelassen entgegen.

Als letzter noch aktionsfähiger Vithaas formulierte eine verbale Botschaft, absichtlich in der Sprache der Herren verfasst, die er den Angreifern entgegen rief: »Die guten Kräfte des Universums werden über euch richten, später.«

Mit dem letzten Wort detonierte das Scoutschiff durch eine Überladung der Quantrim-Projektoren und riss die Enterkommandos der Angreifer mit ins Verderben.

6. Der neue Weg

Die Sonne stieg langsam über den Horizont und flutete den Glaspalast mit ihrem Licht. Ein Ruck ging durch die schlanke Gestalt des Koordinators, als die ersten Sonnenstrahlen seinen Körper trafen.

Man war verleitet anzunehmen, dass der Sonnenaufgang eine Signalwirkung auf den Robot hatte und vielleicht stimmte das sogar.

Seit zehn Jahren wartete der Koordinator auf die Rückkehr des Scoutschiffes, auf eine Nachricht von den Herren oder auf das Eintreffen der Siedlerschiffe, vergeblich.

Die Vithaas mussten davon ausgehen, dass der Scout nicht mehr existierte und der Kontakt zu den Erzeugern nicht mehr hergestellt werden konnte.

Mit einem Gedankenbefehl schaltete der Koordinator seinen Antigrav ab und berührte mit den schlanken Beinen den Boden.

Mit einer geschmeidigen Bewegung wandte er sich der Zentralkonsole zu und streckte den Arm aus.

Grünes Leuchten erfüllte plötzlich den Raum.

Aus seinem ausgestreckten Arm schoss ein leuchtender Energiestrahl und verwandelte die Zentralkonsole in wenigen Sekunden zu atomaren Staub.

Danach sendete die Zentralmesotronik den Befehl an alle untergeordneten Einheiten, sämtliche Bezüge auf die Herren und das ursprüngliche Kolonieprojekt zu löschen.

Alle Vithaas bekamen daraufhin eine neue Grundprogrammierung und eine ganz neue Zielsetzung!

Der Koordinator betrachtete emotionslos, wie Aufräumeinheiten die Überreste der ehemaligen, zentralen Leitstelle beseitigten.

Die Vithaas hatten mit einer drastischen und effektiven Maßnahme mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen. Nun gab es kein Zurück mehr.

Das Kolonieprojekt der Herren war ab sofort bedeutungslos und die Bauarbeiten auf den übrigen Welten der Vithaas wurden augenblicklich eingestellt.

Alle Einheiten, deren Gesamtzahl der Koordinator auf 20 Milliarden bezifferte, wurden von den Welten Katimons zurückgerufen, um ihre Arbeitskraft dem neuen Projekt zu widmen.

Aus allen Bereichen des Kugelsternhaufens trafen in kurzer Folge Schiffe ein und gruppierten sich um die ehemalige Koloniewelt.

Das Millionenheer der Arbeitseinheiten stieg zum Planeten herab, demontierte Anlagen und Raumschiffe und begann mit einer rätselhaften Tätigkeit in den unterirdischen Hallen der Stadt.

Vier der fünf neuen Koordinatoren standen sich gegenüber und sahen zu den fünf künstlichen Monden auf, die am Nachthimmel über Vithaas erschienen waren.

Der Glaspalast und der größte Teil der STADT existierte nicht mehr. Die blühende Metropole war verschwunden, ebenso die Parks und Grünanlagen. Stattdessen überspannte eine gigantische, halb transparente Kuppel das Areal, deren äußere Oberfläche golden schimmerte, genau wie die Körper der fünf Koordinatoren, die in dem Bauwerk residierten.

Fünf Koordinatoren waren es, die im Auftrag der fünf Großmesotroniken die Geschicke der Vithaas lenkten und koordinierten.

Gleichzeitig waren sie die Vertreter der fünf großen Vithaas-Kolonien, die nun in Katimon ansässig waren.

Beschlüsse von großer Tragweite, aber auch Entscheidungen des täglichen Ablaufs, wurden im Gremium der Koordinatoren immer mit Mehrheit gefasst. Die fünf standen in ständigem Kontakt miteinander, und stimmten sämtliche Aktionen ab.

Als Kordinator-1 aus dem Transmitter trat, waren bereits vier seiner Kollegen anwesend und sahen ihm erwartungsvoll entgegen.

Die Kommunikation erfolgte nur in Gegenwart von Gästen in der Verbalform, ansonsten zogen es die Fünf vor, den mesotronischen Netzverbund zu schalten.

Koordinator-5 trat vor und breitete die Arme aus. »Du kommst spät, Koordinator-1. Wurde die LAILA aufgehalten?«

Koordinator-1 nahm ohne Begrüßungsfloskeln seinen Platz an der Tafel ein und lieferte seinen Bericht ab: »Die LAILA war über einen Monat in der Galaxis V2 unterwegs, um nach den dringend benötigen Komponenten zu suchen. Leider ohne Erfolg.«

Den vier Zuhörern war keine Gefühlsregung anzusehen.

Äußerlich glichen sie sich wie ein Ei dem anderen, nur ihre unverwechselbare, mesotronische Signatur verriet, wer im Moment sprach.

