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Halbdunkel, nur beleuchtet von ein paar Notlampen, zog sich der Gang vor Rack dahin. Nach all der Aufregung in letzter Zeit war er froh über diese Einsamkeit. Zu viel war auf ihn eingestürmt, dass er verarbeiten musste. Erst das Auffinden der Station auf Manjurak, dann die Erkenntnis, dass die Manjarden nicht die einzigen Lebewesen im Universum waren. Er war zwar schon immer der Meinung gewesen, dass es andere Lebensformen geben musste, aber es waren zweierlei Dinge etwas nur zu vermuten oder plötzlich damit konfrontiert zu werden. Der größte Schock allerdings war der Untergang von Manjard gewesen. Tief im Inneren wollte Rack es immer noch nicht wahrhaben, dass sie die letzten der Manjarden sein sollten. Vielleicht hatten sich ja doch einige Leute retten können, auf einem Raumschiff oder tief unter der Erde in einem Bunker. Vielleicht hatten die Messgeräte nur nichts feststellen können, weil diese Bunker besonders stark abgeschirmt waren. Wenn sie ihren Auftrag abgeschlossen hatten, so nahm er sich vor, sollten sie auf jeden Fall nochmals nach Manjard fliegen und etwas gründlicher suchen. Vor Rack löste sich ein Formenergie-Schott auf und gab den Blick auf einen Maschinenpark frei. Bis unter die Decke in 20 Metern Höhe reichten die Blöcke der Energiewandler und -speicher. Ein leises Summen erfüllte die Luft, welches auf die riesigen Energiemengen hinwies, die in diesem Raum flossen. Mit den hier gespeicherten Leistungen konnte man ohne weiteres eine Kleinstadt jahrelang mit Energie versorgen. Da die Blöcke alle voll gekapselt waren und es sonst nichts zu sehen gab, entschloss sich Rack, ein Deck tiefer zu gehen, wo sich der Antrieb des Schiffes befinden musste. Er wandte sich um und schritt den Gang entlang, auf den Antigravschacht zu. Mit einem kleinen Hüpfer sprang er in das Feld, welches ihn langsam nach unten zog. Eine Minute später hatte er das unterste Deck erreicht. Hier gab es keine Gänge oder Schotts mehr. Nur ein einziger riesiger Raum angefüllt mit den Aggregaten für die Treibwerke. Wie Rack von der Hypnoschulung her wusste, gab es drei verschiedene Antriebe in dem Schiff. Für den Unterlichtflug wurde ein Gravofeldantrieb verwendet. Das Prinzip bestand darin, sich in die Gravitationsfeldlinien einzuklinken, die das Universum durchzogen. Wie dies allerdings genau funktionierte, wusste er auch nicht, da dies nicht zu der Schulung gehört hatte. Genauso wenig wie sie Informationen über die Wirkungsweise der Überlichtantriebe erhalten hatten. Es war nur soweit klar, dass das Schiff mit einem Dual-Hyperbandantrieb ausgerüstet war, welcher zwei unterschiedliche Überlichtmodi erlaubte. Zum präzisen Manövrieren wurde durch den Hyperraum geflogen mit einer maximalen Geschwindigkeit von zehnmillionenfacher Lichtgeschwindigkeit, was für Kurzstrecken durchaus genügte. Für weiter entfernte Ziele stand der Sextadim-Modus zur Verfügung. Dieser konnte aus dem Hyperraum heraus aktiviert werden und erlaubte eine Geschwindigkeit von zweihundertmillionenfacher Lichtgeschwindigkeit. Der Nachteil dabei war allerdings, dass man in diesem Modus nur sehr ungenau zielen konnte. Man musste also am Ende eines Sextadim-Fluges in den Hyperraum-Modus wechseln um den Zielpunkt anzusteuern. Ein Kontrolldisplay in der Nähe des Antigravschachtes zeigte den aktuellen Status der Aggregate an. Alle Werte lagen im grünen Bereich. Mit großen Augen begann Rack seinen Rundgang durch die Halle.
Das Schiff fiel planmäßig zum zweiten Orientierungsstop aus dem Hyperraum. Die zurückgelegte Entfernung zum Lobol-System betrug 7800 Lichtjahre, wie Pavo mit einem Blick auf das Kontrolldisplay feststellte. Ihm wurde regelrecht schwindelig, als er versuchte, sich die Entfernung vorzustellen. Im Hintergrund hörte er Aik, wie er sich leise mit Pantax unterhielt. Der Videx war Pavo zwar durchaus sympathisch, es war aber schon komisch, ihn da in einem Formenergie-Sessel sitzen zu sehen und intelligente Gespräche zu führen. Auf Manjard hatte es eine Tiergruppe gegeben, die in den weiten Steppen lebte und ähnlich ausgesehen hatte. Es gab ihm einen leichten Stich ins Herz, als er an Manjard denken musste. Bevor er aber ins Grübeln verfallen konnte, erklang die Robotstimme des Schiffscomputers: »Soeben wurde ein Notruf eines anderen Raumschiffes empfangen. Erbitte Anweisungen.« Aik sah erstaunt zu Pavo. »Ich dachte, das Schiff fliegt automatisch zum Zentralmodul und wir haben keine Kontrollen darüber. Kannst du dir das erklären?« »Muss wohl mit dem neuen Kernel und dem Datenaustausch mit HUKTOR zu tun haben«, sinnierte Pavo. »Hat HUKTOR doch etwas Gutes getan, indem er uns zumindest teilweise die Kontrolle über das Schiff zugestanden hat. Hätte er uns aber auch sagen können.