Ullrich WagnerPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 10
VITHAU - Die interaktive Story des Perry Rhodan Online Clubs

Hilfe gesucht

Was bisher geschah

Die Manjarden haben im Zentralmodul Vithaus viele neue Erkenntnisse gesammelt. So ist es ihnen gelungen, Apparaturen zu entdecken, die mit dem Plasma in einer bisher unbekannten Weise interagieren.

Um ihre Mission weiter fortsetzen zu können baute HUKTOR das Schiff für die Bedürfnisse der Manjarden um.

Nun steht ihnen ein Schiff zur Verfügung, das in der Galaxis seinesgleichen sucht.

Doch ihre Aufgabe ist kaum alleine zu bewältigen. Deshalb wird Hilfe gesucht.

Hauptpersonen

Aik und Lika – Die beiden Manjarden kommen sich näher

Pavo – Er fühlt sich wohl als Pilot der HASTUUL

Rack – hat eine Begegnung mit Cerva

Pantax – gibt alles, um beim Perdolo-Finale dabei zu sein

1. Aufbruch

Pavo fühlte sich in seine Kindheit zurückversetzt, als er auf dem kleinen Feld vor dem einfachen Haus seiner Eltern lag, und bei Dunkelheit in den Nachthimmel starrte. Kein Baum schob sich in seinen Sichtbereich, kein Geräusch war zu hören. Er war alleine. Alleine mit seinem Geist und der Unendlichkeit des Universums. Es kam ihm vor, als ob er zwischen den Sternen schweben würde. Als ob er Teil dieses unüberschaubaren, herrlichen Sternenhimmels war, der ihm seinen Geheimnisse ins Ohr flüstern wollte.

Die sanfte Stimme in seinem Kopf wollte ihn hinausziehen, hinaus in die Weiten zwischen den Sternen: »Gravoantrieb mit hundert Prozent einsatzbereit. Erwarte den Startbefehl.«

Pavo fixierte seinen Blick auf einen hell leuchtenden Stern, der in seinem Sichtbereich stand und ihn verheißungsvoll anblinzelte. Er spürte die ungeheure Kraft der Triebwerke der HASTUUL in seinem Körper, wie sie ihn hinausziehen wollten. Sein Geist gab dem Drängen nach und Pavo spürte das willige Schiff, das seinen Wünschen folgte. Immer schneller schoss es voran, ausgerichtet auf diesen verheißungsvollen Stern.

Aus weiter Ferne, wie aus einer anderen Welt erreichte eine Stimme seinen Geist. Nicht so sanft wie die Stimme des Schiffs, sondern reeller, härter, aus der wirklichen Welt: »Pavo, wo fliegst du eigentlich hin?«

Sein Geist fiel zurück. Hinab aus dem Himmel, hinein in seinen Körper. Er hatte ihn die ganze Zeit gespürt, doch sein Geist hatte die Realität verdrängt, sich ganz auf den fordernden Kosmos konzentriert. Nun war er zurück in seinem Leib.

Pavo öffnete die Augen, die er instinktiv geschlossen hatte und blickte Aik an, der vor ihm stand und ihn musterte.

»Ich fliege einfach drauf los«, antwortete Pavo seinem Kommandanten mit belegter Stimme. »Das ist ein unglaubliches Gefühl, Aik. Ich bin nicht nur der Pilot des Schiffs. Ich bin das Schiff.«

Aik nickte verstehend. Er hatte ebenfalls Bekanntschaft mit den unglaublichen Kräften der Befehlsringe gemacht, die einen förmlich mit der HASTUUL verschmelzen ließen.

»Ich weiß, Pavo. Trotzdem haben wir ein Ziel, das wir verfolgen müssen.«

Er wandte sich an Lika, die die Kontrolle über die Navigation übernommen hatte. Ihr Befehlsring lag leicht schimmernd an ihrer Stirn über den wohlgeformten Augenwulsten. Der silbern glänzende Ring bildete einen interessanten Kontrast zu ihrem leicht bläulich schimmernden Fell. »Lika, kannst du dich mit Pavo zusammenschließen, und ihm die Koordinaten des Planeten Necare sichtbar machen?«

»Hmmm«, machte sie nachdenklich, wobei sich auf ihrer Stupsnase kleine Fältchen bildeten, die ihr Gesicht noch interessanter machten. »Ich weiß zwar nicht, wie das geht, aber ich werde es einfach mal versuchen.«

Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück und schloss ihre Augen. Nicht das das wirklich notwendig gewesen wäre. Doch die sich mit der Realität überlagernden Bilder der Befehlsringe konnten jeden verwirren, der nicht schon einige Erfahrung damit mitbrachte. Mit geschlossenen Augen sah Lika in ihrem Geist das rotierende Abbild der Galaxis V1.

Necare, dachte sie. Ich will Necare sehen.

Ihr Geist schoss in die dreidimensionale Abbildung der Galaxis hinein, immer tiefer und tiefer. Vorbei an Gasnebeln, Schwarzen Löchern und blauen Riesensternen. Plötzlich schwebte sie im System der Necarer. Die Darstellungen der Planeten erschienen vor ihr. Vor ihrem inneren Auge wurden die Planeten mit Beschriftungen versehen. Necare schwebte nun direkt vor ihr.

Ich kann nach ihm greifen und ihn berühren, schoss es ihr durch den Kopf. Doch sie beherrschte sich. Es ist nur in meinem Kopf, sagte sie sich selber.

»Ich habe die Koordinaten«, murmelte sie leise, so als würde die Konzentration nachlassen und sie aus ihrer traumhaften Welt hinausschleudern, wenn sie ihre Stimme erheben würde.

»Pavo!«, hörte sie Aiks Stimme aus unendlicher Ferne. »Kannst du die Koordinaten übernehmen?«

Pavo konzentrierte sich auf seinen Befehlsring und kehrte in seine Wunderwelt zurück. Im Aktivmodus des Rings tastete er nach Lika und spürte plötzlich ihren Geist. Er sah nun nicht nur das Abbild der Sterne aus der Position der HASTUUL. Zusätzlich spürte er, wo sich das Ziel befand. Lika schien seinen Geist zu lenken. Sein innerer Blick fixierte sich auf einen kaum sichtbaren Lichtfleck.

Necare!, hörte er in seinem Kopf.

Er fixierte den Punkt und ließ das Schiff beschleunigen. Pavo spürte förmlich die Kräfte die auf ihn drückten. Das war natürlich unmöglich. Die Absorber der HASTUUL schützten die Besatzung vor den Beharrungskräften, die alle in Sekundenbruchteilen zerrieben hätten. Aber sein Geist konnte sich nicht des subjektiven Eindrucks der Beschleunigung erwehren. Immer schneller wurde das Schiff.

Pavo spürte eine zweite Spannung die sich aufbaute. Es war wie ein Ziehen im Nacken. Es begann leicht kribbelnd und zog sich langsam tiefer und tiefer das Rückgrat hinunter.

Der Sprung!, schoss es ihm durch den Kopf. Das Schiff bereitet sich auf den Überlichtflug vor.

Schon flog die HASTUUL mit neunzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Pavo spürte die Anspannung der aufgebauten Energie in seinem Körper. Ein einziger Gedanke, und das Schiff würde das normale Kontinuum verlassen und den Hyperflug beginnen.

JETZT!, rief es in ihm. Die Energien durchfluteten ihn und warfen ihn nach vorne. Schneller und schneller. Er durchdrang die unsichtbare Grenze, als ob er eine Membrane durchstoßen hätte. Er trat in eine andere Welt ein. Eine Welt der schillernsten Farben und Formen. Eine Welt ohne Bezugspunkt und Sinn. Pavo hatte das Gefühl zu fallen, zu stürzen. Angstvoll zog er sich zurück. Er fiel aus dem Traum und fand sich in seinem Körper wieder. Langsam öffnete er seine Augen und blickte sich in der hell erleuchteten Zentrale um. In der Mitte des Raums schwebte ein taktisches Hologramm der Galaxis V1, das die Position des Schiffs und die des Ziels zeigte. Dazwischen zog sich eine rote Linie, die den Kurs anzeigte dem die HASTUUL folgte.

»Uff«, machte Pavo und zog sich den Befehlsring von seiner verschwitzten Stirn. »Diese Steuerung ist einfach unglaublich. Ich dachte, ich bin das Schiff. Einfach unglaublich.«

»Sollten wir die Steuerung und die Möglichkeiten des Schiffs nicht etwas besser kennen lernen, bevor wir bei den Necarern eintreffen?«, fragte Rack mit besorgter Stimme.

»Da hast du eigentlich recht«, sagte Aik nachdenklich. Noch waren sie nicht in der Lage, die HASTUUL instinktiv zu steuern. Noch war alles zu neu. Was ihnen fehlte, war Erfahrung.

»LIRMINEA!«, sagte er in den freien Raum gewandt. »Plane bitte einen Zwischenstopp in einem freien Raumgebiet ein, bevor wir das Ziel erreichen.«

»Zwischenstopp wird eingeplant«, erwiderte die angenehme Frauenstimme der Mesotronik. Gleichzeitig leuchtete ein blauer Punkt auf der roten Spur auf, der in dem Hologramm den Kurs nach Necare darstellte. »Der Zwischenstopp wird in sechs Stunden erreicht.«

Pantax streckte seine Arme, als ob er kurz vorm Einschlafen wäre. Vielleicht war dem auch so. Immerhin war er bei der Steuerung des Schiffs reiner Zuschauer. Da sich die Show aber nur in den Köpfen der Beteiligten abspielte musste er sich doch ziemlich gelangweilt haben. »Lasst uns doch mal schauen, was wir an neuen Spielsachen bekommen haben. Wir haben ein ganze Ebene, die auf unsere Ansprüche angepasst wurde.«

»Genau«, pflichte Lika ihm bei. »Genug Zeit haben wir ja jetzt.«

Bevor Aik auch nur etwas sagen konnte, flitzte ein orangenes Fellkneul auf ihn zu und sprang auf seinen Schoß. Pinn hatte sich sichtlich von seinen geistigen Strapazen erholt. Vor zwei Stunden war er erwacht und hatte einen unglaublichen Hunger an den Tag gelegt. Nachdem er seinen Futternapf bis auf das letzte Körnchen geleert hatte legte er sich faul in eine Ecke der Zentrale und harrte dem, was da kommen mochte. Doch nun platzte er förmlich vor Tatendrang. Pantax konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Dieses Bild war einfach zu komisch. Pinn mit heraushängender Zunge, wie er Aik halb umarmte und dabei fast abschlabberte. Auch die anderen fielen in das Gelächter ein.

»Dann ist die Sache ja wohl entschieden«, erwiderte Aik grinsend. »Lasst uns auf Erkundung gehen.«

2. Das Schiff

Da hat sich HUKTOR ja richtig Mühe gegeben!«, rief Lika und ließ sich rücklings auf das breite Bett fallen.

Die fünf Raumfahrer erkundeten nun schon seit einiger Zeit das neu eingerichtete Deck der HASTUUL. Es war interessant zu sehen, an was der Roboter VITHAUs alles gedacht hatte. Es schien wirklich alles zu geben. Neben einem Fitness-Studio und einem Solarium existierte sogar ein kompletter Freizeitbereich, in dem jede erdenkliche Umgebung projiziert werden konnte. Gerade so, wie man es wünschte. Auf ihrem Streifzug hatten sie gerade die Schlafräume erreicht. Es existierten nicht nur fünf, sondern sogar zwanzig. Hier hatte HUKTOR also ebenfalls mitgedacht.

Gerade stand der Trupp in einem der Schlafräume und staunte nicht schlecht.

»Hier hat sich HUKTOR nicht nur Mühe gegeben«, erwiderte Aik Likas Ausruf und blickte sich im Raum um, der eher als Suite bezeichnet werden konnte. »Hier hat er puren Luxus gezaubert.«

»Das ist doch völlig übertrieben«, maulte Rack. »Hier komme ich mir vor wie im Hotel Nubus auf Manjard.«

Er schritt an der vertäfelten Wand entlang und ließ seine Krallen sanft über das dunkle Holz streichen. Vor einer Kommode blieb er stehen und blickte in den Spiegel, der darüber aufgehängt war. Nachdenklich betrachtete Rack seine Reflektion. Sein graues Fell machte einen flauschigen Eindruck. So als ob es sich dabei nicht um Haare, sondern um Federn handeln würde, durch die ein sanfter Luftzug zog. Die Spitzen der Haare schimmerten in einem hellen Weiß, so das sich in seinem Fell ein interessantes Farbspiel bildete das es schwierig machte, die Farbe der Behaarung wirklich eindeutig einzuordnen. Sein Gesicht wurde von einer breiten Schnauze mit ausgeprägtem Nasenrücken dominiert, die in einer schwarzen, ledern wirkenden Nase endete. Die Zähne im Mund ließen noch erkennen, dass die Manjarden von Fleischfressern abstammten. Noch immer waren die Reißzähne besonders ausgeprägt.

»Besser so luxuriös, als spartanisch wie eine Gefängniszelle«, erwiderte Pavo, der sich auf die Kante des Betts gesetzt hatte auf dem noch immer Lika lag und das samtene Laken mit ihren Krallen prüfte.

»Nun ist es aber gut«, meldete sich Aik schmunzelnd zu Wort. »Lasst uns sehen, was dieses Deck noch zu bieten hat. Wir haben nicht ewig Zeit, und schon bald wird uns LIRMINEA wieder in die Zentrale rufen.«

Lika setzte sich seufzend auf und hob spielerisch ihre Hand, die sie in Richtung Aik hielt. »Würdest du einer Dame aufhelfen?«

Aik erwiderte ihr Lächeln und ergriff die dargebotene Hand, wobei er den Kopf leicht nach vorne beugte, so als ob er ein Höfling aus vergangenen Zeiten wäre. »Wie meine Dame wünscht.«

Lika lachte glockenhell auf, während sich Rack und Pavo anguckten und ihre Augen aufrissen, so als ob das die ungewöhnliche Situation ändern würde.

Pantax, der bisher zurückhaltend in einer Ecke des Raums stand räusperte sich leise. »Ich glaube, ich habe vorhin auf dem Gang ein Schild gesehen, das auf ein Labor weist. Ich denke, es wäre ganz hilfreich, wenn wir uns das mal ansehen.«

»Super Idee!«, rief Rack, der froh war, aus diesem Raum heraus zu kommen.