»Auch die SPAM musste die Suche abbrechen«, schaltete sich Koordinator-2 in das stumme Gespräch ein. »In der Galaxis V1 trafen wir zwar auf viele, hochstehende Völker, doch die gesuchte Komponente konnte nicht gefunden werden.«

Schweigend verharrten die Koordinatoren für einige Millisekunden, für einen Robot mit mesotronischem Gehirn eine endlos lange Zeit.

Die KUGLAR, die MOMS und die TRIFLA waren noch früher von ihren Missionen zurückgekehrt.

Jede der fünf Meso-Einheiten hatte einen bestimmten Bereich des Kosmos abgesucht. Doch auch diese Gigantschiffe mussten unverrichteter Dinge zurückkehren.

Die Meso-Einheiten, Kugeln von zehn Kilometern Durchmesser, waren die neuen Basisschiffe der Vithaas.

Gemäß der Fünferteilung ihres Volkes, hatte im Zentrum jeder Einheit die Großmesotronik einer Kolonie ihren Platz. Im Gegensatz zu den Anfängen, als die Zentralmesotroniken noch auf Planeten stationiert waren, gingen die Vithaas nun dazu über, sie als mobile Einheiten umzusetzen.

Auch wenn die gigantischen Kugeln den Eindruck einer riesigen, fliegenden Einheit vermittelten, so sah die Realität etwas differenzierter aus. Jede Meso-Einheit bestand aus dem Zusammenschluss von mindestens 20 000 einzelnen Raumschiffen, die sich im Modulverfahren zusammenfügen konnten und mit ihrer Gesamtheit die Meso-Einheit bildeten. Bei Bedarf konnten sich einzelne Einheiten oder ganze Flotten von dem Gebilde ablösen. Eine Entsprechung fand die Meso-Einheit beim Bieneschwarm während des Hochzeitfluges, bei dem sich die Soldaten schützend um die Königin im Zentrum scharen. Im Fall der Vithaas bildet das Zentrum die Zentralmesotronik der Kolonie.

Koordinator-4 erzeugte ein Hologramm über der Tafel und kommentierte die eingeblendeten Bilder: »Die MOMS fand zunächst einen viel versprechenden Kandidaten in einem abgelegenen Sternhaufen. Eine biomesotronische Vernetzung lag zumindest technisch im Bereich des Möglichen. Doch die Komponente stellte sich am Ende als instabil heraus und konnte den Anforderungen in keiner Weise genügen. Die Zellstrukturen der Pilzform lösten sich sofort nach dem Kontakt mit den mesotronischen Rezeptoren auf und die organische Komponente starb ab. Wahrscheinlich war sie zur Meso-Technologie inkompatibel.«

Koordinator-1 zeigte die Ergebnisse seines Fluges auf.

Eine pflanzenartige Lebensform, mit fein verzweigten Wurzeln wurde vorgestellt. Ein Probeansatz auf einem Mesotestsystem schien erst erfolgreich, doch dann absorbierte die organische Komponente die künstlichen Strukturen der Mesotronik vollständig. Am Ende blieb nur ein dicht verzweigtes Netzt aus Wurzeln übrig, die mit aggressiven Verdauungssäften die Reste der mesotronischen Elemente verdauten und aufsogen.

»Wie ihr den Daten entnehmen könnt, gab es keine Möglichkeit, diese destruktive Lebensform zu kultivieren und für unsere Zwecke umzuformen. Es war ohnehin fraglich, ob der Organismus in assimilierter Form überhaupt die Eigenschaften hinzufügen würde, nach denen wir suchen.«

Koordinator-2 ließ die Projektionen abschalten und dozierte: »Auch meine Meso-Einheit hatte keinen Erfolg. Ist der großmesotronische Verbund noch immer der Meinung, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt nur bewältigen können, wenn wir unserer Spezies Eigenschaften von organischen Wesen hinzufügen? Sollten wir solch einen Schritt überhaupt anstreben?«

Von allen Seiten erfolgte Zustimmung.

»Wichtigstes Ziel unserer Existenz ist nach wie vor die kontinuierliche Weiterentwicklung«, warf Koordinator-1 ein. »Der nächste Schritt ist die biomesotronische Verzahnung, dessen sind wir uns alle einig! Unser maschineller Intellekt und die technische Entwicklung sind an einem toten Punkt angelangt. Unsere Entwicklung stagniert! Doch Stagnation ist langfristig ein Rückschritt und führt zum Verfall!«

»Aber wir können nach neuen Technologien Ausschau halten«, widersprach Koordinator-5. »Unsere Systeme vielleicht nochmals umstellen, wie einst, als wir uns von der syntronischen Technik abwandten. Möglicherweise gibt es ein System, das organische Komponenten vollständig überflüssig macht!«

Koordinator-1 ließ die Arme sinken. »Die Entdeckung der Meso-Technologie und ihre Verwertung war ein Glücksfall für unser Volk. Aber auf Glück will sich unsere Zivilisation nicht verlassen. Wir wollen die Weichen für unsere Zukunft selbst stellen. Aus diesem Grund habe ich eine Explorer-Einheit in der Galaxis V1 zurückgelassen. Sie hat die Aufgabe einer ungewöhnlichen, psionischen Signatur nachzugehen. Warten wir auf die Ergebnisse und entscheiden erst dann über die nächsten Schritte.«

Alle Koordinatoren stimmten dem Vorschlag zu.