« »Du solltest dochHUKTOR inzwischen kennen. Der rückt doch nur Informationen raus, wenn es ihm in den Kram passt.« »Auf jeden Fall haben wir jetzt ein Problem am Hals«, sagte Pavo und sah dabei der Reihe nach alle Anwesenden in der Zentrale an. »Sollen wir dem Notruf nachgehen, oder fliegen wir weiter zum Zentralmodul?« Aik kratzte sich mit einer Kralle am Kinn. »Wenn wir HUKTOR fragen würden, wäre die Antwort wohl eindeutig. Für ihn hätte selbstverständlich das Zentralmodul oberste Priorität. Immerhin geht es laut seinen Aussagen um die Zukunft dieser Galaxis. Aber Patscham! Das Zentralmodul hat seinen letzten Muckser vor 90 Jahren getan. Da kommt es nun sicher nicht auf ein paar Tage an. Wir werden also dem Notruf nachgehen und schauen, ob wir irgendwie helfen können.« Zu Lika gewandt fuhr Aik fort: »Lika, du versuchst irgendwo Rack aufzutreiben. Das Schiff ist zwar 300 Meter lang, aber ich schätze, er wird sich im Heckbereich beim Antrieb aufhalten. Er soll so schnell wie möglich in die Zentrale kommen.« »Pavo, du checkst den Status der Defensiv- und Offensivsysteme. Ich möchte, dass alles hundertprozentig einsatzbereit ist.« »Kann ich euch irgendwie behilflich sein?«, erklang hinter Aik die Stimme von Pantax. »Im Moment leider nicht«, erwiderte Aik. »Da deine Kenntnisse in der Technik der Bewahrerin noch sehr rudimentär sind, müssen wir vorerst auf Deine Hilfe verzichten. Bei nächster Gelegenheit werden wir nach einem Hypnoschuler Ausschau halten, um deine Kenntnisse etwas zu erweitern.« »Schiffcomputer!« Aik drehte sich in Richtung der Mesotronik. »Bitte den genauen Wortlaut des Notrufes und lokalisieren des Standortes.« Mit seiner leicht blechern klingenden Stimme begann der Computer: »Die Botschaft des Notrufes besteht im Grunde aus nur zwei Wörtern: Bar Tumtar. Dies ist ein Notruf, der von den Videx benutzt wird.« Pantax begann hektisch zu schnaufen. »Wir müssen sofort dorthin und helfen. ›Bar Tumtar‹ darf nur in äußerstem Notfall gesendet werden und bedeutet höchste Gefahr für Fracht und Leben.« Aik wandte sich mit einem leisen Knurren zu dem Videx um. »Wenn du den Computer weitermachen lässt, dann erfahren wir vielleicht auch, wohin wir fliegen müssen.« Wieder zum Computer gewandt, fuhr Aik fort: »Lässt sich die Herkunft des Signals feststellen?« »Ausgangspunkt der Sendung ist ein zwei Lichtjahre entferntes System mit einer gelben Normalsonne und einem kleinen, atmosphärelosen Planeten.« »Okay, dann Kurs auf dieses System setzen. Lasst uns nachschauen, was dort vor sich geht.« In diesem Moment betraten Lika und Rack durch den Antigravschacht die Zentrale. »Habe ich irgend etwas verpasst?«, fragte Rack. »Das Schiff hat einen Notruf eines Videx-Schiffes empfangen«, erläuterte Pavo. »Wir düsen mal kurz vorbei und sehen nach, ob wir helfen können.« »Endlich mal etwas Abwechslung«, meinte Rack mit einem ironischen Unterton.
Sofort nach der Ankunft im System schlugen die Energietaster des Schiffes aus. Ein schneller Blick von Pavo auf den Orter bestätigte den Verdacht, dass es sich dabei um ein Raumgefecht handelt. »Pavo, Statusbericht«, sagte Aik. »Drei sichelförmige Raumschiffe beschießen mit Thermostrahlen ein Videx-Schiff«, antwortete dieser. »Der Schiffscomputer weist die Schiffe als dem Garatay-Orden zugehörige aus.« »Garatay-Orden?«, erklang die Stimme von Pantax. »Was haben die in diesem Raumsektor verloren? Die verlassen doch so gut wie nie den Garatay-Sternhaufen in der Westside der Galaxis. Und warum beschießen sie ein Videx-Schiff? Ich bitte euch, helft den Leuten aus meinem Volk!« »Grundlos werden die wohl kaum ein Videx-Schiff beschießen«, meinte Aik. »Aber wir werden sehen, was wir machen können.« An Rack gewandt fuhr er fort: »Rack, nimm Kontakt mit den Schiffen des Garatay-Ordens auf und fordere die sofortige Einstellung des Beschusses!« Wie die Ortungsergebnisse zeigten, war der Schutzschirm der Videx kurz vor dem Zusammenbruch. »Pavo, Schutzschirme und Leptonen-Torpedos bereitmachen.« »Keine Reaktion auf unsere Anrufe«, meldete sich Rack. »Ich habe alle dem Schiff bekannten Frequenzen, die der Orden nutzt, versucht. Aber entweder können die uns nicht verstehen, oder sie wollen nicht. Dafür kommt gerade ein Funkspruch der Videx rein.« »Schiffcomputer, Kommunikationseinrichtung bereitmachen!«, befahl Aik. Vor dem Maul von Aik materialisierte ein energetisches Mikrofon. »Rack, Funkspruch auf die Lautsprecher! Pavo, Kurs nehmen auf die Schiffe des Ordens!