Gemeinsam trat die Gruppe auf den Gang und sah sich nach dem erwähnten Schild um, das wenige Meter weiter an der Wand hing. Aik schritt darauf zu und verhielt sich dabei wieder ganz professionell.

»Das Labor muss hier ganz in der Nähe sein. Links den Gang runter.«

Er übernahm die Führung, wobei die Gruppe direkt bei ihm blieb. Nur Augenblicke später standen sie vor einer roten Tür die laut der Beschriftung den Eingang zum Laboratorium bildete. Daneben war ein großes Fenster angebracht, das den Blick in den dahinter liegenden Raum erlaubte. Alles war in weiß gehalten und machte einen unangenehm sterilen Eindruck. Aik erwartete förmlich, weiß bekittelte Wissenschaftler erscheinen zu sehen, doch nichts dergleichen geschah. Er legte seine Hand auf die Tür und drückte leicht zu. Der Zugang aus Formenergie löste sich in nichts auf und gab den Weg ins Labor frei.

Langsam trat die Gruppe in den Raum ein und blickte sich um. Selbst die nach Desinfektionsmitteln riechende Luft entsprach dem erwarteten Ambiente eines sterilen Labors. Es kam eine irreale Stille auf, in der sich keiner traute irgendetwas anzufassen oder zu sagen. Man hätte eine Nadel zu Boden fallen hören können, wenn es denn eine solche gegeben hätte. Doch so legte sich das Schweigen wie ein schweres, unangenehmes Tuch über die Gruppe.

Pantax schritt leise an der Wand entlang und las die Aufschriften von etlichen Schubladen, die dort eingelassen waren. Er versuchte kein Geräusch zu machen, das diese unheimliche Stille hätte durchbrechen können. Umso erschreckender war dann das scharfe Zischen einer bisher unsichtbaren Abdeckung, die schnell nach oben fuhr, als Pantax ihr zunahe kam. Alle Anwesenden zuckten zusammen, als das Geräusch die Stille durchschnitt und damit die beklemmende Stille erlöschen ließ. Die Magie des Raums war verflogen und verwandelte den Ort zurück in das was es eigentlich war: ein ganz normales Labor. Doch da war noch etwas. Etwas Außergewöhnliches.

Hinter der nun hochgefahrenen Abdeckung stand eine Halterung, in der ein durchscheinender Kristall ruhte. Er war ungewöhnlich regelmäßig geformt und reflektierte das Licht auf eine eigenartige Weise, so als ob er atmen würde. Aik kannte diesen Kristall. Es war der Stein, den sie vor einiger Zeit in dem vom Raumkampf zerstörten Videx-Schiff gefunden hatten.

»Leute!«, rief er, während er sich vorsichtig dem Kristall näherte. »Seht mal, was wir hier haben.«

Pantax beugte sich vorsichtig über den Kristall und beäugte ihn von allen Seiten. »Ist es derselbe, oder sieht er nur so aus?«

Aik blickte den Videx mit hochgezogenen Augenwulsten an. »Woher soll ich das denn wissen? Aber ich gehe davon aus, dass die Roboter beim Umbau des Schiffes unseren Kristall im Laderaum gefunden und ihn hierher ins Labor verfrachtet haben.«

Pantax streckte vorsichtig seine Hand aus und stupste den Kristall mit seinem ausgestreckten Zeigefinger an. »Hmmm. Fühlt sich kalt an.«

»Und weiter?«

»Wie, und weiter? Kalt halt. Nichts weiter.«

Nun trat auch Aik auf den Kristall zu und stupste ihn vorsichtig mit einer Kralle an. Doch auch jetzt passierte rein gar nichts. Nachdenklich warf Aik seine Stirn in Falten und kratzte sich über seinen Nasenrücken, wobei er seinen Blick nicht vom Kristall abwandte. »Mal sehen, ob der Computer etwas weiß.«

In Ermangelung eines fixierbaren Punktes, der der Mesotronik zuzuordnen wäre, hob Aik seinen Kopf und blickte in den freien Raum. »LIRMINEA! Weißt du etwas über den durchsichtigen Kristall, der im Labor auf dem umgebauten Deck lagert?«

»Nein«, erklang die angenehme Frauenstimme der Bordmesotronik aus einer undefinierbaren Richtung. »In dem Labor werden zwar etliche Verbrauchsmaterialien gelagert, ein Kristall ist jedoch nicht darunter.«

»Und was ist das hier?«, rief Lika und deutete mit einer Kralle auf den Kristall, der noch immer in seiner Haltevorrichtung hing.

»Dieses Objekt gehört nicht zum Inventar der HASTUUL. Außerdem kann ich es nicht als Kristall identifizieren.«

»Und als was sonst?«, fragte Aik erstaunt.

»Als gar nichts. Eine Analyse ist nicht möglich.«

»Lass gut sein«, wandte Pavo ein. »Das Rätsel werden wir wohl nicht jetzt lösen. Lasst uns eher gucken, was es hier sonst noch so gibt.«

Die anderen nickten beifällig und auch Aik erklärte sich einverstanden. Gemeinsam traten sie auf den Gang und wandten sich einer Informationstafel zu, von der sie sich erhofften, weitere Auskünfte über die Einrichtungen ihres Decks zu erhalten. Hinter ihnen blieb das offene Schott des Labors zurück.

»Drei Gänge weiter scheint es eine Krankenstation zu geben«, las Rack von der Tafel ab. »Die sollten wir uns auch mal ansehen.«

Die Gruppe setzte sich gerade in Richtung der Krankenstation in Bewegung, als die Stimme der Bordmesotronik erklang: »In zehn Minuten erreichen wir den geplanten Zwischenstopp und werden den Hyperraum verlassen. Es wird empfohlen, die Brücke zu besetzen.«

»Nun gut«, rief Aik. »Ich denke, wir sollten die Erkundung des Schiffs auf einen anderen Zeitpunkt vertagen. Lasst uns auf die Brücke zurückkehren.«

3. Üben für den Ernstfall

Pavo zog den Befehlsring über seinen Kopf und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Neben ihm saß Lika, ebenfalls mit ihrem Ring über dem Kopf, konzentriert, um die Aufgabe der Navigatorin zu erfüllen. Vor seinem geistigen Auge erschienen die drei Blöcke der Schiffsteuerung. Er würde sich gleich dem linken Block zuwenden, der die Steuerung des Schiffs mit seinen Antriebsanlagen darstellte. Der mittlere Block war für Lika vorgesehen. Dort hatte sie nicht nur Ortung und Funk unter ihrer Kontrolle, sondern auch die Navigation des Schiffs. Der dritte Block würde von Rack kontrolliert werden. Er stand für die Waffensysteme der HASTUUL.

»Wir sind auf Position«, erklang hinter ihm die Stimme Aiks. »Im Moment stehen wir in einem leeren Raumgebiet. Fünf Lichtjahre entfernt befindet sich ein unbewohntes Sonnensystem mit drei Planeten und einem dichten Asteroidengürtel zwischen dem ersten und zweiten Planeten. Aufgabe dieser Übung wird es sein, in den äußeren Gasschichten des zweiten Planeten, der ein Überriese ist, aus dem Hyperraum zu fallen und in den Asteroidengürtel einzutauchen ohne mit einem Gesteinsbrocken zu kollidieren. Nach dem Durchdringen dieses Gürtels ist der erste Planet dieses Systems anzufliegen. Dort angekommen sind die Übungsdrohnen zu vernichten, die …« Aik blickte auf seine Uhr. »… jetzt über diesem Planeten angekommen sind. Dabei ist es durchaus zulässig, in die Atmosphäre zu schießen, um die Drohnen zu vernichten. Allerdings darf dabei nicht der Planet selber getroffen werden. Alles klar?«

Pavo, Lika und Rack schauten sich an.

»Schwieriger ging's wohl nicht mehr«, grummelte Rack, der die Bordgeschütze unter Kontrolle haben würde.

»Dies soll eine Übung sein, die euch wirklich was bringt«, antwortete Aik. »Mit einer einfacheren Aufgabe würdet ihr nichts lernen, was ihr nicht schon jetzt könntet. Los geht's!«

Pavo konzentrierte sich auf seinen Steuerblock des Befehlsrings. »Aktivmodus ein!«

Sein Geist fiel in den Weltraum. Zumindest hatte er diesen Eindruck. Um ihn herum erschienen Millionen von Sterne, die in der Dunkelheit verheißungsvoll funkelten. Doch wohin sollte er sich wenden? In welcher Richtung lag das Sonnensystem, in dem ihre Übung stattfinden sollte? Pavo versuchte, mit seinem Geist Lika zu ertasten, die für ihn die Navigation vornehmen würde. Schon spürte er eine geistige Präsenz, so als ob ihn jemand von hinten anstarren würde und der Blick förmlich körperlich spürbar wurde. Lika war da und lenkte seine Aufmerksamkeit auf einen hell funkelnden Stern rechts von ihm.

Das ist unser Ziel, erklang es in seinem Kopf.

Pavos Blick klammerte sich förmlich an der fernen Sonne fest; so wie wenn er sich an einen Balken krallen würde um sich darauf zu ziehen. Zügig beschleunigte die HASTUUL in Richtung des Sterns und wurde immer schneller. Das Schiff erhöhte seine Geschwindigkeit mit unglaublichen 1700 km/s². Nach zweieinhalb Minuten der Beschleunigung erreichte das Raumschiff achtzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Das Hypertriebwerk stand bereit, um das Schiff über die Lichtmauer zu schieben. Es war kein Befehl, den Pavo erteilen musste. Eher ein Nachgeben, ein Loslassen.

Lauf!, dachte er, und die HASTUUL sprang über die Lichtmauer in das unerklärliche Reich des Hyperraums. Hier gab es nichts Greifbares, nichts Fixierbares. Unbekannte Formen bildeten sich und zerflossen erneut; ähnlich Wolken im Zeitraffer, nur in sich ständig ändernden psychedelischen Farben.

Wie soll ich mich hier zurecht finden? Wie fixiere ich mein Ziel?, schoss es Pavo durch den Kopf.

Folge mir einfach, entstand Likas Antwort in seinem Geist, während sich ein filigraner Faden in seinem Sichtfeld bildete, der rot illuminiert war und im Einklang mit den sich wechselnden Formen des Hyperraums sanft hin und her schwang.

Pavo griff nach dem Faden, hielt sich daran fest und zog sich an ihm entlang, ohne auf das farbenprächtige Nichts um ihn herum zu achten. Nach den ersten schwierigen Metern wurde es immer einfacher und plötzlich glitt er ohne jegliche Kraftanstrengung an der Saite entlang, während er förmlich die Geschwindigkeit spürte. In weiter Ferne konnte er das Ende des Fadens sehen.

Das ist unser Ziel, sagte Lika in seinem Kopf. Dort müssen wir in den Normalraum zurückfallen. Konzentriere dich, Pavo! Der Ausstiegspunkt ist so berechnet, das wir in den äußeren Gasschichten des zweiten Planeten erscheinen werden. Wir sollten aber auf keinen Fall noch dichter herankommen, ansonsten kriegen wir Probleme mit unseren Schutzschirmen.

Pavo fixierte das Ende des roten Seils und ließ es keine Sekunde aus den Augen, als ob sein Leben davon abhing. Seine rasende Geschwindigkeit schien sich abzubremsen. Geschah das wirklich oder nur in seiner Einbildung? Er wusste es nicht. Für solche Überlegungen hatte er keine Zeit wenn er das Ende der Strecke nicht verpassen wollte. Nur noch Sekunden. Seine Muskeln spannten sich an, als er sich darauf vorbereitete, in den Normalraum zurückzufallen. Eine unglaubliche Anspannung baute sich in seinem unteren Rücken auf und lief das Rückgrat nach oben hoch.

JETZT!

Mit einem geistigen Aufschrei, oder war er schon körperlich, ließ sich Pavo aus der psychedelischen Welt des Hyperraums in die reelle Welt zurückfallen. Fahle Gasschleier umschlossen ihn für Sekundenbruchteile und ließen ihn die Orientierung verlieren. Doch schon schoss er daraus hervor, heraus aus der äußeren Atmosphäre des Gasriesen, hinein in den freien Raum.

Ich zeige dir den Weg, hörte Pavo Likas Stimme. Ein leuchtender Punkt erschien vor ihm und raste von ihm fort. Sofort sprang ihm Pavo hinterher, spürte die unbändige Kraft der Triebwerke und beschleunigte erneut. Der leuchtende Ball flog vor ihm her und zeigte ihm den einzuschlagenden Weg. Schon erschienen vor ihm die ersten Asteroiden des ausgedehnten Gesteinfeldes. Es wurden mehr und mehr; eine schier undurchdringliche Mauer aus riesigen Felsbrocken.

Der funkelnde Ball, der ihm bisher den Weg geleitet hatte, erlosch unvermittelt. Hier kann ich dir nicht mehr helfen, Pavo. Du musst deinen eigenen Weg durch das Asteroidenfeld finden!

Mit pochendem Herzen visierte er einen großen Zwischenraum zwischen mehreren Gesteinsbrocken an und bremste gleichzeitig ab, um nicht durch die Geschwindigkeit gegen die Felsen geschleudert zu werden. Plötzlich spürte er um sich herum so etwas wie eine zweite, schützende Haut und aus scheinbar unendlicher Ferne erklang Racks Stimme in seinem Geist: Ich habe ein niedergespanntes Quantrim-Feld um das Schiff gelegt. Im Fall einer Kollision sollte uns das vor Schlimmerem schützen.

Pavo sendete einen dankbaren Gedanken an Rack zurück und konzentrierte sich erneut auf die schnell näher kommende Lücke zwischen den Asteroiden. Er schoss zwischen zwei Brocken in das Feld hinein und riss sich in eine scharfe Kurve um einem dritten Stein auszuweichen. Doch sofort korrigierte er seinen Kurs erneut, um das Feld möglichst schnell zu durchqueren. Allerdings musste er erstmal scharf abbremsen um vier Asteroiden zu entgehen, die an einem Punkt zusammenstießen, an dem er bei unverminderter Geschwindigkeit jetzt angekommen wäre. Die Felsen zerbarsten in Millionen von kleinen Brocken und ergossen sich über seinen Körper, der eigentlich die HASTUUL darstellte. Er fühlte ein sanftes Prickeln, das von den Einschlägen herrührte, die durch das Quantrim-Feld neutralisiert wurden.