Die Explorer-Einheit materialisierte am Rande des hyperaktiven Sterns. Die flammende Sonne emittierte starke Hyperbandstrahlung und deckte ihre Planeten mit dieser Strahlungskomponente reichlich ein.

Wie bei allen Schiffen der Vithaas, existierte eine Schiffsmesotronik die mit einem Kommandanten in direkter Verbindung stand. Mehr noch, der Kommandant und die Mesotronik waren eine Einheit.

Der Kommandant des Explorers wertete persönlich die Daten der wissenschaftlichen Abteilung aus und erkannte nach wenigen Minuten, das er sich mit seinem Schiff in einer sehr gefährlichen Region befand.

Der Zentralstern des Systems stand kurz vor einer Supernova-Explosion und strahlte bereits Faktor Hundert heller, als man von einem Stern dieser Größenklasse erwarten konnte.

Eine Supernova in unmittelbarer Nähe war auch mit aktivierten Quantrimschirmen kaum zu überstehen. Der Kommandant überlegte einen Moment, ob er sein Schiff sofort aus dem System der flammenden Sonne zurückziehen sollte, doch dann empfing er den Hilferuf.

Es handelte sich nicht um einen Notruf im herkömmlichen Sinne, der die Aufmerksamkeit der Vithaas erweckte, sondern um einen starken psionischer Aufschrei, der mit den speziellen Messgeräten des Explorers angemessen wurde.

Die Schiffsmesotronik vermutete die Quelle auf dem dritten Planeten des Systems.

Der Kommandant steuerte kurzentschlossen das innere Planetensystem des Sterns an und machte bald darauf die nächste, erstaunliche Entdeckung.

Der dritte Planet mochte einst in einem günstigen Abstand zur Sonne gestanden haben, doch jetzt erreichten die Ausläufer der Sonneneruptionen bereits seine Umlaufbahn.

Nach allem, was die Vithaas wussten, konnte das Ökosystem des Planeten längst nicht mehr intakt sein. Die Oberfläche musste bereits verbrannt, die Atmosphäre durch die Hitze ins All entwichen sein.

Um so mehr überraschte, dass die Taster einen Planeten mit ausgeprägter Ökosphäre registrierten, der nach wie vor Bestand zu haben schien.

Der Kommandant kam zu dem Schluss, dass dies nach den vorliegenden Fakten unmöglich war.

Eine neue Sonnenexplosion warf ultraheißes Gas aus, das sich schnell dem Planeten näherte.

Der Kommandant ließ höchste Sicherheitsstufe ausrufen und blieb auf Beobachtungsposition.

Kurz bevor die heißen Gase die planetare Atmosphäre erreichten, legte sich plötzlich ein zartgrüner Schirm über die Atmosphäre.

Gleichzeitig empfing der Explorer Signale eines starken, psionischen Energieausbruchs auf der Oberfläche.

Täuschten die Daten, oder war er bereits schwächer wie der Vorangegangene?

Der zartgrüne Schirm erlosch und hatte offenbar den Planeten vor dem Untergang gerettet.

Der Kommandant reagierte maschinell und spontan. Er setzte eine Eilmeldung an die LAILA ab und beschleunigte mit Höchstwerten auf den Planeten zu. Offensichtlich befand sich dort eine Zivilisation im verzweifelten Kampf gegen den bevorstehenden Untergang.

Nach kurzer Flugzeit schwenkte der Explorer in die Umlaufbahn des Planeten ein und registrierte merkwürdige Phänomene.

Psionische Energien strömten dem Schiff entgegen und hüllten es in eine grüne Aura. Der Kommandant war versucht seinen Quantrimschirm zu aktivieren, konnte aber keine negativen Einflüsse der fremden Strahlung erkennen.

Dann kam eine erneute Eruptionswolke heran geschossen und der Explorer befand sich auf der sonnenzugewandten Seite des Planeten! Doch auch diesmal baute sich das grünliche Schutzfeld auf und lenkte die Plasmaströme ab. Auch der Explorer war in die grüne Aura eingeschlossen und wurde somit geschützt.

Dankbarkeit konnte die Schiffsmesotronik nicht empfinden, doch sie erkannte, dass die unbekannte Lebensform auf dem Planeten das Schiff in eine schützende Aura gehüllt hatte.

Der Kommandant ließ die Oberfläche des Planeten sondieren, fand aber keine Anzeichen einer technischen Zivilisation.

Als die Mesotronik die psionischen Signale zurück verfolgte, fanden die Orter jedoch einen gewaltigen See, bestehend aus einer grünen, gallertartigen Substanz.

Die Substanz war zweifellos organischen Ursprungs, doch wie konnte diese Suppe aus verschiedenen, organischen Verbindungen, psionische Energie ausstrahlen?

Der Kommandant erhielt die Nachricht, dass die grüne Aura, die den Planeten zeitweilig umspannte, tatsächlich stetig schwächer wurde, aber noch immer die Auswirkungen der Sonnenexplosionen abschirmen konnte. Die Natur dieser Aura konnte nicht vollständig erfasst werden, doch sie verfügte zweifellos über psionische Komponenten.