« Die Zentrale war plötzlich erfüllt von einem lauten Krachen und Knacken. Der Funkspruch der Videx war überlagert von vielen Störungen. Nur undeutlich konnte man die Stimme eines Videx ausmachen: »...elft uns... den angegriff... wissen nicht... ar Tumtar...« »Wir können dich nur sehr schlecht verstehen«, sprach Aik in das Mikrofonfeld. »Kannst du uns sagen, warum ihr angegriffen werdet?« »Wir wiss... nicht wa... Hilfe, sonst...« Plötzlich gab es einen lauten Knall und danach war nur noch ein Rauschen zu hören. Auf dem Schirm war zu sehen, dass der Schutzschirm der Videx teilweise zusammengebrochen und das Schiff einen Volltreffer erhalten hatte. Der Treffer riss die Schiffshülle auf und aus dem Loch schlugen meterlange Flammen. »Wir kommen zu spät!«, schrie Pantax auf. »Schutzschirm hochfahren und Feuer frei für die Leptonen-Torpedos«, entschied Aik an Pavo gewandt. »Zuerst knapp vor den Bug der Sichelschiffe, damit die wissen, dass wir es ernst meinen.« Pavo drückte der Reihe nach einige Knöpfe auf der Konsole vor sich. Zu hören war nichts, aber auf dem Schirm sah man vor den Schiffen des Ordens einige Explosionen aufleuchten. Die Schiffe brachen den Beschuss des Videx-Schiffes ab und wandten sich dem neuen Feind zu. Die ersten Thermostrahlen schlugen in den Hyperschirm ein, wurden aber sofort abgeleitet. Selbst ein massiver Angriff aller drei Schiffe konnte den Schirm nur unwesentlich belasten. »Schirmauslastung bei 20%«, sprach Pavo mit leichtem Respekt in der Stimme. »Der dreifach gestaffelte Hyperschirm ist ja wirklich eine Pracht.« »Na dann wollen wir denen einmal Respekt vor der Bewahrerin beibringen«, sagte Aik. »Pavo, zeig ihnen, was unsere Waffen vollbringen.« Nach einer kurzen Neujustierung der Torpedos sah man die ersten Explosionen in den Schirmen der Ordens-Schiffe. Diese waren bei weitem nicht so leistungsfähig und zeigten schon nach kurzer Zeit Auflösungserscheinungen. Die Kommandanten der gegnerischen Schiffe begriffen recht schnell, dass sie gegen dieses Schiff keine Chance hatten und suchten das Weite. »Lasst sie laufen«, sagte Aik. »Wir müssen uns primär um die Videx kümmern. Hoffen wir, dass nicht zu viel passiert ist.« Langsam näherte sich das Schiff der Manjarden dem Videx-Schiff. Rack sah vom Ortungsschirm auf. »Sieht schlecht aus, Chef. Der Treffer des Garatay-Schiffes hat den Bereich der Zentrale verwüstet. Wenn die Videx nicht ganz viel Glück gehabt haben, dann...« »Empfangen wir irgendwelche Notsignale?« »Negativ.« »Es wird uns also nicht anderes übrig bleiben, als an Bord zu gehen und nachzuschauen. Lika und Pantax gehen mit mir mit. Macht euch bereit«, entschied Aik. Zu dritt standen sie nun in der Schleuse und warteten darauf, dass die Automatik die Luft abpumpte. Es war ziemlich eng, da der Videx trotz seiner geringen Größe von 175~cm den Platz von zwei Manjarden beanspruchte. Mit flinken Augen kontrollierte Aik die Anzeigen des Anzugs am Display, welches auf die Innenseite des Helmes projiziert wurde. Doch plötzlich wurden diese Anzeigen von einem anderen Bild überlagert. Undeutlich konnte er Pavo sehen, wie er über die Kontrollen gebeugt dastand und hörte ihn zu Rack sagen: »Würde mich wundern, wenn Aik dort drüben noch jemanden lebendig vorfindet. Der Treffer des Sichelschiffes hat einen enormen Schaden angerichtet.« Nur der Blickwinkel war anders als sonst. Wie wenn er auf dem Boden liegen würde. Pinn! Das konnte nur wieder eine dieser Gedankenbrücken zu dem kleinen Raubtier sein. Nur war diesmal die Qualität der übertragenen Sinneseindrücke um einiges besser als die Male zuvor. Wie wenn sich die Wellenlängen der beiden langsam aufeinander einspielen würden. »Aik, was ist mit dir?«, hörte er Lika über den Helmfunk rufen. »Geht es dir nicht gut?« Energisch schüttelte Aik den Kopf, um die Bilder zu vertreiben. »Nein, nein. Geht schon wieder. Mir war es nur kurz etwas schwindelig. Lasst uns losfliegen.« Hinter der Helmscheibe konnte er Likas skeptischen Blick sehen. Ganz überzeugt schien sie von seiner Ausrede nicht zu sein. Der Schiffcomputer hatte für den Schleusenbereich die Schwerkraft aufgehoben, so dass sie mit einem leichten Stoß aus der Schleuse zu schweben begannen. Keine 200 Meter vor sich sahen sie das Videx-Schiff antriebslos dahintreiben. Die Garatay hatten das Schiff von schräg oben in der Mittelsektion getroffen, wo nun ein riesiges Loch klaffte das an den Rändern noch glühte. Langsam, immer wieder mit den Korrekturdüsen arbeitend, flogen sie auf dieses Loch zu. Durch das Licht der nahen Sonne konnten sie das ganze Ausmaß der Zerstörung erblicken. Das Metall hatte sich durch die starke Erhitzung und anschließende Abkühlung zu bizarren Mustern verformt. Der Einschusskanal war beinahe 10 Meter im Durchmesser und hatte sich durch das halbe Schiff gefressen. An mehreren Stellen waren noch Glutherde zu sehen. Vorsichtig ließen sie sich in die Öffnung hineingleiten. »Die Zentrale liegt vorne im Bugbereich des Schiffes«, erklang die Stimme von Pantax über den Helmfunk. »Wir müssen nur dem Einschusskanal folgen.