Weiter ging die Fahrt mit erhöhter Geschwindigkeit. Eine sanfte Kurve sollte ihn an einem riesigen Brocken vorbeiführen als ihn ein heftiger Schlag von der Seite traf. Unvermittelt war ein mittelgroßer Brocken aus dem Sichtschatten eines Weiteren herangerast und schlug in seine Flanke ein. Der Asteroid zerstob bei der Berührung mit dem Schutzschirm in tausend Bestandteile, doch der kinetische Impuls reichte aus, um ihn herumzuschleudern. Für Sekundenbruchteile verlor er die Orientierung und musste sich erst umblicken um erneut die Richtung zu erkennen. Allerdings hatte ihn der Schlag so vom Kurs abgebracht, dass ein Zusammenstoß mit dem riesigen Asteroiden kaum noch zu vermeiden war. Pavo bremste mit maximaler Kraft ab um doch noch an den Ausläufern des gigantischen Brockens vorbei zu schaben. Er geriet dabei bewusst in die Flugbahn eines kleineren Felsen, der ihn rammen würde. Doch diesmal war Pavo darauf vorbereitet. Der Schlag traf ihn wuchtig, verpuffte jedoch im Schutzschirm und brachte ihn nicht weiter vom Kurs ab, da er kräftig gegensteuerte. Mit rasender Fahrt schabte er an dem fliegenden Gebirge vorbei und konnte seine raue Haut aus Gestein fast auf seinem Körper spüren. Dann war er vorbei und schoss auch aus dem Asteroidenfeld hervor. Schweißgebadet atmete Pavo erstmal kräftig durch.

Lika!, dachte er. Wie geht es weiter? Wo ist der anzufliegende Planet?

Nicht weit entfernt, kam die Antwort. Schau!

Vor Pavo erschien aufs Neue der leuchtende Ball, der auf ein fernes Ziel zuschoss. Er fixierte seinen Blick auf die Kugel und flog ihr zielstrebig hinterher. Schon kam er ihr wieder näher und glich seine Geschwindigkeit mit ihr ab. Eine Weile raste er so hinter dem imaginären Geschoss her, bis in der Ferne die Sichel eines Planeten erschien, der zum Teil durch seine Sonne erhellt wurde, die am Rande seines momentanen Sichtbereiches stand und während des Fluges ständig angewachsen war. Auf der blau strahlenden Tagesseite des Planeten tummelten sich etliche weiße Wolkenformationen die immer deutlicher wurden je näher Pavo der Welt kam. Insgesamt ähnelte der Planet doch sehr Manjard. Das einzige, was fehlte, um die Illusion perfekt zu machen, waren die leuchtenden Nachtmeere.

Pavo schluckte schwer. Bist du sicher, dass der Planet unbewohnt ist?, wandte er sich mental an Lika.

Ja, kam die Antwort. Ich kann keinerlei organisches Leben orten. Ich lasse jetzt die Navigationskugel erlöschen. Versuche, die Drohnen zusammen mit Rack aufzuspüren!

Ich bin bereit und habe mir schon einen Überblick über die Waffen verschafft, erklang Racks Stimme in Pavos Kopf. Ich leite dich zu den Drohnen. Folge nur der Zielführung.

Pavo bestätigte während in seinem Gesichtsfeld ein rotes Fadenkreuz erschien. Sofort hielt er darauf zu und näherte sich mit rasender Geschwindigkeit dem virtuellen Objekt und dem Planeten, in dessen Nähe das Ziel lag. Während er immer näher kam, musste er seinen Kurs mehrfach angleichen, da sich die Zielmarkierung ständig bewegte und seinen Kurs hakenschlagend änderte. Doch mittlerweile hatte er sich der Drohne so stark genähert, dass das rote Fadenkreuz die Farbe wechselte und gelb erschien. Das Kreuz versuchte ständig, mit der nun sichtbaren Drohne in Deckung zu kommen, doch ständig gelang es ihr in letzter Sekunde einen anderen Kurs einzuschlagen und das ihr folgende Zielkreuz ins Leere fahren zu lassen. Währenddessen schob sich Pavo näher an das Übungsobjekt heran, um Rack das Zielen zu erleichtern. Bei einer Entfernung von 10000 Kilometern gelang es Rack endlich, Fadenkreuz und Drohne in Deckung zu bringen. Die Farbe des Kreuzes schlug nach grün um und ein gleißender Impulsstrahl löste sich aus einem Geschütz der HASTUUL. Das Übungsobjekt explodierte übergangslos und eine Wolke von verkohlten Kleinstteilen stob auseinander.

Doch noch war die Übung nicht beendet. Wiederum erschien ein Fadenkreuz, diesmal aber in gelb und weiter in Richtung des Planeten. Ab einer gewissen Höhe bremste Pavo langsam ab, um die Atmosphäre beim Eintauchen des Schiffs nicht zu stark zu ionisieren. Trotzdem leuchtete der Schutzschirm auf, als Pavo in die obersten Luftschichten eintrat. Die Drohne versuchte weiterhin, mehr Bodennähe zu gewinnen. Doch Rack wartete den besten Augenblick ab, in dem keine Gefahr bestand einen Waffenstrahl in Richtung Planetenoberfläche zu schicken und vernichtete das zweite Übungsobjekt, sobald das Fadenkreuz in Deckung mit ihm kam. Die Drohne verwandelte sich in 10000 Metern Höhe über dem Boden des Planeten in einen gleißenden Glutball.

Pavo ging in eine steile Kurve und flog wieder in Richtung Weltraum hinaus. Er war bereit, sich wieder in Richtung Zielkreuz zu stürzen sobald es aufs Neue erschien. Doch es blieb aus.

Ihr habt eure Aufgabe mit Bravur erfüllt, erklang Aiks Stimme im Geist aller Beteiligten. Jetzt sind wir wirklich bereit, unser Ziel anzufliegen. Pavo und Lika, setzt Kurs auf Necare!

Pavo wartete darauf, das Lika ihren Zielstern hervorheben würde, was auch Sekunden später geschah. Der Stern leuchtete gleißend hell auf und begann zu pulsieren. Pavo beschleunigte auf diese Sonne zu, bis die nötige Geschwindigkeit für den Sprung über die Lichtmauer erreicht war. Das Hypertriebwerk aktivierte sich und zog die HASTUUL in den Hyperraum. Sofort war Pavo wieder von der surrealen Welt mit den ständig ineinander fließenden Formen umgeben. Für einen manuellen Flug war die Entfernung nach Necare aber zu lang. Deshalb übergab Pavo die Steuerung an die Bordmesotronik, die das Schiff für die nächsten Stunden fliegen würde.

Aktivmodus aus!, dachte er und wurde im nächsten Augenblick aus dem Weltraum in seinen Körper gedrückt. In seinem Geist schwebten zwar immer noch die drei Steuerblöcke des Schiffs, diese erloschen jedoch auch als er sich den Befehlsring vom Kopf zog.

Erst jetzt merkte er, wie verschwitzt und erschöpft er eigentlich war.

»Wir erreichen Necare in fünf Stunden«, erklärte Aik. »Bis dahin sollten wir uns alle ein bisschen ausruhen und neue Kräfte sammeln. Deshalb treffen wir uns erst in viereinhalb Stunden wieder auf der Brücke. Bis dahin ist Freizeit.«

Die Gruppe stand geschlossen auf um ihre Quartiere aufzusuchen. Ein wenig Schlaf konnte keinem schaden.

4. Zeit vor der Ankunft

Aik wälzte sich in seinem Bett von einer Seite zur anderen. Nachdem er sich hingelegt hatte, war er fast augenblicklich eingeschlafen. Es war doch mehr als nötig gewesen sich mal ein bisschen auszuruhen und neue Kräfte zu tanken.

Die ersten zwei Stunden waren pure Erholung für seinen Geist und Körper. Doch nun schlichen sich mehr und mehr fremde Gedanken in seine Träume. Er sah sich erneut über die Gänge des Schiffs laufen, wenn auch aus einer merkwürdig tiefen Position heraus. Er rannte an den verschiedenen Türen vorbei, ohne diese öffnen zu können. Seine Arme reichten einfach nicht so hoch, um den Mechanismus zu aktivieren, der das Formenergieschott hätte verschwinden lassen. Aik sah sich weiter den Gang entlang gehen, an dessen Ende sich das Labor befand, das sie als Gruppe Stunden zuvor besucht hatten. Was wollte er bloß hier. Er wusste es nicht. Schließlich gab es hier nichts Interessantes außer dem Kristall, den sie in seiner Haltevorrichtung zurückgelassen hatten und der ihnen im Moment nichts sagen konnte. Für das Schiff war er sogar nicht existent.

Er betrat das Labor und sah sich um. Alles war noch genauso wie zuvor, wirkte steril und einschüchternd, so als ob jedes Geräusch ein Sakrileg wäre. In erhobener Position sah er über sich die Vorrichtung, die den Kristall in seiner Position verankerte. Aik wunderte sich sehr. Beim letzten Besuch im Labor hatte er noch darauf herunter gesehen, doch nun musste er aufschauen um einen Blick auf den Stein in seiner Halterung zu erhaschen.

Doch die Zeit des Wunderns war für Aik noch nicht zu Ende, denn plötzlich wandte er sich einer Wand in der Nähe zu und begann diese zu erklimmen, indem er seine Finger in die dort eingelassenen Schubladen einhakte. Langsam zog er sich hoch, bis er in Augenhöhe mit dem Kristall war. Ein Sprung trug ihn rüber auf die Haltevorrichtung des Kristalls. Seine Hände krallten sich in den Stein, um nicht nach unten abzurutschen, doch fast wäre er trotzdem heruntergefallen, denn überraschenderweise war der Kristall heiß. Nicht so heiß, dass er sich verbrannt hätte, doch es fehlte nicht viel.

Ein Kribbeln durchfloss seine Hände, erreichte die Arme und danach den Rest des Körpers. Er spürte wie sich irgendetwas tastend in seinen Kopf vordrängte. Das war zuviel, seine Hände ließen den Kristall los und er fiel zu Boden. Er fiel nicht allzu tief, doch er spürte, dass sich an seinem Hintern ein blauer Fleck bilden würde. Schlimmer war jedoch das Kribbeln, was als Nachwirkung des Kristalls noch durch seinen Körper raste und ihn beinahe lähmte. Nur langsam erholte er sich, so als ob ein eingeschlafenes Bein langsam wieder mit Blut versorgt würde, nur heftiger.

Sein Blick, der nach oben auf den nun wieder unerreichbaren Kristall gerichtet war, schweifte langsam nach unten und blieb an einer verspiegelten Platte hängen, die an der rechteckigen Säule befestigt war, auf der die Haltevorrichtung samt Stein lagerte. Er erwartete, in der spiegelnden Oberfläche sein eigenes Gesicht zu sehen. Doch er erschrak bis ins Mark, als er ein ganz anderes Gesicht wahrnahm, das ihm im ersten Augenblick völlig fremd vorkam. Doch dann wusste er es. Er war nicht wirklich in dem Labor sondern immer noch in seinem Bett, und es waren auch nicht seine Augen durch die er das auf den ersten Blick so fremde Gesicht sah. Es waren die Augen von Pinn, seinem fremden Begleiter, der ihm schon die mentale Verbindung zum Restplasma VITHAUs ermöglicht hatte.

Aik fuhr aus seinem Bett in sitzende Position hoch und befand sich augenblicklich wieder in seiner Kabine, die in ihrer Pracht eher einer Hotelsuite entsprach. Die geistige Verbindung, die ihn bis gerade glauben ließ, im Labor zu sein, war zusammengebrochen. Nun steckte er wieder in seinem eigenen Körper. Er schwang seine Beine über die Bettkante heraus und ließ sie nach unten baumeln. Seine Füße berührten den flauschigen Teppich und seine Zehen strichen über die kunstvoll geknüpften Muster. Unschlüssig stand er auf und betrat das Badezimmer der Kabine, in dem sofort das Licht aufflammte, sobald er den Raum betreten hatte.

»Spiegel!«, rief er in befehlenden Ton und sofort bildete sich vor ihm ein großer Spiegel aus Formenergie, in dem er seinen Körper betrachten konnte. Ja, das war ganz eindeutig sein eigener Körper, und alles war am rechten Fleck. Langsam strich er sich über sein graues Fell, das an den Spitzen in ein helles Blau überging. Mit seinen krallenbewehrten Fingern fuhr er über die Kopfhaut und wurde nun endgültig wach.

Pinn!, fuhr es ihm durch den Kopf. Er musste noch immer im Labor vor dem Kristall hocken. Mit seiner Hilfe war es ihm möglich gewesen zu fühlen, dass dieser Stein mehr war als nur eine Verbindung von Mineralien. Etwas schien in ihm zu ruhen und hatte seinen kleinen Freund gelähmt, ob nun mit Absicht oder eher als unbewusste Begleiterscheinung seiner Berührung, was Aik eher vermutete. Er musste zu ihm und sich um ihn kümmern!

Schnell schritt er zurück ins Schlafzimmer und kleidete sich an. Nur Augenblicke später trat er auf den Gang hinaus und orientierte sich kurz an den Informationstafeln, die überall an den Wänden hingen, um den Weg zu weisen. Er wandte sich nach links und schritt schnellen Schrittes in Richtung des Labors. Als er wenig später durch die immer noch geöffnete Tür des Laboratoriums trat, saß Pinn noch immer vor der Säule, auf der der seltsame Stein trohnte. Mit zwei Schritten war Aik bei ihm und hob ihn trotz seines beachtlichen Gewichts hoch. Pinn umklammerte sofort seinen Nacken und zog sich näher an seinen Herrn heran, bis sein Kopf auf dessen Schulter zu liegen kam, wobei sich Pinn merklich entspannte. Nur Sekunden später begann das friedfertige Wesen zu schnurren und schlief ein.

»Armer Pinn«, murmelte Aik und strich seinem kleinen Freund über das orangene Rückenfell. »Das war wohl etwas viel für dich.«

Er wollte sich schon wieder zur Tür wenden um Pinn in seine Kabine zu bringen, da fiel sein Blick noch auf den Kristall, der wie zuvor völlig unscheinbar aussah. Was würde passieren, wenn er ihn nun berührte? Gar nichts wie heute morgen oder würde er selber auch eine solch merkwürdige Erfahrung machen wie zuvor durch den mentalen Kontakt mit Pinn?

Unsicher streckte er seine Hand aus, bis sie nur noch Millimeter vom seltsamen Stein entfernt war. Sollte er es wirklich ausprobieren? Er horchte in sich hinein, doch noch spürte er rein gar nichts. Aik atmete einmal kräftig durch und berührte den Stein.