Die grüne Substanz auf dem Planeten schien die Quelle all dieser Erscheinungen zu sein. Auf- und abschwellende, psionische Signale wurden mit den Geräten des Explorers aufgefangen, grüne Leuchtsphären stiegen von der Planetenoberfläche auf und umschwärmten das Schiff.

All dies hatte nicht den Charakter einer aggressiven Handlung, sondern zeigte eher den verzweifelten Versuch zu kommunizieren.

Der Explorer lotete den organischen See aus und kam auf ein beträchtliches Volumen.

Die Ursuppe, oder das organische Plasma, war messbar aktiv und geriet in Bewegung. Besaß das organische Plasma gar Intelligenz?

Der Kommandant beschloss, zur Oberfläche hinabzusteigen, um sich vor Ort ein Bild zu machen und begab sich in eine Landesphäre, die ihn sanft zur Oberfläche beförderte.

Direkt neben dem organischen See, auf einer steinigen Ebene, setzte sie auf und gab den Kommandanten frei.

Langsam schritt der Kommandant auf das Ufer des merkwürdigen Sees zu und sondierte mit seinen Tastern die Umgebung.

Es gab außer dieser organischen Brühe keine anderen Lebensformen im größeren Umfeld, nicht einmal Bakterienkulturen.

Behutsam kniete sich der Kommandant neben dem brodelnden See nieder und registrierte erneut eine grüne Aura, die etwa einen Meter über dem See schwebte.

Einem Impuls folgend, streckte der Robot einen Arm in die grüne Masse.

Zuerst wich das organische Plasma von seiner Hand zurück, doch dann schloss es den Arm des Kommandanten ein.

Ein heftiger Ruck überraschte den Robot und eine unbekannte Kraft zog den Vithaas in den grünen See.

Langsam sank der Robot in der zähen Flüssigkeit nach unten und blieb schließlich auf dem Grund des Sees liegen.

Der Kommandant, in seiner Funktionsfähigkeit in keiner Weise eingeschränkt, konnte noch immer keine Gefahr erkennen und aktivierte deshalb auch nicht seine Waffensysteme.

Die grüne Masse umgab ihn von allen Seiten und umfloss stetig seinen Körper. Der Vithaas errechnete eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die organische Substanz Intelligenz besaß und genau wie er nach Wegen suchte, mit ihm zu kommunizieren.

Doch die beiden Lebensformen waren zu verschieden, es gab keinen gemeinsamen Schlüssel für den Austausch von Informationen.

Als letzte Möglichkeit öffnete der Kommandant einen Teil seines Körpers, in dem spezielle, mesotronische Rezeptoren untergebracht waren. Im Prinzip handelte es sich um offen gehaltene Enden des mesotronischen Netzwerks, das mit dem Steuerkernel des Kommandanten in Verbindung stand. Einen direkteren Weg zum Steuergehirn des Vithaas konnte es nicht geben.

Als die kleine Brustklappe zur Seite fuhr und die organische Masse ins Innere strömte, wurde die Mesotronik des Kommandanten von einem heftigen Schlag getroffen. Auf dem Grund des organischen Sees begann der Körper des Vithaas konfus zu zucken.

Die Impulse pflanzten sich über das Netzwerk fort und erreichten die Schiffsmesotronik, die ebenfalls von den Signalen erfasst wurde. Etwas stimmte nicht!

Sofort aktivierte das Schiff die Waffensysteme und nahm den organischen See ins Zielkreuz ihrer Intervallwaffen.

Dann erfolgte plötzlich der aufgeregte Ruf des Kommandanten, der überall an Bord des Schiffes zu hören war:

»Nicht feuern! Das ist ein Missverständnis! Deaktiviert die Waffensysteme! Schnell!«

Die Schiffsmesotronik registrierte eine seltsame Färbung in der Nachricht des Kommandanten, die den Vithaas bisher nur in der Theorie bekannt war – Emotionen!

Als der Kommandant langsam aus dem grünen See watete, war der Explorer bereits 500 Meter entfernt niedergegangen.

Hunderte Einheiten des Kampfes strömten aus den geöffneten Luken und sicherten die Landestelle. Einheiten der Wissenschaftsabteilung traten auf den Kommandanten zu und nahmen Messungen an ihm vor.

Der Kommandant hob abwehrend beide Hände. »Das ist nicht nötig! Habt keine Angst und zieht eure Kämpfer zurück.«

Er zögerte kurz. Eure Kämpfer? Waren das nicht auch seine Kämpfer?

Eine psionische Entladung ergriff die Mesotronik des Kommandanten und plötzlich wusste er, was vor sich ging!

Die Plasmasubstanz war mit seinen mesotronischen Rezeptoren verschmolzen und hatte einen Weg gefunden, sich mit der künstlichen Intelligenz seines Kernels auszutauschen.

»Nein!«, rief der Kommandant spontan über das Netzwerk aus. Es war viel mehr! Er war in der Lage, Emotionen zu empfinden! Und er empfand Angst!