« Man konnte die Trauer in der Stimme von Pantax hören. Auch er schien nicht mehr an Überlebende zu glauben. Es war ein Wunder, dass nicht das komplette Schiff explodiert war. Die Räume mit den Energiespeichern hatten so gut wie nicht abbekommen. Vor ihnen erschien ein ausgefranstes Schott, welches den Zugang zur Zentrale markierte. Zumindest die Notenergieversorgung funktionierte noch, denn ein rötliches Licht erfüllte den Raum. Durch die fehlende Atmosphäre wirkten die Schatten noch dunkler und die angestrahlten Flächen noch heller. Die Zentrale selbst war ein Ort des Grauens. Zerborstene Monitore, heruntergefallene Beleuchtungskörper, aufgerissene Verkleidungen und dazwischen drei Videx, die reglos eingeklemmt auf dem Boden lagen. Sie hatten keine Chance gehabt. Die Dekompression war zu schlagartig gekommen, als dass sie ihre Schutzanzüge noch hätten schließen können. Aik hatte seinen Brustscheinwerfer eingeschaltet und leuchtete in der Zentrale umher. »Tut mir leid Pantax, aber wir sind zu spät gekommen«, richtete Aik das Wort an den Videx. »Es ist nicht eure Schuld«, erwiderte Pantax. »Die Garatay tragen die Verantwortung für das, was hier passiert ist. Obwohl ich es noch immer nicht verstehen kann. Wir Videx sind ein friedliches Händlervolk, das mit keinem Volk in dieser Galaxis Streit hat. Irgendetwas muss zwischen der Familie dieses Schiffes und den Garatay vorgefallen sein. Nur was?« »Das werden wir wohl nie herausbekommen«, sagte Aik. »Die Garatay-Schiffe dürften inzwischen unauffindbar sein.« »Vielleicht können wir etwas im Schiffcomputer finden«, schlug Lika vor. »Gute Idee«, erwiderte Aik. »Pantax kennt ja die Technik und sollte den Speicherinhalt auslesen können.« Die beiden Manjarden blicken erwartungsvoll den Videx an. Doch der schüttelte nur den Kopf. »Der Bordcomputer ist leider total zerstört. Ein Eisenträger ist mit voller Wucht darin eingeschlagen. Da gibt es leider nichts mehr zu holen.« Aik blickte sich nochmals in der Zentrale um und entschied dann: »Da wir hier nichts mehr machen können, kehren wir auf unser Schiff zurück und setzen unseren Flug fort. Wenn Pantax einverstanden ist, werden wir das Videx-Schiff per Traktorstrahl auf einen Kurs Richtung Sonne bugsieren, auf das sie dort ihre letzte Ruhe finden werden.« »Ich danke euch«, sagte Pantax. »Ihr habt euer möglichstes versucht.« Aik wandte sich um und wollte gerade die Zentrale wieder verlassen, als das Licht seines Scheinwerfers in einen Nebenraum fiel und dort ein merkwürdiges Artefakt beleuchtete. »Was haben wir denn da?« Neugierig näherte er sich dem Teil. Es schien eine Art Kristall zu sein. Die Form entsprach einem Kegel von einem Meter Höhe und Durchmesser. In der Mitte war irgendetwas Dunkles eingeschlossen, das man aber wegen der trüben Beschaffenheit des Kristalls nicht erkennen konnte. Pantax trat hinter Aik und bestaunte den Kristall. »So etwas habe ich noch nie gesehen. Auf jeden Fall ist es kein Teil, das auf ein Videx-Schiff gehört.« »Vielleicht sehen wir hier den Grund, warum die Garatay angegriffen haben«, sagte Aik. »Wir nehmen das Stück mit auf unser Schiff und werden es dort untersuchen. Wäre doch gelacht, wenn wir mit der Technik der Bewahrerin nicht hinter das Geheimnis des Kristalls kommen.« Vorsichtig bugsierten sie den Kristall aus dem Schiff und flogen damit zu ihrem Schiff zurück. Langsam entfernte sich das Videx-Schiff. Pavo hatte mit Hilfe der Traktorstrahlen die Flugbahn soweit verändert, dass es in ca. 2 Monaten in die Sonne stürzen würde. Stumm verfolgten die Anwesenden in der Zentrale, wie das Schiff immer kleiner wurde und schließlich in der Schwärze des Alls verschwunden war. »Zurück zu unserer eigentlichen Aufgabe«, befahl Aik in energischem Tonfall. »Wir müssen schließlich die Galaxis retten.« »Schiffcomputer, Schiff auf alten Kurs bringen! Während wir unterwegs zu unserem Ziel sind«, fuhr Aik fort, »werden Rack und Lika den Kristall unter die Lupe nehmen. Ich möchte alles darüber wissen. Hauptsächlich, was darin eingeschlossen ist. Also macht euch an die Arbeit.« Während Aik, Pavo und Pantax sich in die Formenergie-Sessel setzten und Lika und Rack sich auf den Weg ins Labor machten, beschleunigte das Schiff und wechselte kurz darauf in den Hyperraum.