Kalt. Das Material fühlte sich so kalt wie heute Morgen an. Nicht mehr, nicht weniger. Weiter war da gar nichts. Kein mentaler Kontakt, keine Hitzewallung, nichts. Entweder war das unbekannte Etwas wieder verschwunden oder es kam nur über das Medium Pinn zum Vorschein. Sein kleiner Freund hatte für heute aber schon genügend Abenteuer mitgemacht, so dass er ihn lieber weiter schlafen ließ und auf Experimente verzichtete.

Langsam wandte er sich dem Ausgang zu und trug Pinn in seine Kabine, wo er ihn auf sein Bett legte damit er sich etwas erholen konnte. Aik selber spürte keine Müdigkeit mehr, was ihn zu dem Entschluss brachte, sich noch etwas im Schiff umzusehen. Wie er sich erinnern konnte gab es hier auch einen großen Freizeitbereich, in dem man jede erdenkliche Landschaft nachbilden konnte. Das war jetzt genau das richtige. Er warf einen letzten Blick auf das orangene Fellkneul, das sich auf seinem Bett zusammengerollt hatte, und verließ seine Kabine in Richtung Freizeitbereich.

Der Freizeitbereich wurde bereits mit einem Wunschszenario versehen, das im Moment aktiv ist«, wurde Aik durch die Bordmesotronik LIRMINEA mitgeteilt, als er das breite Schott des Freizeitareals erreichte.

Aik kratzte sich unschlüssig am Kopf. »Ähh … was für ein Szenario ist denn das?«

»Es tut mir Leid, Aik. Dem Szenario wurde kein Titel gegeben. Es wurde jedoch nicht als privat deklariert. Ein Eintreten ist dir also gestattet.«

»Hmmm«, machte Aik und blickte das Schott weiterhin unschlüssig an. Sollte er die fremde Landschaft betreten oder nicht? Immerhin war die Sitzung nicht als privat deklariert worden, also sollte es kein Problem sein wenn er sich dazugesellte.

»Also gut, LIRMINEA. Lass mich bitte ein.«

Das Schott löste sich einfach auf und gab die Sicht auf eine weitläufige Landschaft frei. Der Raum war groß aber nicht gigantisch, allerdings sprengte der dargestellte Landstrich absolut den Rahmen, da er bis zu einem fernen, imaginären Horizont blicken konnte, an dem gerade eine Sonne über einem Meer unterging. Langsam trat Aik ein und blickte sich nach dem Eingang um, durch den er die fremde Welt betreten hatte. Auch hinter ihm setzte sich die Landschaft fort. Er blickte auf einen dichten Wald in dem große Bäume wuchsen, die ihm bekannt vorkamen. Mitten in der Landschaft befand sich der Zugang zu dieser Welt, der wie aus ihr ausgestanzt aussah. Er gab den Blick auf den Korridor frei, durch den er die fremde Welt gerade betreten hatte und so gar nicht zu dieser Landschaft passen wollte. Doch schon begann die Luft zu flimmern und mit einem leisen Plopp verschwand der Eingang einfach, als ob er nie existiert hätte. Stattdessen gab er den Blick auf den dahinter liegenden Wald frei.

Für einen Augenblick wurde Aik von Panik ergriffen. Wo war er hier? Immer noch auf der HASTUUL, oder auf einer anderen Welt, fernab von all seinen Freunden?

»LIRMINEA?«, rief er mit pochendem Herzen. »Wo bin ich hier?«

»Du befindest dich in dem von mir angekündigten Szenario«, erklang die weiche Stimme der Mesotronik aus undefinierbarer Richtung.

»Wow!«, machte Aik und kniete sich nieder um die Gräser vor seinen Füßen zu testen. Sie fühlten sich absolut real an. »Wie hast du das gemacht?«

»Diese Landschaft wurde mit Hilfe von Formenergie gestaltet«, erklärte LIRMINEA sachlich. »Sie wurde nach den genauen Vorgaben von Lika angefertigt.«

Aik blickte sich staunend um und betrachtete das Machwerk. Es sah nicht nur absolut real aus, sondern hörte sich auch so an. In der Entfernung hörte er Vögel kreischen und die Wellen der Meerbrandung schlugen gegen den Strand, wo sie langsam ausrollten und den weißen Pulversand feucht durchtränkten.

Die ganze Umgebung kam Aik seltsam bekannt vor, so als ob er hier schon einmal gewesen wäre und die Erinnerung nur hinter einer Wand aus Milchglas verborgen war.

Unschlüssig wanderte er umher und betrachtete sich die wunderschöne Gegend. Die aufgeblähte rote Sonne, die ihre letzten warmen Strahlen über das Meer warf und sein Gesicht erwärmten, und die Gräser, die an seinen Knöcheln kitzelten vertieften den Eindruck nur noch, hier schon einmal gewesen zu sein, und plötzlich wusste er es. Eigentlich war es ihm unerklärlich, wie er die Landschaft nicht schon beim ersten Blick hatte erkennen können. Vielleicht lag es daran, das er hier das letzte mal mit zwölf Jahren gewesen war, als seine Eltern mit ihm aus dem kleinen Ort Kuborg, der sich hier um die Ecke befand, in die Hauptstadt des manjardischen Kontinents Tori, nach Latori gezogen waren. Damals war es eine ungemeine Umstellung, das verträumte Fischerdörfchen gegen die quirlige Hauptstadt Toris einzutauschen. Sein Vater hatte zu der Zeit seine Arbeit als Lebensmittelprüfer bei einer kleinen Fischfabrik aufgegeben, da er von einem großen Konsortium in der Hauptstadt angeworben wurde. Er verdiente dort fast das Doppelte wie in der kleinen Fabrik in Kuborg. Die ganze Familie hatte aber Zeit ihres Lebens die Ruhe und die Entspannung vermisst, die sie in diesem Örtchen gefunden hatten.

Aik schaute sich weiter um. Hier irgendwo in der Nähe musste es einen kleinen Bootssteg geben, an dem sein Vater ihr kleines Paddelboot immer festgemacht hatte. Langsam stapfte er durch das knöchelhohe Gras, bis er dem Strand so nahe kam, dass der Bewuchs immer spärlicher wurde und der Sand überhand nahm. Er näherte sich einer kleinen aber steilen Düne, die er im Trab überwand und danach auf dem Niveau des Strands ankam, wobei sich seine Schuhe mit Pulversand füllten.

Aik setzte sich auf den Strand, zog Schuhe und Strümpfe aus und krempelte seine Hosenbeine bis zu den Knien hoch. Sein graublauer Beinpelz zerzauste im Wind, während er auf die Brandung zuschritt. Mit lautem Grollen und Zischen warfen sich die Wellen an die Küste und schossen den hier nassen Sand hoch. Das salzige Wasser schlug gegen seine Beine und spritze das Fell hinauf. Aik watete in die Richtung, in der er den alten Bootssteg vermutete, und tatsächlich erblickte er ihn, als er bei einem großen Felsen um die Ecke bog. Doch der Steg lag nicht verlassen da. Aik sah die Initiatorin dieses Szenarios, wie sie am Kopfende des Stegs saß und die Beine über den Rand baumeln ließ. Die Wellen benetzten dabei ihre nackten Füße jedes Mal, wenn sie heranrollten. Noch hatte sie ihn nicht entdeckt und Aik wollte sie auch nicht aus dieser Entfernung rufen. Irgendwie hatte dieser Moment etwas magisches, das bei einem lauten Ruf zerplatzt wäre wie eine wertvolle Vase die auf einen harten Boden fiel. So näherte er sich weiter dem Steg und betrat die Holzplanken mit verhaltenen Schritten. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass die Planken zu knarren begannen. Zum einen wollte er sich ihr nicht lautlos nähern, um sie nicht zu erschrecken, doch zum anderen wollte er sie auch nicht stören. Unschlüssig blieb er stehen und blickte auf ihren schönen, ebenfalls grau-blau bepelzten Rücken.

Doch anscheinend hatte Lika das Geräusch der knarrenden Planken gehört, denn sie drehte sich um und blickte Aik erstaunt an. »Was machst du denn hier, Aik?«

Er trat einen Schritt weiter auf sie zu, wobei er etwas unsicher auf den Holzsteg blickte, da er nicht wusste, ob er hier erwünscht war oder Lika in einem für sie intimen Moment erwischt hatte. »Ich wollte auch ein bisschen den Freizeitbereich genießen, und da du dein Szenario nicht als privat gekennzeichnet hattest …«

Sie lachte glockenhell auf, als sie Aik dort, verunsichert wie ein junges Welpen, stehen sah. »Du störst mich nicht, Aik. Komm und setze dich ein wenig zu mir. Eine wunderschöne Aussicht, nicht wahr?«

Aik nickte und ließ sich langsam neben ihr nieder. Seine Füße tauchten in das hier draußen doch recht kalte Wasser ein. »Ja, es ist wunderschön am Strand von Kuborg.«

Lika blickte Aik verwundert an. »Du kennst dieses kleine Kaff?«

Aik nickte heftig. »Schließlich bin ich hier geboren.«

Es dauerte ein paar Sekunden, bevor Lika ihre Sprache wieder fand. »Ich auch!«, rief sie aus. »Wo hast du gewohnt?«

Aik sah sich suchend um und erblickte einige Dächer und Zinnen des Dorfes hinter den Dünen wobei er versuchte sich an die Zeit zu erinnern, die er hier verbracht hatte. Er streckte seine Hand aus und zeigte mit seiner Kralle auf die Spitze eines roten Daches, das gerade noch von hier aus zu sehen war. »Siehst du das Dach des Rathauses?«

Sie nickte eifrig.

»Ein paar Straßen dahinter wohnten wir in einem kleinen Haus.«

»Wow. Ich lebte mit meiner Familie in dem großen Bauernhof am nördlichen Rand von Kuborg.«

»Du meinst den Bauernhof, der morgens immer die Milch der Lumani-Kühe verkaufte?«

Lika strahlte über das ganze Gesicht. »Genau der!«

Die Manjardin war nicht wesentlich jünger als Aik. Deshalb hätte er ihr schon als kleiner Junge begegnen müssen, wenn er vom Bauern die Milch holte und sie über die holperige Straße nach Hause trug, konzentriert darauf nur keinen Tropfen zu verschütten.

Und plötzlich wusste er es. Er erinnerte sich an ein kleines Mädchen, das immer hinter den Cerdos, schweineähnlichen Tieren mit borstigen, rosa Fell, her rannte um auf ihnen zu reiten. Von den Kindern des Dorfes wurde sie nur Happy genannt, da sie ständig lachte und fröhlich war.

Zweifelnd beugte sich Aik auf Lika zu und blickte ihr suchend in die Augen, als ob er darin die Bestätigung für seine Theorie finden würde. »Happy?«, fragte er zögernd und wartete auf eine Reaktion ihrerseits.

Ein Lachen, wie aus ihrer Kindheit, legte sich über ihre Züge und gab ihrem Gesicht einen weichen und entspannten Ausdruck. »So haben mich alle genannt, als ich klein war. Ich erinnere mich aber nicht an dich.«

»Vielleicht liegt es daran, dass ich fünf Jahre älter bin als du. Als wir aus Kuborg wegzogen, warst du sieben.«

Lika nickte, langsam wieder ernster werdend. »Seitdem hat sich viel verändert. Mehr als es allen lieb ist.«

Aik musste mit ansehen, wie sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten während sie auf das Meer hinaus starrte und der tief stehenden Sonne zusah, wie sie im Meer versank. Er fühlte, wie sich sein Hals zuschnürte und ihm das Schlucken schwerer wurde.

Kuborg, Latori … hinweg gefegt, Vergangenheit. Unwiederbringbar verloren durch den Hass einiger Unverbesserlicher.

Zögernd legte Aik seinen Arm um Likas Schultern und zog sie sanft an sich. Sie entspannte sich sichtlich und atmete tief durch, während sie versuchte, sich die Feuchtigkeit aus den Augen zu wischen.

»Unsere Familien leben in unseren Herzen weiter«, sagte Aik mit schwankender Stimme und hätte sich für diese hölzerne Phrase sogleich ohrfeigen können. Besser hätte er nichts gesagt.

Doch Lika nahm seine Worte dankbar an und ließ ihren Kopf auf seine Schulter sinken. »Wie konnte unser Volk nur eine solche Sünde begehen?«, flüsterte sie leise.

Aik schwieg betreten. Er suchte nach Worten des Trosts und des Beistands, doch alles was ihm einfiel kam ihm schal und hilflos vor. Er ließ seine Hand über ihren Hinterkopf und Rücken streichen und spürte, wie ihm diese Bewegung selber mehr Kraft gab, als tausend Worte.

Auch Lika schien so zu fühlen, denn sie entspannte sich weiter und schmiegte sich an ihn während sie ihren Kopf in den Nacken legte und ihm in die Augen blickte. Ihre Gesichter waren jetzt nur noch Millimeter auseinander und Aik spürte ihre kribbelnde Anziehungskraft. Es war, als ob ihm eine unwiderstehliche Kraft einflüsterte, sie zu küssen und zu liebkosen. Noch zögerte er. Wollte sie es ebenfalls? Sein Blick traf sich mit ihrem und verschmolzen miteinander. Er zog sie an sich und in einem zeitlosen Moment, in dem die Welt um sie herum den Atem anzuhalten schien, trafen sich ihre Lippen zu einem Kuss. Erst zögernd, dann immer leidenschaftlicher. Es war einer dieser Augenblicke, in denen Stunden in Minuten Platz finden und den Zeitpunkt unvergänglich machen.

»In einer halben Stunde treffen wir im System der Necarer ein. Die Mannschaft sollte sich in der Zentrale einfinden.«

Die sonst so sanfte Frauenstimme der Mesotronik schnitt durch den Augenblick wie ein Laser durch lebendes Fleisch. Die Magie des Momentes zerbrach in tausend Scherben und Lika löste sich langsam von Aik.

»Dann sollten wir uns auf den Weg machen«, meinte Lika mit einem unsicheren Lächeln.

Aik strich ihr über das Fell ihres Kopfes und sie drückte ihren Kopf sanft dagegen. Er beugte sich ihr wieder zu und küsste sie nochmals, diesmal verhaltener, wobei sie seine Liebkosung gerne erwiderte.