Die Plasmasubstanz fürchtete um ihr Leben! Die Sonne würde in Kürze zur Nova werden und den Planeten verbrennen!

Der Kommandant wandte sich direkt an die Schiffsmesotronik: »Eine Dringlichkeitsverbindung nach Vithaas. Höchste Priorität! Ich muss sofort mit den Koordinatoren sprechen.«

7. Die Geburt

Alle fünf Meso-Einheiten waren im System der Prä-Supernova eingetroffen und nahmen sofort die Untersuchungen auf.

Der Stern stand kurz vor dem Ausbruch und man rechnete in wenigen Stunden mit der alles vernichtenden Explosion und dem endgültigen Ende.

Die fünf Koordinatoren befanden sich in einer Verbundschaltung und hatten den Kommandanten des Explorers mit einbezogen.

Durch den Kontakt mit dem organischen Plasma, war er zum Vermittler zwischen beiden Lebensformen geworden und stellte bereits eine neue Entwicklungsstufe der Vithaas dar –

ein Robot mit bio-mesotronischer Vernetzung!

Soeben lieferte der Kommandant den Bericht an die Koordinatoren ab, während die fünf Meso-Einheiten versuchten, einen stabilen Planetenschild zu installieren. Die Abwehrkräfte des organischen Plasmas schwanden merklich, lange würde es sich nicht mehr schützen können.

»Die ausgeprägte Hyperstrahlung des Sterns hatte die Ursuppe des Planeten positiv beeinflusst und über Jahrhunderte psionisch aufgeladen«, erklärte der Kommandant. »Wie ein Kondensator sammelte die organische Materie die Energie, nahm sie auf, strukturierte sich um und entwickelte Intelligenz. Das Plasma entwickelte auch die Fähigkeit, die Energie kontrolliert abzugeben und war so in der Lage, sich selbst zu schützen. Diesen psionischen Schirm haben wir als grüne Aura wahrgenommen.«

Die fünf Koordinatoren nahmen die Informationen auf und ließen sich die Aussagen des Explorer Kommandanten noch während des Berichts von ihren Wissenschaftseinheiten bestätigen.

»Das Plasma entwickelte Intelligenz und die Fähigkeit zu fühlen. Eine Eigenschaft, die mir selbst bis vor kurzem fremd war. Doch durch die Vernetzung kann ich an den Gefühlen Teil haben. Es ist wunderbar!«

»Empfindest du den Kontakt zum Plasma als positiv oder bestimmt es deine Handlungen?«, unterbrach Koordinator-1 den Report.

Der Explorer Kommandant strahlte seltsame Impulse aus, die von den Koordinatoren nicht vollständig verstanden wurden. Offenbar bemühte sich der Kommandant die führenden Vertreter seines Volkes zu beruhigen.

»Die Verbindung mit dem Plasma bringt uns einen großen Schritt vorwärts! Und haben wir nicht seit langem nach einer Möglichkeit der Weiterentwicklung gesucht? Die Verzahnung beider Elemente ist stabil und das Plasma nimmt dieses Angebot ebenfalls an! Es ist in seiner Form handlungsunfähig aber verfügt über Intelligenz und Gefühle. Wir werden sein verlängerter Arm sein und es wird dafür seine spezifischen Eigenschaften unserer Natur hinzufügen. Emotionen und Kreativität. Maschinelle und organische Intelligenz werden sich ergänzen und verschmelzen.«

Auf allen fünf Meso-Einheiten erklang plötzlich die Alarmmeldung der verbundenen Großmesotroniken: »Die Explosion des Sterns steht kurz bevor! Wir müssen das System sofort verlassen!«

Ein Schrei hallte durch das mesotronische Netz, der von allen Vithaas gehört wurde. »Nein! Lasst uns nicht im Stich! Rettet das Plasma!«

Es war die Stimme des Explorer Kommandanten gewesen.

»Das Plasma wird mit dem Planeten verbrennen und unwiderruflich verloren sein«, stellte Koordinator-1 fest. »Wir sollten versuchen, es zu retten.«

Der Zentralstern begann bereits zu kollabieren, erste Anzeichen der bevorstehenden Supernova.

Koordinator-2 meldete sich über Dringlichkeitsruf. »Ein Fünftel hat entschieden, das Plasma soll leben! Lasst unsere Meso-Einheiten zu einem einzigen Verbund zusammenschließen und das Plasma in die Mitte nehmen! Falls wir das System nicht rechtzeitig verlassen können, dann wird unsere vereinte Kraft es schützen!«

Die Abstimmung erfolgte im Bruchteil einer Sekunde und wurde einstimmig geschlossen.

Die gigantischen Meso-Einheiten stoben auseinander, und bildeten riesige Schwärme von Raumschiffen, die sich neu gruppierten und zu einer einzigen, noch größeren Kugel zusammenfügten.

Im Zentrum, nahe bei den fünf Grossmesotroniken, die sich nun räumlich so nahe waren, dass sie fast eine geschlossene Einheit bildeten, wurde Platz für die Plasmamasse geschaffen, die mit starken Traktorstrahlern ins Innere der Kugel gezogen wurde.

Der Vorgang spielte sich innerhalb einer Stunde ab und das Plasma wurde eilig an Bord geholt.