Rack lief mit langsamen Schritten um ihr merkwürdiges Fundstück herum, während Lika dabei war, die Testreihen zusammenzustellen. Sie hatten es in der Mitte des Raumes auf ein Podest gestellt, wo es von einem leicht grünlich schimmernden Schutzschirm umschlossen wurde. Man konnte schließlich nicht wissen, wie der Kristall auf die verschiedenen Tests reagieren würde. Von der Decke des Raumes streckten sich verschiedene Messsonden dem Kristall entgegen. »Können wir beginnen?«, fragte Lika. »Von mir aus schon«, erwiderte Rack. »Ich bin schon richtig gespannt, was wir in dem Kristall entdecken werden. Durch die milchige Struktur kann man überhaupt nichts erkennen. Aber irgendetwas ist da drin.« »Nur keine Aufregung«, meinte Lika dazu. »Mit den hoch entwickelten Messgeräten dieses Schiffes wird der Inhalt nicht lange ein Geheimnis bleiben. Fangen wir also an.« »Versuchen wir, zuerst das Material zu bestimmen.« Lika betätigte eine Reihe von Knöpfen und starrte dann gebannt auf den Monitor vor sich. Eine der Messsonden begann leise zu summen und sich langsam von der Decke dem Schutzschirm zu nähern. Kurz bevor sie den Schirm erreichte, öffnete sich darin eine Strukturlücke, durch welche die Sonde eindringen konnte. Anschließend konnte Rack beobachten, wie ein rötlicher Strahl über den Kristall zu wandern begann. »Das gibt es doch gar nicht«, sagte Lika mit ärgerlicher Stimme. »Die Messgeräte zeigen rein gar nichts an. Man könnte meinen, der Kristall wäre überhaupt nicht vorhanden.« »Erhöhe die Energiemenge des Strahls«, bemerkte Rack. »Der Kristall scheint die auftreffende Energie zu absorbieren. Deshalb bekommst du keine Anzeige.« Während Lika auf einer Tastatur mehrere Tasten drückte, sah Rack, wie der rötliche Messstrahl intensiver zu leuchten begann. Lika wandte sich zu Rack um. »Immer noch keine Anzeige. Das verfluchte Ding will einfach nicht preisgeben, aus was es besteht.« »Dann gehen wir anders vor«, entschied Rack. »Versuchen wir den Kristall zu knacken. Wäre doch gelacht, wenn wir keinen Erfolg hätten. Ich würde sagen, wir beginnen mit dem Thermostrahler.« Lika wandte sich wieder der Steuerkonsole zu und begann, daran zu hantieren. Die bisher verwendete Messsonde zog sich daraufhin an die Decke zurück, während sich gleichzeitig eine andere Sonde dem Kristall näherte. Aus der Spitze dieser Sonde löste sich kurz darauf ein gleißend heller Strahl, der im unteren Drittel des Kristalls auf dessen Oberfläche traf. »Kannst du irgendetwas erkennen, Rack?« Rack näherte sich so weit es ging dem Schutzschirm und betrachtete intensiv die Stelle, an der der Strahl auftraf. »Nichts zu sehen. Keine Verfärbung der Oberfläche, keine Verformung, einfach nichts.« »Ich erhöhe jetzt nochmals die Energiemenge und wenn das nichts nützt, fahren wir schwerere Geschütze auf«, sagte Lika mit leicht verärgerter Stimme. Der Thermostrahl wurde etwas breiter und schien noch etwas heller zu leuchten, als Lika die Energie hochfuhr. »Keine Veränderung«, meinte Rack nach einigen Sekunden. »Der Kristall ist wie ein trockener Schwamm. Der schluckt einfach alles.« »Okay, er hat es nicht anders gewollt. Dann wollen wir doch mal sehen, was der Kristall von unserem Desintegrator hält.« Wieder betätigte Lika ein paar Schalter und Tasten, woraufhin der Thermostrahler erlosch und sich an die Decke zurückzog. Von dort senkte sich anschließend ein dünnes unscheinbares Rohr dem Kristall entgegen und hielt kurz über dessen Spitze an. Nur an dem Ausspruch »Und los geht's!« aus der Richtung von Lika, konnte Rack erkennen, dass der Desintegrator in Betrieb gegangen war. Der Schutzschirm um den Kristall verhinderte ein Beobachten des ebenfalls grünlichen Desintegratorstrahls. Die Lefzen zu einem Grinsen verzogen, sagte Rack kurz darauf an Lika gewandt: »Keine Chance. Der Kristall will sein Geheimnis einfach nicht preis geben. Nicht die kleinste Schramme ist auf der Oberfläche zu sehen.« Resignierend lies Lika die Arme seitlich ihres Stuhles nach unten fallen. »Es muss doch eine Möglichkeit geben, dem Ding beizukommen.« Da erklang aus einem versteckten Lautsprecher in der Decke plötzlich die Stimme von Aik: »Rack, Lika. Wie weit seid ihr?« Rack hob den Kopf, obwohl dies eigentlich überhaupt nicht notwendig gewesen wäre, und antwortete: »Wir kommen hier absolut nicht weiter. Der Kristall widersetzt sich all unseren Versuchen, ihn zu analysieren. Auch ein Beschuss mit dem Thermostrahler und dem Desintegrator brachte bisher nichts ein. Das Ding saugt die ganze Energie einfach in sich auf. Momentan sind wir etwas ratlos.« »Dann brecht eure Versuche vorerst ab und kommt in die Zentrale«, fuhr Aik fort. »Unser Schiff wird in den nächsten Minuten den Zielort erreicht haben. Ihr könnt an einem späteren Zeitpunkt weitermachen.« »Alles klar Chef«, antwortete Rack. »Wir schalten nur noch alles aus und kommen dann.« An Lika gewandt sagte er: »Packen wir zusammen. Zumindest im Moment habe ich auch keine Idee, wie wir dem Kristall beikommen können.« »In Ordnung«, erwiderte diese. »Dann lass uns mal nachschauen, wo dieses Schiff uns hingebracht hat.«