Doch dann stupste sie ihn sanft von sich. »Mein Herr«, lachte sie, »die Arbeit ruft.«

Aik seufzte vernehmlich auf und zog die Beine aus der Brandung um sich danach umständlich aufzurichten. Er hielt Lika seine Hand entgegen, die sie gerne annahm und sich an ihr hochzog. Ohne den Griff zu lösen schritten sie Hand in Hand durch den Sand des Strandes auf die Dünung zu.

»LIRMINEA, bitte erzeuge uns einen Ausgang!«

An der Stelle, die Aik in Erinnerung hatte, erschien erneut das Tor zum Freizeitbereich und öffnete sich. Dahinter lag der hell erleuchtete Gang des Schiffes, als ob er nicht zu dieser Welt gehörte. Für einen Augenblick stellte er sich die Frage, ob er wohl um den Ausgang herum gehen, und die Rückseite des Tores betrachte könnte. Doch dann verwarf er die Idee. Für solche Spielereien würde es auch später noch Zeit geben.

Gemeinsam schritten sie durch den Zugang des Freizeitbereichs und traten auf den Gang, wo sie sich bewusst wurden, dass sie noch immer ohne Schuhe unterwegs waren.

»Ich bin gleich zurück«, rief Aik mit einem schiefen Lächeln und lief erneut durch den Sand des Freizeitraums auf die Dünung zu, wo ihre Schuhe standen. Er ergriff sie und machte auf der Stelle kehrt um zu Lika zurück zu sprinten. Jetzt mussten sie sich beeilen, damit sie nicht zu spät auf der Brücke eintrafen.

5. Unerwünscht

In dem Hologramm, das vor den Manjarden und dem Videx Pantax schwebte, waren das taktische Abbild des Nec Systems und die sich annähernde Position der HASTUUL zu sehen. In fünf Sekunden würde das Schiff seine Austauchposition, zehn Lichtminuten außerhalb des Systems erreichen. Die Manjarden hatten ihre Befehlsringe über den Kopf gestreift und waren bereit, sich aktiv in die Steuerung des Schiffs zu hängen, sobald der Rücksturz in den Normalraum erfolgte.

»Das Flugziel ist erreicht«, meldete in diesem Moment die Bordmesotronik. Der einzige Effekt des Eintauchens in das Standard-Kontinuum war, dass sich die Darstellung des zentralen Hologramms veränderte und die aktuelle Ansicht der Umgebung wiedergab.

Aik beugte sich irritiert in seinem Sessel vor und starrte die Darstellung des fremden Systems an. Er hatte erwartet, das schwarze All und eine noch recht ferne Sonne zu erblicken. Stattdessen war in der relativ kurzen Entfernung von einer Million Kilometern eine Mauer aus milchigweißer Energie zu sehen, die den Blick auf das Nec-System komplett verbaute.

»Was, zum Teufel soll das denn sein?«, stieß der Kommandant hervor.

»Wir schauen es uns mal an«, murmelte Pavo, während er sich mittels seines Befehlsrings in die Steuerung des Schiffs einklinkte und wie Lika in seinem Sessel zurücklehnte um die Entspannung aufzubauen, die für die Steuerung vorteilhaft war.

Sein Geist fiel wie zuvor in den Weltraum hinaus. Besser gesagt, er war das Schiff. Er fühlte es wie seinen eigenen Körper.

Vor ihm erschien die gleiche weiße Mauer, die er zuvor im Hologramm wahrgenommen hatte. Doch nun, wo er sie mit eigenen Augen sah, machte sie einen noch mächtigeren und bedrohlicheren Eindruck, so als ob hier das Universum enden würde und einen davor schützen sollte, über den Tellerrand in das Nichts hinauszufallen. In Gedanken versuchte er mit Lika in Verbindung zu treten, die ihn mittels der Ortungsdaten über die Barriere aufklären sollte.

Lika, kannst du mir genaueres über diese Wand sagen?

Lika sah vor ihrem geistigen Auge ebenfalls die Wand aus Energie. In ihrer Welt hatte jedoch alles einen eher modellhaften Aufbau, was sie perfekt mit Informationen über die nähere Umgebung versorgte. Doch im Moment schien die Technik der HASTUUL an ihre Grenzen zu stoßen. An der milchigweißen Mauer schien das Universum zu Ende zu sein. Dahinter existierte … nichts.

Pavo, versuche mal, an dieser Wand entlang zu fliegen!

Kaum hatte sie die Worte gedacht, schon begann sich das Modell zu bewegen. Erst langsam und mit zunehmender Geschwindigkeit schneller. In ihrer Welt zog die modellhafte Mauer an ihr vorbei, wobei immer wieder Einblendungen über Einzelheiten Aufschluss verschafften. Plötzlich erkannte sie, was sie dort sahen. Es handelte sich nicht um eine plane Mauer, sondern um eine riesige Kugel.

Puh, dachte sie. Es sieht mir so aus, als ob wir hier keine Wand, sondern einen riesigen Schutzschirm vor uns haben, der das Nec-System einschließt. Allerdings scheint es sich dabei um keinen Standardschirm zu handeln, sondern eher um einen höherdimensionalen Schild. Im Moment ist er sogar so perfekt, das ich auch mit den Bordmitteln keinen Einblick erhallte.

Unschlüssig blickte sie weiter auf ihre Darstellung. Wenn sie noch nicht einmal mehr über die Beschaffenheit des Schirms herausfinden konnten, wie sollten sie dann daran denken, den Schutzwall zu durchdringen, um nach Necare zu gelangen? Im Moment erschien ihr dieser Planet genauso weit entfernt wie das Ende des Universums.

Plötzlich nahm sie aus ihren Augenwinkeln heraus einen winzigen Punkt wahr, an den das Ortungssystem der HASTUUL sogleich eine Ortungsinformation heftete, die zeigte, dass es sich bei diesem Ortungspunkt um ein hundert Meter durchmessendes Schiff unbekannter Bauart handelte. Was die ganze Sache besonders interessant machte, war der Umstand, dass das fremde Schiff direkt aus dem systemumspannenden Schutzschirm auftauchte. Das kleine Schiff bewegte sich mit einer mäßigen Beschleunigung von 600 km/s² von dem System fort. Schnell markierte sie das Schiff, das wie die Spitze eines altertümlichen Pfeils aussah und dachte: Pavo, vielleicht kann uns dieses Schiff weiterhelfen. Versuche es einzuholen!

Ich gehe auf Abfangkurs, kam gedanklich die Bestätigung, während die HASTUUL mit unglaublichen 1700 km/s² beschleunigte und sich dem fremden Schiff schnell näherte.

Pavo sah den Fremden im Moment nur als leuchtende Kugel aus der Ortung Likas, doch schon kurz darauf schälte sich aus dem Dunkel des Alls ein Schiff, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Der Fremde schien sie nun ebenfalls entdeckt zu haben, da er schneller wurde und eine scharfe Kurve flog. Allerdings war beides keine besondere Herausforderung für Pavo, da er seinen Kurs mühelos anglich und sich auch weiterhin näherte.

Ein grünes Fadenkreuz leuchtete auf, als Rack seine Waffensysteme auf das fremde Raumfahrzeug ausrichtete.

Sofort ertönte Aiks scharfer Gedanke: Rack, deaktiviere sofort wieder die Waffensysteme! Wir wollen Informationen und keinen Krieg!

An Lika gewandt dachte er: Lika, bitte versuche dich mit den Fremden in Verbindung zu setzen. Mach ihnen klar, das wir nur mit ihnen reden wollen.

Doch bevor Lika das andere Schiff anfunken konnte reagierte es auf Racks ungewollte Drohung. Drüben flammte ein Waffenstrahl auf und schoss auf die HASTUUL zu. Gedankenschnell versuchte Pavo das Schiff herumzureißen, was ihm aber nicht mehr rechtzeitig gelang. Der gleißende Strahl schlug in den niedergespannten Quantrim-Schirm, den Rack gerade noch rechtzeitig aufbauen konnte. Pavo fühlte sich fast körperlich getroffen und aus der Bahn geworfen. Der Schuss des Fremden hatte eine unglaubliche Wucht und Energie und hatte den eigenen Schirm zu dreißig Prozent ausgelastet. Schon orientierte sich Pavo erneut und ging wieder auf Kurs hinter dem kleinen Raumfahrzeug her. Ein weiterer Schuss flammte auf die HASTUUL zu und traf sie voll. Diesmal war Pavo darauf vorbereitet und fing die kinetische Energie des Schlags auf. Der eigene Schirm war mittlerweile auch fester aufgebaut und lieferte einen besseren Schutz. Doch immerhin wurde das eigene Quantrim-Feld nun schon mit fünfunddreißig Prozent belastet. Wenn das fremde Schiff noch ein Duzend mal Treffer landen würde, wäre auch ihr Schirm am Ende.

Währenddessen überlegte Aik fieberhaft, wie sie aus der verfahrenen Situation herauskommen konnten. Entweder sie ließen das fremde Schiff ihres Weges ziehen, oder sie stoppten seine Angriffe, was allerdings wohl nur mit eigenem Waffeneinsatz möglich war. Ließen sie die Fremden gehen verpassten sie aber möglicherweise die einzige Chance, mehr über das unbekannte Schutzfeld und die Möglichkeiten es zu überwinden zu erfahren.

Okay, Leute, dachte er. Wir müssen dieses Schiff aufbringen. Dazu ist es wohl unumgänglich, es flügellahm zu schießen. Rack, übernimm du das! Aber zerstöre nicht das Schiff! Wir wollen die dort drüben schließlich nicht ermorden.

Pavo fixierte den Fremden aufs Neue und ging wieder etwas näher. All seine Muskeln waren angespannt, da er jederzeit damit rechnete erneut beschossen zu werden. Allerdings schienen die dort drüben etwas Zeit fürs Aufladen ihrer Waffen zu benötigen, da zwischen jedem einzelnen Schuss etwa eine Minute verging. In Pavos Sicht erschien wieder das Fadenkreuz von Racks Waffensystemen, das sich sofort über das Schiff legte und eine grüne Farbe annahm. Allerdings war die Mitte des Zielkreuzes nicht auf den Kern des Schiffs, sondern auf das fremde Geschütz gerichtet. Ein gleißender Waffenstrahl zuckte auf das kleine Schiff zu und brachte den fremden Schutzschirm zum Aufflammen, als ob es sich um eine gigantische Fackel handeln würde. Allerdings brach er nicht zusammen. Das Schiff schlug nun Haken wie ein manjardischer Bantam-Hüpfer. Zum einen, weil es durch die Wucht des Schusses aus dem Kurs getrieben wurde und zum anderen, weil die Fremden wohl einem weiteren Treffer entgehen wollten. Doch schon war Rack wieder schussbereit als sich sein Fadenkreuz unaufhaltbar über das Schiff schob und erneut grün aufleuchtete. Ein zweiter Schuss und ein zweiter Treffer. Der Schirm lohte erneut auf und brach diesmal zusammen. Der Waffenstrahl traf sein Ziel und fraß sich tief in das Schiff hinein, dort wo zuvor das potente Geschütz lag, das sie mehrmals angegriffen hatte.

Eine gewaltige Explosion riss die Bordwand des fremden Schiffs auf und warf unzählige Trümmer in die Kälte des Weltalls hinaus. Die Fremden unternahmen keinen weiteren Angriffs- oder Fluchtversuch mehr, was Pavo nicht besonders wunderte, da ihr Raumfahrzeug doch sehr schwer beschädigt aussah.

In diesem Moment erschien in Likas Darstellung ein rotes Symbol über dem fremden Schiff, das einen Transmitter darstellte. Ich messe die Verwendung eines Transmitters an. Möglicherweise haben alle oder Teile der Besatzung das Raumschiff verlassen.

Wir gehen längsseits und schicken ein Einsatzteam rüber!, entschied Aik.

Pavo schob sich langsam näher an das treibende Wrack heran und zog es mit energetischen Fingern eines Traktorstrahls zu sich herüber. Er fuhr einen Verbindungsschlauch aus dem Körper der HASTUUL aus und legte ihn über das, was er für die Schleuse hielt. Dort verankerte sich der Schlauch und wurde mit Luft geflutet. Alles war bereit für ein Einsatzkommando.

Pantax und Rack schwebten langsam durch den Verbindungstunnel auf das fremde Schiff zu. Vor ihnen zeichnete sich das Schott aus dunkelgrauem Material ab, das den Zugang des Raumfahrzeugs kennzeichnete.

Beide Raumfahrer trugen leicht gebaute Raumanzüge, die sie kaum spürten und zum Fundus der HASTUUL gehörten.

Langsam fuhr Pantax über das glatte, kalte Schott als sie es erreichten. »Wollen wir nicht erst versuchen, den Zugang ohne Gewalt zu öffnen?«

Rack sah das Tor prüfend an, sah aber nichts, was auch nur entfernt den Anschein eines Öffnungsmechanismus machte. »Hast du denn schon eine Idee, wie du das anstellen willst?«

Pantax sah sich unschlüssig um und klopfte gegen das Schott. »Ähh … eigentlich nicht.«

»Dann plädiere ich für den Desintegrationsschneider«, sagte Rack und setzte ein schiefes Grinsen auf. »Noch saurer können die da drin wohl kaum noch werden.«

Erschrocken wich Pantax einen Schritt vom Schott zurück. »Ich dachte, die hätten sich per Transmitter abgesetzt.«

»Das denke ich auch. Ich meine nur, wenn gegen unsere Annahme doch noch jemand hier ist, dann ist er wohl ziemlich sauer.«

Pantax starrte sein Gegenüber für eine halbe Sekunde an und schüttelte dann Kopf. »Deine Ideen können einen echt total aufmuntern.«

Rack grinste ihn fröhlich an und baute vor sich den Desintegrationsschneider auf, dessen Einzelteile er aus einem mitgebrachten Metallkoffer holte, der auf einem Antigravkissen hinter ihnen schwebte.

Der Schneider ähnelte einer Strahlenkanone auf einem Stativ. Allerdings wurde von ihm kein kurzer Feuerstoß abgestrahlt, sondern ein kontinuierlicher Desintegratorstrahl von einstellbarer Stärke, der das Zielmaterial in seine atomaren Bestandteile zerlegte.

Pantax und Rack postierten sich hinter dem Werkzeug und Rack visierte das große Schott an. Ein fahlgrüner Strahl schoss aus dem Schneider und fraß sich in das fremde Metall. Schwaden von Staub stoben aus der Schnittfläche hervor, während Rack einen Kreis in dem Tor nachzeichnete. Nach Vollendung der Figur fiel der Ausschnitt polternd nach innen und gab die Sicht in das Innere des Schiffs frei.