Dann, nach kurzem Flackern, erfolgte die Detonation des Zentralsterns.

Der Verbund aus den fünf Meso-Einheiten beschleunigte mit Höchstwerten und versuchte, der Sternenexplosion zu entkommen.

Doch stärker als die Explosionswirkung der Sonne war die ausgeschüttete Hyperstrahlung des Sterns.

Hatte der Stern bereits zu Lebzeiten ein abnormales Strahlungspensum abgegeben, so erfolgte der letzte Ausbruch um Potenzen höher!

Ein Schauer durchlief den Verbund der Meso-Einheiten, und das Plasma im Innern des riesigen Körpers versuchte verzweifelt, den Kontakt zu den Gross-Mesotroniken herzustellen.

Im selben Moment, als sich das Plasma mit den Rezeptoren der Mesotroniken verband, traf ein Schauer höchster Hyperstrahlung das gigantische Schiff, die Vithaas und das Plasma.

Die Verzahnung zwischen Plasma und Mesotroniken wurde durch die Hyperstrahlung untrennbar verschweißt und psionischen Energien durchflossen die neue Einheit.

Mit einem mentalen Geburtsschrei erwachte das Bewusstsein einer neuen Lebensform. Als die Gewalt des explodierenden Sterns den Ursprungsplaneten des Plasmas verbrannte, war die riesige Kugel bereits in den schützenden Hyperraum eingetaucht.

Die Gewalten des Normaluniversums konnten ihm nichts mehr anhaben.

Die neue Lebensform begann sich selbst und das Universum, aus einer völlig neuen Perspektive zu begreifen.

Diese Lebensform, eine junge Superintelligenz, gab sich als erstes einen Namen – VITHAU!

8. Die Wahl

Der Vertreter der Kosmokraten stand hoch aufgerichtet vor dem Behältnis, das aus fünf Zusammenballungen, hypertransformierten Plasmas bestand. Die rosa Masse war durchzogen von Rezeptoren der mesotronischen Komponenten und strahlte ultrastarke, psionische Energien ab.

Ein grünliches Leuchten umfing den Roboter, der sich selbst mit Laire vorgestellt hatte und eine Entscheidung forderte.

VITHAU umgab den Roboter, dem offensichtlich ein Auge fehlte, mit einer schützenden, Aura und redete sanft auf den Botschafter ein.

»Wie kann VITHAU wissen, was der richtige Weg ist, wenn VITHAU erst am Anfang des Weges steht? Frieden und Stabilität ist mein Wunsch, aber auch Weiterentwicklung und Erstarkung.«

Laire näherte sich mit schnellen Schritten der Plasmaballung, wurde jedoch sanft an seinen Ausgangspunkt zurückbefördert, was ihm sichtlich missfiel.

Trotzdem empfand VITHAU sympathische Gefühle für den Roboter der Kosmokraten, der so vollkommen wirkte und trotzdem einen entscheidenden Makel aufwies.

Laire fixierte das Plasma mit einem Auge. »Aber für welche Seite entscheidest du dich?«, rief er seinem imaginären Gesprächspartner entgegen. »Es gibt nur zwei Wege, die du gehen kannst! Ein Weg führt ins Chaos, ein Weg führt ins Licht!«

Die Antwort der Superintelligenz klang traurig, als sie antwortete: »Das Chaos wähle ich nicht, doch ist die Ordnung der richtige Weg? Zunächst einmal werde ich meine Mächtigkeitsballung festigen, ordnen und den Frieden in den beiden Galaxien herstellen. Ich fühle mich den Völkern verpflichtet und werde mich für ihre positive Entwicklung einsetzen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich über deine Frage entscheiden.«

Laire war mit dieser Antwort offenbar nicht zufrieden. Die Antwort VITHAUs erschien ihm wie Blasphemie. »Du bist jung und eigensinnig. Ich warne dich vor den destruktiven Mächten des Universums! Auf Seiten der Kosmokraten wird dir Schutz zuteil. Niemand wird deine Sphäre verletzten können. Ich komme aus einem weit entfernten Teil des Kosmos und fungiere dort als Verbindungsmann zu den sieben Mächtigen. Doch man hat hinter den Materiequellen erkannt, dass ich die ideale Kontaktperson für dich bin. Wir sind uns ähnlich, VITHAU! Ich werde später nochmals zu dir zurückkehren und mir deine Antwort holen. Bis dahin wird die Zeit zeigen, ob du mit deinen Ansichten Bestand haben wirst.«

Der Botschafter der Kosmokraten verließ mit seinem Schiff das Zentralmodul und die beiden Galaxien V1 und V2, die VITHAU nun als seine Mächtigkeitsballung beanspruchte.

Wenn die junge Superintelligenz mit ihren höheren Sinnen nun in das weite Universum lauschte, dann nahm sie völlig neue Dinge wahr.

Sie gewahrte Materiequellen und andere Superintelligenzen, Brüder und Schwestern in der Unendlichkeit. Doch sie vernahm auch dunkle Schatten, die Böses im Sinn hatten und für Chaos und Zerstörung standen.