Soeben hatten sie den Hyperraum verlassen und befanden sich nun im Leerraum zwischen den Galaxien. Der Anblick war überwältigend. Zwei gigantische Sterneninseln schwebten rechts und links von ihnen im Raum. Mit großen Augen schauten die Manjarden und Pantax auf den Holoschirm. »Wow«, war das einzige, dass Pavo hervorbrachte. »Wie es scheint, sind wir am Ziel angekommen«, bemerkte Aik. »Und nun? Hier ist absolut nichts.« »Etwa ein halbes Lichtjahr von hier entfernt befindet sich eine Ansammlung von Asteroiden«, sagte Rack. »Wie die Messgeräte feststellen, befindet sich dort auch eine große Menge an Metallen. Dort sollten wir uns vielleicht mal umsehen.« »Okay, lasst uns dort hinfliegen. Schiffcomputer, Kurs auf die Asteroiden.« »Aik!«, rief Pavo plötzlich. »Hier im Computer ist ein Speicherbereich freigegeben worden, der bisher gesperrt war.« »Dieser Speicherbereich enthält geheime Informationen, die für eure Mission wichtig sind«, erklang die Stimme des Schiffcomputers. »Sie waren bisher gesperrt, da kein Bedarf bestand.« »Na toll«, meinte Aik. »Der nächste Computer, der meint, uns Informationen vorenthalten zu müssen. Wie sollen wir da unsere Arbeit machen, wenn wir die Einzelheiten immer nur Häppchenweise bekommen?« »Pavo, was für Informationen hast du gefunden?« »Sie betreffen das Zentralmodul. Anscheinend befindet sich das Modul nicht im normalen Raum, sondern ist in einer Hyperraum-Blase verborgen. Auf einem der Asteroiden, die wir gerade anfliegen, befindet sich eine Kontaktstation, die eine Verbindung zum Zentralmodul herstellen kann.« »Das erklärt die hohe Konzentration an Metallen«, bemerkte Rack. »Außerdem sind hier noch einige Daten über das Modul enthalten.« Die Manjarden spitzten die Ohren. »Demzufolge ist das Zentralmodul ein zwei Kilometer durchmessendes Kugelraumschiff, welches sich aus drei Teilen zusammensetzt. Im Kern sitzt eine 500 Meter durchmessende Kugel, in der sich das eigentliche Herz befindet. Diese Kugel wiederum wird von zwei Halbschalen eingeschlossen. Im eigentlichen Herzen, also der 500-Meter-Kugel, befindet sich eine große Menge organischen Plasmas. Alles in allem lässt sich also sagen, dass das Zentralmodul ein riesiger Computer mit Plasmazusatz ist.« »Nur ein Computer?«, fragte Lika erstaunt. »Ja, aber mit einer organischen Komponente«, erwiderte Pavo. »Wir dürfen also durchaus davon ausgehen, dass er hochintelligent ist. Vor allem, wenn man bedenkt, was dieser Computer alles aufgebaut hat. Denke an die vielen Stationen und die Flotte.« »Na dann lasst uns mal schauen, was mit dem Computer los ist«, meinte Aik. »Immerhin hat er sich seit 90 Jahren nicht mehr zu Wort gemeldet. Irgendetwas muss ihm die Sprache verschlagen haben.« In der Zwischenzeit hatten sie das Asteroidenfeld erreicht. »Rack, hast du schon die Kontaktstation gefunden?«, fragte Aik. »Nein, dafür habe ich eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Mitten zwischen den Asteroiden habe ich das Zentralmodul geortet.« »Wie kann das sein? Das Modul sollte doch in einer Hyperraum-Blase und somit nicht zu orten sein.« »Dem ist aber nicht mehr so. Außerdem fliegt es in seine drei Einzelteile zerlegt hier herum. Auch ist keinerlei Energie anmessbar, wie wenn das Modul abgeschaltet wäre. Weiteres kann ich aber erst sagen, wenn wir näher dran sind.« »Kurs auf das zerlegte Zentralmodul!«, befahl Aik. Mit geringer Geschwindigkeit näherten sie sich dem Asteroidenfeld. »Jetzt bekomme ich einen kleinen Energieausschlag«, erklärte Rack. »Irgendwo in der Innenkugel muss noch ein Energieerzeuger in Betrieb sein.« »Sonst irgendwelche Aktivitäten?« »Nein, sonst alles ruhig. Die beiden Halbschalen treiben antriebslos herum. Haben auch schon ein paar Macken abbekommen, als sie mit Asteroiden zusammengestoßen sind. Da ist nicht mal mehr ein Prallschirm in Betrieb.« »Ist die Innenkugel wenigstens unbeschädigt?« »Scheint so. Zumindest lässt sich nichts Gegenteiliges feststellen. Der Innenraum ist sogar noch mit Atmosphäre gefüllt. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie reinkommen.« »Schiffcomputer«, wandte Aik sich an die Mesotronik. »Kannst Du uns eine Öffnung in der Hülle der inneren Kugel schaffen?« Statt einer Antwort sahen sie auf dem Schirm, wie sich ein Teil der Hülle auflöste und eine beleuchtete Schleuse freigab. »Da wir nicht wissen, was genau wir suchen und die Innenkugel sehr groß ist, gehen wir diesmal alle hinüber«, entschied Aik und wandte sich Pinn zu: »Und damit du, mein Kleiner, nicht allein hier bleiben musst, kommst du auch mit.