In den Gesichtern von Rack und Pantax zeichnete sich doch etwas Unsicherheit ab, als sie in den hinter dem Tor liegenden Gang blickten, in dem ein rötliches Licht unstet flackerte. Das Schiff war wohl mehr in Mitleidenschaft gezogen worden als angenommen. Die beiden traten durch den Ausschnitt der Schleuse und sahen sich dahinter vorsichtig um. Ein kurzer Blick auf die Anzeigen des Raumanzuges zeigte Rack, das die Luft hier durchaus atembar war, doch sie bevorzugten es dann doch, die Helme nicht in den Kragen der Montur einzufahren, sondern geschlossen über ihren Köpfen zu belassen. Langsam schritten sie den Gang entlang und kamen an eine Kreuzung, an deren Wand Hinweisschilder auf die einzelnen Lokalitäten hinwiesen. Rack und Pantax fingen an, diese zu studieren, da sie auf dem schnellstmöglichen Weg zur Zentrale des Schiffs gelangen wollten.

»Hier ist es«, rief Rack und deutete auf den Schriftzug einer Tafel. »Zur Zentrale müssen wir den linken Gang nehmen und dann den Antigravschacht betreten, der uns direkt in die Zentrale führt.«

»Die scheinen hier ja richtig nett zu Eindringlingen zu sein«, meinte Pantax. »Ohne dieses Hinweisschild hätten wir uns hier tot suchen können.«

Rack zuckte die Schultern. »Ein bisschen Glück muss man halt auch haben. Los geht's!«

Die beiden gingen den ebenfalls rot beleuchteten Gang hinab und gelangten nach kurzer Zeit an den angekündigten Antigravschacht. Vorsichtig streckte Rack seine Hand aus und prüfte den Zug des Schachts. »Der Schacht funktioniert.«

Pantax trat zusammen mit Rack ein und sie schwebten langsam nach oben, wobei sie nach weiteren Schildern Ausschau hielten, die Hinweise über die Zentrale liefern könnten. Das war aber nicht nötig, da der Schacht zwei Stockwerke höher endete und sie in die Zentrale raus schob.

Vorsichtig blickten sich Rack und Pantax um, damit sie hier keine bösen Überraschungen erleben würden, doch es blieb alles ruhig. In der Mitte des Raums stand der zuvor angemessene Transmitter der nun aber deaktiviert war und sich trotz aller Versuche Pantax' nicht mehr einschalten ließ. »Der Steuermechanismus des Transmitters scheint blockiert worden zu sein. Die Kiste können wir vergessen.«

Rack nickte abwesend, während sein Blick über die Wände der Zentrale fuhr, die vollständig mit Konsolen bedeckt waren. »Pantax, hast du eine Ahnung, was hier das Hauptterminal der Mesotronik sein könnte?«

Der Videx ließ den Transmitter links liegen und blickte nun ebenfalls die Konsolen an der runden Wand der Zentrale an, um die Bordmesotronik zu identifizieren. Langsam schritt er die Gerätschaften ab und beäugte sie sorgfältig. Nach einer halben Runde an der Wand entlang blieb er vor einer Schalttafel stehen und kontrollierte sie eingehender. »Das Design ist zwar etwas merkwürdig, aber hier sollte das Hauptterminal der Mesotronik sein.«

Rack gesellte sich zu ihm und blickte ebenfalls prüfend auf das Terminal, über dem ein kleines Hologramm leuchtete, das ein unbekanntes Symbol in roter Farbe zeigte. Er versuchte, mit dem Bordrechner in Verbindung zu treten, doch der fremde Computer stellte sich tot. »Hmm, dieses unfreundliche Zeichen bedeutet wohl, das die Mesotronik blockiert ist.«

»Klar«, erwiderte Pantax. »Die Necarer haben kein Interesse daran, dass wir ihren Rechner abfragen.«

Der Manjarde grinste seinen Begleiter breit an. »Da hätten sie aber früher aufstehen müssen.«

Er kniete sich hin und tastete unter dem Terminal nach einem Zugang zum Zentralmodul des Rechners. Kurz darauf ertastete er einen kleinen Riegel, der nahe dem Boden eine Platte aus der Wand löste, die ihm nun entgegen kippte. Vorsichtig hob Rack die Klappe weg und legte sie seitlich auf den Boden. Nun kniete sich auch Pantax hin, um erkennen zu können, was sich hinter der Klappe befand. Wie Rack erwartet hatte lag dort der Kern der Mesotronik, der mit haarfeinen Datenleitern mit dem Schiff verbunden war.

»Was hast du jetzt vor?«, fragte Pantax besorgt. »Willst du das Zentralmodul vom Schiff trennen? Das würde doch Stunden dauern.«

Rack winkte beschwichtigend ab. »Das habe ich nicht vor. Stattdessen werde ich dieses kleine Spielzeug einsetzen.«

Er holte einen kleinen silbernen Kasten aus einer Tasche seines Raumanzugs heraus und hielt ihn Pantax hin.

»Was soll das den für ein Ding sein?«

»Das ist ein Mesonen-Wandel-Scanner«, sagte Rack und führte das Kästchen an die Kugel des Mesotronik-Kerns heran, wo es mit einem leisen Klacken hängen blieb. »LIRMINEA hat mir angeraten, einen mitzunehmen, damit sie sich in die fremde Mesotronik reinhacken kann.«

»Und wie soll das funktionieren?«, fragte Pantax zweifelnd, da er das erste Mal hörte, das so etwas möglich sei.

»Der Scanner ertastet die Mesonen, die in dem Rechner in ihrem Hyperfeld die Arbeit verrichten und zwingt sie dann, kontrolliert von LIRMINEA, auf neue Bahnen, was dazu führt, dass sich der fremde Rechner wie ein Teil unserer Mesotronik verhält, ohne dominant werden zu können. Dann liegen alle Informationen offen vor uns und wir können uns nach Herzenslust bedienen. Das funktioniert aber nur, wenn der MWS direkt am Zentralmodul angedockt wird.«

»Ah«, machte Pantax und richtete sich wieder auf. »Und was tun wir jetzt?«

»Das hängt davon ab, ob die Verbindung hergestellt werden konnte«, erwiderte Rack und stellte eine Funkverbindung zur HASTUUL her. »Steht schon die Datenverbindung?«, fragte er ins Mikrophon.

Sekunden später war Likas Antwort zu hören. Auf ein Hologramm hatte sie verzichtet. »Ja, die Verbindung steht. Ihr könnt jetzt zurückkehren.«

Rack hob theatralisch seinen Daumen und hielt ihn Pantax entgegen. Zögernd erwiderte dieser die Geste, da er nicht genau wusste, was sie bedeuten sollte, aber nach einer kurzen Erklärung von Rack wurde seine unbedeutende Wissenslücke geschlossen. Beide machten sich auf den Rückweg durch den Antigravschacht und passierten Minuten später die aufgeschnittene Schleuse.

Alle saßen sie um das große Hologramm herum, das in der Zentrale der HASTUUL projiziert wurde, damit LIRMINEA ihre Erkenntnisse aus der Analyse der fremden Mesotronik erläutern konnte.

»Prinzipiell konnten keine bewegenden neuen Erkenntnisse aus dem fremden Rechner gewonnen werden«, erklärte LIRMINEA mit angenehmer Stimme. »Allerdings habe ich erfahren, durch was für einen Schutzschirm das Nec-System geschützt wird.«

Die Darstellung des Hologramms zeigte nun den Aufbau des Schutzschirms, der sich um das System gelegt hatte.

»Es handelt sich dabei um einen Sextadimschirm mit überlagerter Phasenvarianz«, erklärte LIRMINEA weiter. »Der Schirm ist so aufgebaut, das er fast völlig undurchlässig gegen alle Arten von Energie und Materie ist. Ein Überladen des Schirms ist praktisch unmöglich. Es ist mir jedoch gelungen, eine Todfrequenz zu ermitteln, auf der der Schirm neutral ist. Mit Hilfe dieser Frequenz ist es mir möglich, hinter den Schutzwall zu blicken und sogar einen Durchflug durchzuführen. Diese Daten sind in die Schiffsteuerung integriert worden, damit der Sextadimschirm mit der Mentalsteuerung der Befehlsringe umgangen werden kann.«

Aik stand auf und ging um das Hologramm herum. »Dann steht unserem Einflug in das System ja nichts mehr entgegen. Wir sollten zusehen, das wir uns dann etwas freundlicher verhalten, damit unsere Reise nicht völlig umsonst war.«

Bevor jemand darauf antworten konnte meldete sich die Bordmesotronik erneut zu Wort: »Darüber hinaus war es mir möglich, zu ermitteln wohin dieses Schiff unterwegs war. Sein Ziel war der Salvarin-Handelsknoten im Usambara-System. Laut dem Logbuch des Schiffs wird dieser Handelsknoten oft von Necarern angeflogen, um alle möglichen legalen und illegalen Komponenten für ihre Forschungen zu ergattern.«

»Hmm«, machte Aik. »Schön zu wissen. Aber jetzt sollten wir wirklich in das Nec-System einfliegen, um mit den Necarern in Verbindung zu treten. Wir sind dringend auf deren Hilfe angewiesen.«

Seine Freunde nickten ihm zu und bereiteten sich vor, erneut die mentale Steuerung des Schiffs zu übernehmen. Sie hatten sich schon ganz an diese sehr intuitive Art der Schiffskontrolle gewöhnt, so dass es auch diesmal kein Problem war, mit dem Schiff zu verschmelzen.

Wieder sah Pavo vor sich den riesigen Schutzwall aus höherdimensionaler Energie. Doch diesmal war etwas anders. Der Schirm war zwar noch immer milchig weiß, aber jetzt war es ihm möglich, ein wenig hindurch zu blicken.

Er löste die Verbindung zum aufgebrachten Wrack und beschleunigte langsam in Richtung Nec-System. Die weiße Wand kam näher und näher ohne dass sich seine Sicht durch den Schirm wirklich viel verbessert hätte. Das sah für Lika aber ganz anders aus. In ihrer schematischen Ansicht blickte sie durch den Schutzschirm, als ob er aus Luft bestehen würde. Sie erkannte die drei Sonnen, die sich um ihren gemeinsamen Schwerpunkt drehten und wiederum von achtzehn Planeten umgeben waren. Doch das war noch nicht alles. Zwischen den Planeten entdeckte sie mehrere Kampfflotten der Necarer, die jeweils aus Tausenden von Einheiten bestanden, die alle um die 500 Meter groß waren. Wenn diese Schiffe auch nur halb so stark bewaffnet waren wie das abgefangene Schiff der Necarer, so hatte die HASTUUL nicht die Spur einer Chance, sollte es zur Konfrontation kommen. Und die Möglichkeit einer Konfrontation schätzte Lika als sehr groß ein. Sie konzentrierte sich auf Pavo und dachte: Pavo, flieg nicht durch den Schirm! Dahinter steht eine riesige Streitmacht, die uns in Sekundenbruchteilen vernichten könnte.

Aber irgendwie müssen wir doch Kontakt aufnehmen, antwortete Pavo unsicher. Vielleicht antworten die Necarer ja jetzt auf einen Funkruf.

Das hielt Lika für einen guten Vorschlag und wandte sich der Funkanlage zu. Vor ihrem geistigen Auge bildete sich ein rosa Trichter, der die Ausrichtung der Funkantenne darstellte. Sie konnte den Trichter beliebig fokussieren und ausrichten. Nun verbreiterte sie den Trichter so, dass sie das ganze Nec-System bestreichen konnte. Sie suchte die gängigsten Frequenzen heraus, auf denen sie gleichzeitig übertragen wollte. Dann öffnete sie die Kanäle und begann zu senden. Wieder und wieder versuchte sie, mit den Necarern in Verbindung zu treten, doch sie erhielt keine Antwort.

Nach einer halben Stunde schaltete sie den Sender frustriert ab. Die wollen einfach nichts mit uns zu tun haben.

Pavo brachte die HASTUUL endgültig zum stehen und trennte die mentale Verbindung zum Schiff. Lika, Rack und Aik taten es ihm gleich und Sekunden später saßen sie wieder nebeneinander in der Zentrale. Das hatten sie zuvor zwar auch getan, doch durch die Befehlsringe hatten sie sich gefühlt, als ob sie im freien Raum schweben würden.

»Was sollen wir bloß tun?«, fragte Lika frustriert. »Die Necarer machen uns unmissverständlich klar, dass sie nichts mit uns zu tun haben wollen. Doch wir brauchen den Kontakt.«

»Lasst uns einfach einfliegen«, meinte Rack. »Wenn wir erst über dem Planeten Necare stehen und uns freundlich melden werden sie uns schon anhören.«

»Das glaube ich nicht«, erwiderte Aik sorgenvoll. »Vielmehr glaube ich, das sie uns in eine Wolke aus Atomen zerstrahlen, bevor wir Piep sagen können.«

»Und was machen wir dann?«, fragte Pavo. »Däumchen drehen und Tee trinken?«

»Ich weiß es doch auch nicht!«, rief Aik. »Wir können nicht einfach in das System einfliegen, aber abwarten bringt uns auch keinen Meter weiter.«

»Ich glaube, ich habe eine Idee«, meinte Pantax und machte eine dramatische Pause.

Als er alle Blicke auf sich gerichtet fühlte, fuhr er fort: »Wir haben erfahren, dass die Necarer oft Verbindungen mit dem Salvarin Handelsknoten im Usambara-System haben. Selbst das abgefangene Schiff wollte dorthin aufbrechen. Ich denke, wir sollten ebenfalls dorthin, um mit Necarern in Verbindung treten zu können, die dort Handel betreiben. Ich habe auch schon eine Idee, wie das anzustellen ist.«

Alle blickten Pantax weiterhin fragend an, bis Lika die Frage stellte, die allen ins Gesicht geschrieben war: »Und welche Idee ist das?«

»Dort gibt es viele Informationshändler, die uns mit Sicherheit weiterhelfen können. Gegen Bezahlung würden die noch ihre eigenen Großmütter verkaufen.«

»Und wo wollen wir Geld herbekommen?«, meinte Pavo fragend. »Wir sind doch völlig mittellos.«

Pantax machte ein betretenes Gesicht. Daran hatte er gar nicht gedacht.