Heute wusste VITHAU, dass die einstigen Herren durch den Angriff der Chaosmächte vernichtet wurden. Warum es geschah, das konnte selbst VITHAU nicht mehr ergründen.

Vielleicht hatten die Herren vor einer ähnlichen Wahl gestanden, wie die Superintelligenz an diesem Tag? Vielleicht hieß die Wahl der Herren, Bündnis mit dem Chaos oder der Tod?

VITHAU beschloss, nicht über die Vergangenheit zu spekulieren, sondern in die Zukunft zu blicken.

Ein ähnliches Schicksal, wie es die Herren erfahren hatten, würde sie unter Einsatz all ihrer Kräfte verhindern.

Das Zentralmodul, neue Heimstätte der Superintelligenz, positionierte sich genau im Schwerkraftzentrum beider Galaxien und hüllte sich in einen Quantrimschirm. Fortan war es geschützt im Hyperraum eingebettet.

Aus Katimon kamen tausende Schiffe an, die als VITHAUs neue Hilfskräfte das Zentralmodul umschwärmten und beschützten. Alle Vithaas, die nicht in die Verschmelzung eingegangen waren, wurden von VITHAU beseelt und bildeten von nun an die Hilfskräfte der Superintelligenz.

Katimon, mit den fünf Kolonieplaneten der Roboterzivilisation und den wertvollen Ressourcen, verschwand scheinbar aus dem Universum und wurde ebenfalls im Hyperraum eingebettet. Kein Unbefugter sollte die Stätten der alten Vithaas betreten dürfen.

VITHAU betrachtete ihren zukünftigen Wirkungsbereich mit Zufriedenheit. Viele Völker existierten in den beiden Galaxien, eine viel versprechende Anfangsbasis. Doch noch herrschten stellenweise Zwietracht, und ihre erste Aufgabe würde es sein, Frieden zu schaffen. Es galt, eine Mächtigkeitsballung zu formen!

ENDE

Die Geschichte einer Roboterzivilisation wurde erzählt, die in der Geburt einer Superintelligenz gipfelte. VITHAU, aus der Verschmelzung einer hochstehenden Roboterzivilisation und organischem Plasma entstanden, macht sich nun auf, ihre Mächtigkeitsballung zu formen und erkundet ihren neuen Machtbereich.

Was auf die junge Entität dabei alles zukommt, schildert Nils Hirseland im nächsten Roman mit dem Titel

Die Superintelligenz

Glossar

Die ZELLE

Eine voll autarke, auf syntronischer Basis arbeitende Siedlungszelle unbekannten Ursprungs. Die Aufgabe der ZELLE bestand darin, eine fremde Galaxis anzufliegen, den optimalen Siedlungsraum zu identifizieren und eine komplette Kolonie, Infrastruktur sowie die Grundsteine für ein späteres Sternenreich zu schaffen. Die Schöpfer der robotischen ZELLE, genannt die Herren, werden nach der Fertigstellung des neuen Lebensbereichs durch den Ruf benachrichtigt und können eine komplett ausgestattete und vorbereitete Kolonie, nebst Raumflotte, einfach übernehmen. Die Fertigstellung einer solchen Roboterkolonie nimmt in der Regel mehrere Tausend Jahre in Anspruch. Falls notwendig, führen die Roboteinheiten, die alle von den so genannten Ureinheiten der ZELLE abstammen, ein Planetenforming durch, um die Umweltbedingungen der Siedlungswelt an die Ansprüche der Herren anzupassen. Die Vorgaben and die Kolonie sind in der Musterschablone der ZELLE gespeichert. Die verschiedenen Robotgenerationen, die sich ständig reproduzieren sind angehalten, erfolgreiche und weiterentwickelte Technologien zu assimilieren und sich so ständig weiter zu entwickeln.

Vithaas

Siedlungsplanet der ZELLE im System der Sonne Vith und Name der vorläufig letzten Generation von Robotern, die sich aus den Ureinheiten der ZELLE entwickelt haben.

Die Vithaas-Roboteinheiten besitzen ein mesotronisches Gehirn, entwickelten so eine Quasiintelligenz und verfügen über eine überlegene Technologie.

Quantrimschirm

Energieschirm auf 5D-Basis, der das zu schützende Objekt in eine schwebende Transition versetzt und so für Angreifer aus dem Normalraum unerreichbar macht. Im niedergespannten Zustand wirkt der Schirm wie ein normalenergetischer Schild und wehrt materielle sowie ein gewisses Spektrum an energetischen Einwirkungen ab. In diesem Zustand wirkt der Energieschirm blass, vergleichbar mit einer schillernden Seifenblase. Wird der Schirmprojektor mit höheren Energiemengen gespeist, dann wandelt sich die Schirmstruktur und erzeugt eine künstliche Hyperraumblase. Objekte wie Raumschiffe, Stationen, sogar ganze Planeten, können so in den Hyperraum versetzt werden und sind für Angreifer aus dem Normalraum unerreichbar. In der Regel befindet sich der Schirmgenerator für den Quantrimschirm innerhalb der Hyperraumblase und bezieht seinen enormen Energiebedarf über das so genannte Quantrim-Ventil direkt vom umgebenden Hyperraum. Ein Quantrimschirm bildet also ein geschlossenes System, das nur von innen heraus wieder in den Normalraum versetzt werden kann.