« Pinn schien ihn verstanden zu haben, denn er stellt die Ohren auf und marschierte los in Richtung Antigravschacht. Es war erstaunlich wie gut er sich in der ihm unbekannten technisierten Welt zurechtgefunden hatte. »Energietunnel zum Zentralmodul steht und ist geflutet«, kam die Stimme des Schiffcomputers aus den Lautsprechern. »Na dann mal los.« Langsam schwebten sie den zwanzig Meter langen Energietunnel entlang, auf die Innenkugel zu. Auf der linken Seite war ihre Heimatgalaxis Lokdai zu sehen und auf der rechten Mercor, die Nachbarinsel. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, das in Aik aufkam, als er sich ausmalte, wo sie sich eigentlich befanden. Mitten im Leerraum, weitab jeglicher Zivilisation. Sollte ihnen hier etwas zustossen, waren sie verloren. Kein Funkspruch konnte die Entfernung zu Lokdai überbrücken. Ähnlich hatte er sich vor garnicht allzu langer Zeit gefühlt, als sie mit der SOMLOM im Leilak-System ankamen, acht Lichtjahre von ihrem Heimatplaneten entfernt, nur waren diesmal die Dimensionen etwas grösser. Kurz bevor sie die Wandung der Zentralmoduls erreicht hatten, löste diese sich auf, so daß sie in eine schwach erleuchtete Schleusenkammer sehen konnten. Sie war groß genug, um sie alle aufnehmen zu können. Dies war aber auch das einzige, daß ihr Schiffscomputer noch für sie tun konnte. Im Inneren des Zentralmoduls waren sie auf sich gestellt. »Im Inneren der Schleuse werdet ihr einen roten Knopf vorfinden«, erklang da die Stimme des Schiffscomputers in ihren Helmlautsprechern. »Wenn dieser betätigt wird, schliesst sich die Aussenluke und der Innenraum wird mit einem atembaren Luftgemisch geflutet. Anschliesend öffnet sich Innenluke. Ich wünsche euch viel Glück.« »Na wenigstens bleibt es uns erspart, die ganze Zeit mit geschlossenen Raumanzügen umherwandern zu müssen«, kam der Kommentar von Pavo. Beim Einfliegen in die Schleuse bemerken sie, dass auch der Schwerkraftgenerator an Bord des Zentralmoduls noch funktionieren musste. Sanft wurden sie auf den Boden der Schleuse gezogen. Nachdem alle versammelt waren, betätigte Aik den roten Knopf, der sich mitten auf der Seitenwand befand. Aus dem Nichts materialisierte die aus Formenergie bestehende Aussenluke und über die Außenmikrofone der Anzüge hörten die Manjarden erst leise, dann immer lauter, das Einströmgeräusch der Luft. Kurz darauf war der Vorgang beendet, die Innenluke löste sich auf und gab den Blick ins Innere des Zentralmoduls frei. Ein langer gerader Gang tat sich vor ihnen auf, der durch versteckt angebrachte Leuchtkörper erhellt wurde. Weiterhin sahen sie, daß der Gang nach ungefähr fünfzig Metern in eine große Halle mündete. Nachdem sie alle ihrer Helme zusammengefaltet hatten, sagte Aik: »Da sind wir also. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was hier geschehen ist.« Ein leichtes Lächeln umspielte sein Maul. Sich immer wieder umschauend gingen sie den Gang entlang und betraten schließlich eine runde Halle. Sie besaß einen Durchmesser von zwanzig Metern und eine Höhe von knapp fünf Metern. Mehrere Gänge mündeten aus verschiedenen Richtungen in ihr. In der Mitte sah man außerdem noch je zwei runde Öffnungen mit drei Metern Durchmesser im Boden und in der Decke. Dies schienen die Antigravschächte zu sein. Ansonsten war die Halle leer. Keinerlei Bedien- oder Anzeigegeräte war an den Wänden zu sehen, nur das blanke Metall. »Dies ist wohl der beste Zeitpunkt, uns aufzuteilen«, entschied Aik. »Lika und Pantax werden sich in den oberen Teil des Zentralmoduls begeben. Pavo und Rack, ihr werdet nach unten gehen und euch dort umsehen. Ich werde mich mit Pinn auf dieser Ebene aufhalten. Solltet ihr irgend etwas finden, daß euch außergewöhnlich vorkommt meldet euch sofort über Funk.« Seit beinahe einer halben Stunde war er nun schon unterwegs, wie Aik mit einem kurzen Blick auf die Zeitanzeige seines Multifunktionsarmbandes feststellte. Bisher hatte er nichts Ungewöhnliches entdecken können. Alles war ruhig und still. Er war an mehreren Nischen vorbeigekommen, in denen reglos Roboter standen und auf einen Aktivierungsimpuls warteten. Bei einem der Roboter hatte er einen Schreck bekommen, da dieser genauso aussah wie Huktor. Alle anderen waren mehr oder weniger groteske Gestalten und wahrscheinlich speziell für bestimmte Einsatzzwecke konstruiert. Die Türen, auf die er bisher gestoßen war, waren samt und sonders verschlossen und nicht zu bewegen, sich zu öffnen. Bei den ersten beiden Türen hatte er zwar noch nach einem Öffnungsmechanismus Ausschau gehalten, dies jedoch nach Erfolglosigkeit sein lassen. Er ging davon aus, daß ein Funkimpuls nötig sein würde, um die Türen zu öffnen. Bei einem Roboterschiff eigentlich auch nichts Ungewöhnliches. Ansonsten waren die Gänge, wie schon die Halle, in der sie gestartet waren, leer. Keine Bediengeräte an den Wänden, ja noch nicht einmal Kennzeichen, damit man sich hier zurechtfinden könnte. »Lika, habt ihr schon etwas gefunden?