Doch nun mischte sich LIRMINEA ins Gespräch ein: »Kreditkarten sollen kein Problem sein, da VITHAU durch Mittelspersonen Bankkonten unterhält, die euch zur Verfügung stehen. Die nötigen Karten kann ich bei Bedarf an euch ausgeben.«

Pantax atmete erleichtert auf. »Seht ihr? Schon kein Problem mehr.«

Aik legte sein Kinn nachdenklich in die geöffnete Hand und dachte über den Vorschlag nach. »Die Idee scheint mir wirklich die beste zu sein«, murmelte er halblaut und wandte sich dann seiner Mannschaft zu. »Lasst uns wieder auf die Reise gehen. Wir fliegen das Usambara-System an.«

6. Der Salvarin-Handelsknoten

Nach einer halben Stunde Hyperflug tauchte die HASTUUL wieder in den Normalraum ein. Sofort bremste das Gravotriebwerk die noch fast lichtschnelle Fahrt ab, während das Schiff in das Usambara-System einflog.

Lika nahm einen Kontaktversuch wahr, der als Hyperfunk hereinkam, und öffnete einen Kanal, um mit dem Anrufer in Verbindung zu treten. In der Mitte der Zentrale baute sich ein Hologramm auf, das ein Wesen zeigte, das einem Tintenfisch entfernt ähnlich sah. Es stand auf zehn Tentakeln, die seinem weiß glänzenden Körper entsprangen. Die Tentakel stemmten den Körper nicht nur nach oben, sondern machten am Boden eine Krümmung und erhoben sich erneut in die Luft, sodass sie von dem Tintenfisch auch als Arme benutzt werden konnten. In der Mitte des Körpers zeigten sich zwei tellergroße schwarze Augen, die sich fast berührten und ständig in Bewegung waren. Darunter öffnete sich nun ein Hautlappen, der einen kreisrunden Mund mit mehreren Reihen spitzer Zähne freigab.

»Herzlich Willkommen im System des Salvarin-Handelsknoten«, ertönte es aus dieser Öffnung. »Möchtet ihr unseren wunderbaren Handelsknoten zum Handeln oder zum Perdolo-Finale besuchen?«

Aik schaute den Tintenfisch etwas unsicher an, da er nicht die Spur einer Ahnung hatte, was das Perdolo-Finale sein sollte. Allerdings schien es Pantax anders zu gehen, denn bei dem Wort Perdolo sprang er erregt auf. Aik wusste allerdings nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war.

»Äh … wir sind zum Handeln hier.«

»Sehr schön«, posaunte der Tintenfisch. »Seid ihr Anbieter oder Käufer?«

Unsicher kraulte Aik sein Backenfell und blickte sich zu seinen Kameraden um, da drängte sich Pantax nach vorne und rief: »Wir sind Käufer.«

Gleichzeitig sah er Aik beschwichtigend an, um zu zeigen dass er wusste was er tat.

»Wunderbar«, trötete der Tintenfisch weiter. »Was für eine Art von Produkt wird von euch gesucht?«

»Wir sind an Informationen interessiert.«

»Seid herzlich willkommen«, erwiderte der Kraken fröhlich. »Für euch steht eine Landebucht auf Plattform 25 bereit. Ich schicke euch einen Leitstrahl.«

Das Hologramm erlosch und die Kameraden schauten sich verwundert an.

»Was war denn das?«, fragte Pavo verwundert, während er den Leitstrahl der Station entgegennahm, die jetzt auch im Navigationshologramm sichtbar wurde.

Der Salvarin-Handelsknoten war eine achtzehn Kilometer durchmessende Plattform, an deren Seiten mehrere kleinere Plattformen angedockt waren und so die Gesamtbreite der Station auf ungefähr fünfundzwanzig Kilometer verbreiterte. Sie machte einfach einen gigantischen Eindruck. Dazu trug auch noch bei, dass sie von einem riesigen Pulk von Raumschiffen umschwirrt wurde, der die An- und Abreisenden darstellte.

»Das war die ganz normale Feststellungsprozedur des Handelsknoten«, erklärte Pantax und deutete auf das Hologramm, auf dem die Station zu sehen war. »Würde die Kontrolle alle Besucher anfliegen lassen, wie sie wollen, so würde hier ein unglaubliches Durcheinander herrschen. Durch die Kategorisierung werden wir genau an die Stelle geleitet, die für unsere Zwecke die beste ist.«

»Nun gut«, erklärte Aik und nahm auf dem Hologramm wahr, dass sich die HASTUUL schnell dem riesigen Pulk an Raumschiffen näherte, das vor dem Handelsknoten in Warteposition gegangen war. »So wie ich die Sache sehe, werden wir wohl eine Ewigkeit brauchen, ehe wir an die Station andocken können, wenn noch ein paar tausend Schiffe vor uns dran sind.«

Pantax blickte stirnrunzelnd auf den Pulk von Raumfahrzeugen. »Diese Menge an Schiffen ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Wahrscheinlich sind die meisten gar nicht zum Handeln hier, sondern um sich das Perdolo-Finale anzusehen.«

Im gleichen Moment durchstieß die HASTUUL die Wolke aus Raumschiffen, ohne sich in der Warteschlange einzureihen, und näherte sich weiter dem Handelsknoten, wobei der Kurs auf eine äußere Plattform zeigte.

»Aha«, rief Pantax. »Das habe ich mir beinahe gedacht. Das Gro an Besuchern wird auf der Hauptplattform landen um das Spiel zu sehen. Da ihr … ääh … wir das nicht vorhaben, können wir direkt auf der uns zugewiesenen Plattform niedergehen.«

Aik blickte den jungen Videx nachdenklich an. »Was ist eigentlich Perdolo?«

»Das ist ein dreidimensionales Ballspiel, in dem der Ball von zwei Mannschaften in die jeweils gegnerische Endzone getrieben werden soll. Dabei wird der Ball nicht von den Spielern berührt, sondern von Magnetfeldern vor sich her getrieben, die von den Spielern projiziert werden. Dabei kann jeder Spieler dem Ball eine andere Art an Bewegung mitgeben. Somit kann nur die gesamte Mannschaft zusammen dem Ball die Form an Bewegung geben, um die gegnerische Abwehr auszuhebeln und die Endzone des Gegners zu erreichen. Die Spieler bewegen sich mit kleinen Steuerdüsen, da Perdolo in der Schwerelosigkeit gespielt wird. Eine Perdolo-Saison dauert fünf Standardjahre an, bis sich die besten Teams der Perdolo-Liga herauskristallisieren. Das dauert so lange, da es unglaublich viele Mannschaften gibt. Dieses Spiel ist unter vielen Völkern sehr beliebt. Übrigens auch bei meinem. Und heute ist das Ende der Saison. Heute ist das Endspiel.«

Während Pantax von dem Spiel erzählte, bekamen seine Augen einen unbeschreiblichen Glanz.

»Du liebst dieses Spiel?«, fragte Aik und legte seinem Kameraden eine Pranke auf die Schulter.

Pantax schluckte und nickte langsam mit dem Kopf. »Bisher habe ich noch nie ein Finale im Trivideo verpasst. Live habe ich allerdings noch nie ein Endspiel gesehen.«

Aiks Blick wanderte zum Hologramm der Zentrale und sah, wie die HASTUUL langsam auf der zugewiesenen Plattform landete. Ein Verbindungstunnel schob sich dem Schiff entgegen und verband das Raumschiff mit der Handelsstation.

»Wenn es dir ein so großer Wunsch ist, schau dir das Spiel doch an«, schlug Aik lächelnd vor.

Nun hielt es Pantax nicht mehr. »Meinst du wirklich, dass ich euch eine Weile alleine lassen kann?«

»Das sollte kein Problem sein«, lachte Aik gutmütig. »Wir kommen schon alleine zurecht.«

Nachdem LIRMINEA die Kameraden mit Kreditkarten ausgerüstet hatte, machten sie sich auf den Weg zum Verbindungstunnel, der das Schiff mit dem Handelsknoten verband. Sie verzichteten auf Raumanzüge, da das Standard-Luftgemisch auf dieser Station ohne Probleme atembar war.

In der Empfangshalle angekommen schnüffelte Lika ein wenig in der Luft. »Hmmm. Hier riecht es ein bisschen nach Larachs-Zimt.«

Jetzt wo Lika es aussprach, konnten ihre Begleiter nur zustimmend nicken.

»Du hast Recht«, sagte Pavo. »Daran könnte ich mich gewöhnen. Riecht echt lecker.«

Während sie so beieinander standen, trippelte Pantax nervös von einem Fuß auf den anderen.

»Was hast du denn?«, fragte Rack besorgt. »Stimmt etwas nicht?«

Pantax blickte unsicher zu Boden. Anscheinend war es ihm doch etwas peinlich, dass er die Gruppe jetzt alleine lassen wollte, um sich das Spiel anzusehen. Doch immerhin hatte Aik es ihm ja gestattet. Er erhob seinen Blick und richtete ihn auf den Kommandanten.

»Pantax wird uns eine Weile verlassen. Wir treffen ihn dann später im Schiff wieder«, erklärte Aik und gab Pantax ein aufmunterndes Zeichen, sich abzusetzen.

Der junge Videx lächelte dankbar und verabschiedete sich von der Gruppe. Schon nach Sekunden wurde er von den Massen verschluckt, da es in dieser Empfangshalle nur so von fremden Raumfahrern wimmelte.

»Und wie wollen wir hier einen Necarer finden?«, unkte Rack. »Hier sind wir doch völlig planlos.«

Aik machte eine beschwichtigende Bewegung. »So wild wird es schon nicht werden.« Er hob seine Pranke und zeigte auf ein hell erleuchtetes Schild, das in etwa dreißig Metern Entfernung von der Decke hing. In dicken Schriftzeichen war dort das Wort »Information« zu lesen. Aik schien nicht der einzige zu sein, dem dieser Informationsstand aufgefallen war, denn er wurde von einem Pulk von Fremden umringt, die ebenfalls auf der Suche nach den verschiedensten Sachen waren.

Pavo stöhnte auf. »Bis wir dort eine Information eingeholt haben, sind wir alt und grau.«

Aik legte ihm beruhigend eine Hand auf die breite Schulter. »Das ist immer noch besser, als hier planlos in der Gegend herumzulaufen. Nicht wahr?«

Pavo nickte widerwillig und bewegte sich zusammen mit seinen Freunden auf den Stand zu. Jetzt konnten sie nur noch warten, bis sie an der Reihe waren.

7. Das Perdolo-Spiel

Pantax drängelte sich durch die Menge und versuchte in einen Verbindungstunnel zu gelangen, in dem er ein Schild für eine Schnellbahn gesehen hatte. Er hatte keine Ahnung wann das Spiel wirklich anfangen würde und ob es überhaupt noch Karten dafür gab. Aber immerhin musste er es versuchen, und dafür brauchte er eine Schnellbahn, mit der er von dieser abgelegenen Plattform auf die zentrale Plattform wechseln konnte, denn dort würde das Finale stattfinden.

Endlich hatte er sich durch die Massen gewühlt und stand an einem Bahnsteig an dem Trauben von Fremdwesen ebenfalls auf einen Zug warteten. Der kam dann auch nach zwei Minuten. Allerdings stand vorne am Zug nur eine nichts sagende Nummer.

»Geht dieser Zug zur zentralen Plattform?«, fragte er ein Wesen mit grüner, schuppiger Haut, das sich gerade an ihm vorbei drängte, um an die Eingangstür des Zuges zu gelangen. Es quittierte Pantax Frage nur mit einem unverständlichen Grummeln und schob sich weiter auf das Fahrzeug zu.

Der Videx musste aufpassen, durch den Sog der sich bewegenden Masse an Personen nicht auf die Magnetgleise des Zuges geworfen zu werden. Kraftvoll stemmte er sich gegen die Massen und entfernte sich von den Gleisen, wobei er sich aber auch von dem Zug entfernte. Dieser hatte sich mittlerweile bis zum Bersten mit Passagieren gefüllt und Pantax wunderte sich, dass immer noch weitere Reisewillige hinein drängten und sogar noch irgendwo Platz fanden.

Dann schlossen sich die Türen des Zuges mit einem zischenden Geräusch und er begann schnell zu beschleunigen. Mit einem sirrenden Geräusch verließ er den Bahnhof und verschwand in dem dunklen Loch, das wohl den Verbindungstunnel mit weiteren Bahnstationen darstellte.

Glücklicherweise hatte sich die Menge an Leuten nun um einiges gelichtet, sodass Pantax endlich mal richtig Luft holen konnte. An der Rückwand der Station hatte er einen Streckenplan entdeckt, auf den er sich nun zubewegte. Noch immer war der Bahnhof ziemlich voll, doch zumindest lief er nicht mehr Gefahr, tot getrampelt zu werden. Nach einigen Augenblicken hatte er sich zu dem Plan durchgekämpft und konnte einen Blick auf ihn werfen. Er stellte den schematischen Aufbau des gesamten Handelsknoten dar, durch den sich ein Gewirr von farbigen Fäden zog, das wohl die verschiedenen Bahnstrecken darstellte. Alleine in die Zentralplattform führte schon ein riesiges Bündel an Linien. Anscheinend führte so gut wie jeder Zug durch die zentrale Plattform oder hatte dort Endstation. Er merkte sich die Zugnummern, die er nicht nehmen durfte, da sie nur zu abseits gelegenen Plattformen führten, dann begann er erneut seinen Kampf in Richtung Bahngleis.

Mittlerweile hatte sich der Bahnsteig erneut gefüllt und Pantax musste sich so manches Mal Knuffe in die Seite gefallen lassen, wenn er sich in Richtung Schienen durchschob. Endlich stand er fast in vorderster Reihe an den Gleisen und wartete auf den nächsten Zug. Der erschien auch Minuten später. Unglücklicherweise wurde ihm im entscheidenden Moment die Sicht auf die Vorderseite des Zuges verstellt, und es war ihm nicht möglich, die Nummer des Zuges zu identifizieren. Allerdings schien das auch völlig unnötig zu sein, da Pantax in dieser Position sowieso keine Optionen hatte. Als sich die Türen des Zuges öffneten, wurde er in den Zug hineingedrückt, als ob er Zahnpasta wäre, die aus ihrer Tube gepresst wurde. Bevor er gegen die Rückwand der Bahn gedrückt werden konnte, gelang es ihm, einen Sitzplatz zu ergattern und es sich dort gemütlich zu machen.