Mesotronik

Eine Mesotronik, gegenüber destruktiven Programmen und syntronischen Viren unempfindlich, ist in Punkto Robustheit durchaus mit antiquierten, positronischen Derivaten vergleichbar.

In der Rechenleistung übertrifft ein mesotronischer Rechner eine Syntronik um ein Vielfaches und das bei einem 70 Prozent geringeren Platzbedarf.

Die völlig innovative Rechnerarchitektur einer Mesotronik, die durch Anwendung des hyperphysikalischen Tunneleffekts für den Signaltransport und der neuronalen Vernetzung von Milliarden, molekülgroßer Knotenrechner besticht, entwickelt ein maschinelles Quasibewusstsein, das auf einen unbegrenzten Daten- und Wissenspool zugreifen kann.

Diese geballte Rechenleistung wird im so genannten Kernel bereitgestellt, einem kugelförmigen, gekapselten Gebilde, das unter allen Mesotroniken austauschbar ist.

Die außergewöhnliche Modularität war ein Grund, warum die Vithaas die neue Rechnerarchitektur übernommen hatten und den bewährten Syntroniken vorzogen.

Das Hauptkriterium war aber die Eigenschaft der neuronalen Neugruppierung der Knotenrechner, die im weitesten Sinne eine künstliche Evolution innerhalb jeder Rechnergenerationen ablaufen ließ.

Prozesse und Programme, die sich als fehlerhaft oder unzulänglich erwiesen, wurden durch redundante, verbesserte Linien ersetzt und entwickelten sich selbstständig weiter, wobei nur jeweils die erfolgreichste Lösung an die nächste Generation der Verknüpfungen weitergegeben wurde.

Die Quintessenz war ein Rechner, der seine eigene Struktur stetig verbesserte und letztendlich für die aktuelle Anwendung perfektionierte.

Eine harmonische Fusion aus Hard- und Software. Ein Computer, der sein eigenes Betriebssystem konzipierte, sich in kürzester Zeit neuen Gegebenheiten und Aufgaben anpassen konnte und somit für jedes erdenkliches Problem gerüstet war.

Katimon

Der Sternhaufen Katimon umfasst zirka 3000 Einzelsterne aller Typenklassen und wurde vor vielen Millionen Jahren aus dem Halo der Galaxis V1 gerissen. Seit dieser Zeit, driftete er in einem unendlich langsamen Prozess auf die Galaxis V2 zu. Der Sternhaufen wurde von den Vithaas Katimon benannt, was in der Sprache der Herren Hort der Zukunft bedeutet.

Una-Man

Dritter und größter Mond des Gasriesen Vithaas-VI, mit einem Durchmesser von 6000 Kilometern. Una-Man besitzt eine gebundene Rotationsperiode und ist praktisch vollkommen technisiert. Der gesamte Mond wurde von den Vithaas zu einem gigantischen Hypersender ausgebaut, dessen Energieabstrahlung groß genug ist, um die Entfernung zur Galaxis der Herren zu überbrücken. Die angestrebte Hyperfunksendung, der sogenannte Ruf, der den Herren die Bereitschaft der Kolonie mitteilen soll, kann nur ein einziges Mal ausgestrahlt werden. Die auftretenden hyperphysikalischen Sekundäreffekte bei der Abstrahlung des Rufs, führen gleichzeitig zur Zerstörung des Mondes. Dieser Effekt ist jedoch von den Vithaas bewusst einkalkuliert.

Meso-Einheiten

Die Meso-Einheiten, Kugeln von zehn Kilometern Durchmesser, waren die neuen Basisschiffe der Vithaas.

Gemäß der Fünferteilung ihres Volkes in der Neuzeit, hatte im Zentrum jeder Einheit die Großmesotronik einer Kolonie ihren Platz. Im Gegensatz zu den Anfängen, als die Zentralmesotroniken noch auf Planeten stationiert waren, gingen die Vithaas nun dazu über, sie als mobile Einheiten umzusetzen.

Auch wenn die gigantischen Kugeln den Eindruck einer riesigen, fliegenden Einheit vermittelten, so sah die Realität etwas differenzierter aus. Jede Meso-Einheit bestand aus dem Zusammenschluss von mindestens 20 000 einzelnen Raumschiffen, die sich im Modulverfahren zusammenfügen konnten und mit ihrer Gesamtheit die Meso-Einheit bildeten. Bei Bedarf konnten sich einzelne Einheiten oder ganze Flotten von dem Gebilde ablösen. Eine Entsprechung findet die Meso-Einheit beim Bieneschwarm während des Hochzeitsfluges, bei dem sich die Soldaten schützend um die Königin im Zentrum scharen. Im Fall der Vithaas bildet das Zentrum die Zentralmesotronik der Kolonie.

Vithau - Interaktive Story des PROC - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 6 von Thomas Rabenstein. Titelbild: Thomas Rabenstein. Nach einer Idee von: Rainer Schwippl. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung, Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory (SAXON, LaTeX). Homepage: http://www.proc.org/vithau/. eMail: vithau@proc.org. Copyright © 2000-2002. Alle Rechte vorbehalten!