«, sprach er in das Mikrofeld. »Nein, bisher nur leere Gänge und deaktivierte Roboter. Alles wirkt wie ausgestorben.« »Bei uns das gleiche«, hörte Aik die Stimme von Pavo sagen. »Alle Kontrollen sind tot und nichts rührt sich.« »Sucht weiter und gebt Bescheid, sobald ihr etwas entdeckt. Egal was es ist. Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass alles stillgelegt ist.« Zu seiner linken Seite sah Aik plötzlich eine offene Tür. Verdutzt blieb er stehen. Vorsichtig ging er darauf zu und blickte in einen riesigen halbkugelförmigen Raum. Bestimmt mehr als 50 Meter betrug der Durchmesser. Aus den Wänden, die mit einer Batterie an Geräten bestückt waren, hingen eine Vielzahl von Schläuchen und Kabeln. Allerdings war an diesen nichts angeschlossen. Sie lagen mit den Enden in einer Kuhle in der Mitte des Raumes. Das ganze erinnerte ihn an einen überdimensionalen Krankensaal. Und genauso roch es hier auch. In der Luft lag ein leichter Geruch nach Desinfektionsmittel. »Wenn ich richtig vermutet habe, dann hätte hier wohl das Plasma liegen sollen«, sagte Aik zu Pinn. »Aber anscheinend hat es jemand geklaut.« Mit leicht schräg gelegtem Kopf schaute dieser ihn an. Auf der rechten Seite des Raumes bemerkte Aik einen offen stehenden Durchgang, die in den angrenzenden Raum führte. Ein leises Knistern, wie von elektrischen Überschlägen, drang durch diesen Durchgang an seine Ohren. Langsam näherte er sich der Öffnung. Auch Pinn schien das Ganze nicht geheuer zu sein, denn er verzog sich hinter die Beine von Aik. Schon jetzt konnte er sehen, dass der Raum nicht so leer war, wie dieser hier. Die Schläuche und Kabel, die hier schlaff am Boden lagen, waren dort mit irgendetwas, das sich in der Mitte des Raumes befinden musste, verbunden. »Ich denke, wir sind fündig geworden«, sagte er zu sich selbst. Je näher er der Öffnung kam, desto mehr Einzelheiten konnte er wahrnehmen. Eine rosafarbene Masse schob sich in sein Blickfeld. Das Plasma! Oder zumindest ein Teil davon. »Lika, Pavo. Ich bin jetzt ziemlich genau in der Mitte des Schiffes. So wie es aussieht, habe ich das Plasma gefunden.« »Wir sind schon auf dem Weg zu dir.« Aik stand nun in dem Durchgang und hatte freien Blick in den Raum. Das Plasma nahm fast die Hälfte des Raumvolumens in Anspruch. Eine riesige Menge einer schwabbeligen, rosafarbenen Masse in die unzählige Schläuche und Kabel eintraten. Er entdeckte aber auch noch etwas anderes. Rund um das Plasma waren mehrere Geräte angeordnet, die irgendwie nicht hierher passten. Von diesen ging auch das Knistern aus, denn sie bestrahlten das Plasma mit irgendeiner Form von Energie. Mit langsamen Schritten lief an Aik an der Wand entlang um das Plasma herum. Einige Ausleger des Plasmas reichten bis fast an diese Wand heran. Völlig auf das Plasma konzentriert achtete Aik nicht auf Pinn, der ihm um die Beine strich. Das zuckende Plasma schien seinen Jagdtrieb geweckt zu haben, denn plötzlich machte Pinn einen Satz und landete auf einem dieser Ausleger. Bevor Aik reagieren konnte, machten sich fremde Gedanken in seinem Gehirn breit und er wurde hineingerissen in den Traum von Vithau. ENDE Die Manjarden haben das Zentralmodul im Leerraum zwischen den Galaxien V1/V2 erreicht. Aber es scheint schon jemand vor ihnen da gewesen zu sein. Das Schiff in drei Teile zerlegt und größtenteils Energielos. Bei der Erkundung der Mittelkugel stößt Kommandant Aik auf einen Rest des Plasmas, welches von fremdartigen Geräten umgeben. Doch wo ist das restliche Plasma? Und wer hat die Geräte aufgestellt? Durch Zufall wird Aik in den Traum des Plasmas gerissen und erfährt dabei die Geschichte von Vithau Dies ist auch das Thema der nächsten beiden Bände, deren Autoren Thomas Rabenstein und Nils Hirseland sein werden. Vithau - Interaktive Story des PROC - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 5 von Rainer Schwippl. Titelbild: Thomas Rabenstein. Nach einer Idee von: Rainer Schwippl. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung, Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.proc.org/vithau/. eMail: vithau@proc.org. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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