Doch die Gemütlichkeit fand Sekunden später ein abruptes Ende, als sich ein seltsames Wesen neben ihn setzte, das Kleidung wohl für unnötig hielt. Das erklärte sich aber dadurch, dass dessen Haut die ganze Zeit eine schleimige Substanz absonderte, die sowieso jede Kleidung durchnässt hätte. Unglücklicherweise war es nun Pantax' Kleidung, die unter dem Schleim leiden musste. Er versuchte, sich weiter in die Ecke zu drücken, um so etwas Distanz zu dem Körper des Fremden zu erlangen. Allerdings wurde das seltsame Wesen durch weiter hereinströmende Massen bedrängt und nahm sofort den Raum ein, den Pantax geschaffen hatte. Schon wurde seine Kleidung erneut durchnässt, als sich der fremde Körper wieder gegen den seinen presste. Und noch immer füllte sich der Zug weiter. Der junge Videx hatte das Gefühl, das bald sogar der Sauerstoff zur Neige gehen würde und alle Insassen ersticken müssten.

Endlich schlossen sich die Türen des Zuges und er setzte sich völlig ruckfrei in Bewegung. Schnell bewegte er sich durch die Röhre auf sein Ziel zu, das er schon Minuten später erreichte. Mittlerweile verspürte Pantax ein unangenehm kribbelndes Gefühl in seinen Beinen, so als ob sein Blutdruck gerade dabei wäre, in den Keller zu rauschen. Schon bildeten sich schwarze Punkte in seinem Gesichtsfeld. Er schnappte nach Luft und spürte, wie sein Herz raste.

Die Bahn kam zum Stehen und die Ausstiegstüren öffneten sich. Ein Schwall an Personen verließ die Bahn und in Pantax keimte die Hoffnung, dass er nun etwas mehr Platz haben würde und sich etwas erholen könne, doch schon öffneten sich die Einstiegstüren und eine neue Menge an Leuten strömte in das Abteil. Schon quetschten sich die Personen aufs Neue in den Gängen, bis nichts mehr ging. Ein leises Zischen zeigte Pantax an, das sich die Türen des Zuges erneut geschlossen hatten. Die Bahn fuhr erneut an, um Minuten später in der nächsten Station einzufahren. Pantax spürte seinen Herzschlag in der Kehle und das Kribbeln in den Beinen wurde unerträglich. An der Decke des Zuges schwebte ein Hologramm, in dem die aktuelle Position des Wagens eingezeichnet war. Entlang der roten Linie, die die Fahrtstrecke darstellte bewegte sich der blaue Punkt des Wagens langsam vorwärts. Pantax musste nur noch drei Stationen durchhalten, um endlich an der gewünschten Station in der zentralen Plattform anzukommen.

Die Zeit schlich förmlich voran während Pantax die Millimeter maß, die der blaue Punkt in der holographischen Darstellung zurücklegte.

Endlich kam die ersehnte Haltestelle und der Zug hielt an. Zischend sprangen die Ausgangstüren auf und gaben den Weg auf den Zielbahnsteig frei, woraufhin sich die ganze Masse an fremden Wesen in Bewegung setzte.

Anscheinend wollen hier alle raus, dachte Pantax entsetzt. Ich brauche endlich ein bisschen Platz.

Doch das war ihm im Moment nicht vergönnt. Wieder wurde er wie Zahnpasta aus der Tube gedrückt und auf den Bahnsteig gespuckt. Torkelnd versuchte er, den Stößen von nachfolgenden Personen zu entgehen und sich aus dem Strom an Leuten zu retten.

Endlich erreichte er einen freien Bereich, wo er nicht mehr drohte, von Horden überrannt zu werden. Pantax schnaufte durch und schaute sich nach einem Plätzchen um, auf dem er sich hinsetzen konnte, um wieder zu Atem zu kommen. An der Rückwand der sich nun wieder leerenden Station befand sich eine Bank, auf der sich Pantax seufzend niederließ. Sein Herz kam allmählich wieder zur Ruhe und auch sein Blutdruck normalisierte sich zusehends. Die immer noch vom Schleim des fremden Wesens feuchte Kleidung begann langsam zu trocknen und hinterließ auf der Haut ein seltsames kratzendes Gefühl.

Als er sich endlich besser fühlte stand er von der Bank auf und sah sich nach einem Ausgang aus der Bahnstation um. Das war nicht besonders schwer, da es nur einen einzigen Tunnel gab, der aus dem Bahnhof herausführte. Nach wenigen Metern stand er auch schon in einem belebten Gang, in dem viele Wesen ihren Zielen entgegeneilten. Irgendwo hier in der Nähe musste das Perdolo-Stadion sein. Doch wo?

Er blickte sich suchend um und wollte schon eine junge Cel'Acaran ansprechen, die den breiten Gang entlang kam, als eine Gruppe Videx lärmend um die Ecke bogen und die Flagge des Perdolo-Videx-Clubs, kurz PVC, schwenkte. Pantax ersparte sich die Frage, ob die Videx einen Finalteilnehmer stellten, da er seine Knochen nicht malträtieren lassen wollte. Er wartete einfach, bis die Gruppe an ihm vorbeigezogen war und folgte ihr mit etwas Abstand. Schon nach kurzer Zeit kam er an das Gelände des Stadions. Die Gruppe Videx reihte sich in die wartende Schlange ein und als sie an der Reihe waren, steckten sie ihre Tickets in einen dafür vorgesehenen Schlitz, woraufhin eine Drehtür die anstehenden Personen einzeln durchließen.

Pantax hatte natürlich kein Ticket. Dafür hatte er aber eine wohlgefüllte Kreditkarte, mit der er sich sicher eine Eintrittskarte kaufen könnte. Suchend blickte er sich nach einem Verkaufsstand um und entdeckte auch einen, der allerdings geschlossen war. Wie konnte das sein?

Neben dem Zugang zum Stadion stand ein Wachroboter, der den Zugang der Zuschauer kontrollierte. Pantax trat neben ihn und sprach ihn an. »Entschuldige, wo kann ich ein Ticket für das Perdolo-Finale kaufen?«

Der Roboter richtete eine Kameralinse auf ihn und musterte ihn von oben bis unten. »Die letzten Eintrittskarten wurden vorgestern verkauft. Wenn du keine Karte hast, solltest du verschwinden.«

Mit diesen Worten drehte der Roboter seine Linse wieder weg und ignorierte Pantax vollständig.

Fluchend wandte sich Pantax ab und trat zur Seite, als ein neuer Pulk von Personen mit Eintrittskarten kam, die ins Stadion wollten. Allzu lange konnte es also nicht mehr dauern, bis das Spiel begann. Fieberhaft dachte Pantax nach, wie er doch noch ins Stadion gelangen konnte. Es musste doch einen Weg geben!

Da entdeckte er eine Konsolenkabine, die etwas abseits in einem dunkleren Nebengang stand. Diese Kabine war eine allseits geschlossene Kabine mit einem Zugang zur Mesotronik des Handelsknoten. Hätte Pantax es nicht besser gewusst, hätte er die Kabine für ein altmodisches Toilettenhäuschen halten können. Doch so setzte er sich zielstrebig in Bewegung und dankte dem Himmel, als er feststellte, dass die Kabine noch frei war. Er betätigte den Öffnungsmechanismus, woraufhin die Tür zischend auffuhr. Geschickt setzte er sich auf den anpassungsfähigen Sessel und verschloss den Zugang wieder.

Sofort flammt das Begrüßungshologramm der Mesotronik auf. »Was kann ich für dich tun?«

»Gibt es in diesem Handelsknoten Händler, die noch Karten für das Perdolo Finale verkaufen?«

»Es tut mir Leid, Fremder. Der letzte Händler, der noch Karten hatte, verkaufte sie heute Morgen. Dir bleibt nur die Möglichkeit, nächste Woche die Holodisk zu kaufen und das Spiel als Aufzeichnung anzusehen.«

Innerlich kochte Pantax. Nun hatte er schon das Glück, zu einem Finale anwesend zu sein, und konnte doch nicht daran teilnehmen, nur weil es keine Karten mehr gab.

Doch er wollte noch nicht aufgeben, denn in ihm formte sich ein verwegener Plan.

»Computer, gibt es von dem Stadion und seiner direkten Umgebung einen Konstruktionsplan?«

»Sicher. Soll ich ihn dir als Hologramm darstellen?«

Pantax bestätigte und das Hologramm des Stationsbauplans um das Stadion herum baute sich auf. Das kugelförmige Stadion umfasste mehrere Decks des Handelsknotens, wobei Pantax sich im Moment auf dem untersten Niveau befand. Auf jeder Ebene gab es einen Zugang, der aber durch Sicherheitstüren und Roboter abgesichert war. Da gab es keine Möglichkeit, in den Bau hinein zu gelangen. Doch dann fiel ihm etwas auf.

»Vergrößere doch bitte den Bereich auf der obersten Ebene direkt über dem Zenit der Stadionkugel!«

Das Hologramm schoss auf ihn zu und stellte den gewünschten Bereich stark vergrößert dar. Pantax berührte die Stelle, die ihm zuvor aufgefallen war, und fragte: »Was ist das hier?«

»Das ist der Wartungseingang zur Klimaanlage des Stadions. Deren Schächte umschließen das gesamte Gebäude wie eine Spirale.«

Pantax begann vor sich hin zu grinsen und folgte den Schächten mit dem Finger, bis er sah was er suchte. Er deaktivierte das Terminal und verließ die Kabine. Vielleicht würde er das Spiel doch noch sehen. Nicht weit von hier gab es einen Antigravschacht, mit dem er zur obersten Ebene des Stadions gelangen konnte.

Nach wenigen Minuten hatte er den Zugang gefunden und hielt seine Hand prüfend in den Schacht bis er den Aufwärtssog verspürte. Nach all den Jahren war ihm das zur Gewohnheit geworden, seit er als kleines Kind mit ansehen musste, wie ein Freund von ihm in einem solchen Schacht zu Tode stürzte, da das Transporterfeld ausgefallen war und die zuständige Mesotronik es versäumt hatte, den Zugang zu sperren.

Seine Art der Prüfung verschaffte ihm zwar auch keine Gewissheit über die Funktionstüchtigkeit des Schachtes, doch zumindest ein Gefühl der Sicherheit. Er stieg in den Schacht ein und wurde sogleich langsam nach oben gezogen. Umso weiter er sich dem Zentrum des Schachtes näherte, desto schneller wurde seine Geschwindigkeit. Doch schon bald hatte er die Ebene erreicht, in der er den Antigravschacht verlassen wollte, und schwebte in den Randbereich, woraufhin sich seine Geschwindigkeit drastisch verringerte. Geschickt verließ er dem Schacht, als der richtige Ausgang vor ihm erschien.

»Und wo ist jetzt bloß der Wartungseingang?«, murmelte er vor sich hin während er langsam den Gang entlang ging.

Nach fünfhundert Metern erreichte er endlich eine rot gefärbte Tür, die sich nicht automatisch vor ihm öffnete. Dies musste der Zugang zur Klimaanlage sein. Pantax blickte sich vorsichtig um, konnte jedoch keine Kameras entdecken. Geschickt löste er die Elektronik des Schlossmechanismus aus der Wand und manipulierte sie sachkundig. Schon leuchtete die Kontrollleuchte grün auf und die Tür öffnete sich. Das Licht in dem dahinter liegenden Raum flammte auf und gab den Blick auf eine Treppe frei, die in den leicht geneigten Schacht der Klimaanlage hineinführte. Pantax schloss die Tür hinter sich und stieg die Treppe hinab. Dort setzte er sich auf den Boden des Schachts und rutschte langsam vorwärts. Laut dem Plan senkte sich der Schacht nur sehr gemächlich ab, so dass er hier langsam herunterrutschen konnte, bis er vier Etagen tiefer auf einen weiteren Wartungseingang treffen würde, der ihn in das Innere des Stadions einlassen würde.

Sachte schob er sich in den Schacht hinein und begann zu rutschen, wobei er spürte, dass der Metallkanal leicht vibrierte. Das mochte mit dem dumpfen Geräusch schwerer Maschinen zusammenhängen, die er unter sich hörte. Pantax spürte, wie er langsam schneller wurde und stemmte seine Beine gegen die Wand, um die Fahrt etwas abzubremsen. Allerdings brachte das kein Resultat. Die Wände schienen spezial beschichtet zu sein, um Reibungsverluste möglichst klein zu halten.

Pantax bekam die erste Panikattacke, während er immer schnelle hinabschlitterte. Wenn er den Wartungsausstieg vier Stockwerke tiefer verpasste war das nicht so schlimm, da es drei Stockwerke später einen weiteren Ausgang gab. Das, was Pantax in Schweiß badete, war der Umstand, dass laut Plan zwischen diesen Ausgängen ein starker Gravoventilator eingebaut war, der ihn einfach zermalmen würde, wenn er in seinen Einflussbereich kam.

Zusätzlich zu der schlingernden Bewegung begann sich sein Körper jetzt sogar noch zu drehen. Die Fahrt wurde immer schneller, da die Wand mittlerweile glatter als Eis im Winter war.

Plötzlich schoss an ihm die Treppe des Ausgangs vorbei, die er hatte erreichen wollen. Reflexartig riss er seine Arme hoch und konnte sich mit einer Hand an der untersten Sprosse der Leiter festhalten. Ihm traten Tränen in die Augen und er konnte ein Aufstöhnen nicht unterdrücken, als er mit einem Ruck zum Stehen kam und es ihm fast den Arm auskugelte. Er spürte seine Finger nicht mehr und sein ganzer Arm brannte wie Feuer. Trotzdem ließ er nicht los, denn weiter unten im Schacht hörte er das wummernde Schlagen des Gravoventilators. Wenn er jetzt den Halt verlor, würde es ihn etwas tiefer in tausend Stücke zerreißen.

Verzweifelt versuchte Pantax, sich mit den Füßen abzustützen, um in eine bessere Position zu kommen und sich die Treppe hinauf ziehen zu können, doch der Boden war glatt wie Eis und gab ihm keinen Halt. Langsam lösten sich seine Finger von der Leitersprosse ab. Mit einem unterdrückten Aufschrei drehte er seinen Körper, um die Sprosse mit seiner anderen Hand erreichen zu können. Das Gelenk in seinem gestreckten Arm knackte dabei gefährlich und der Schmerz trieb ihm Sterne vor die Augen. Doch trotzdem führte er die Bewegung fort und griff mit der freien Hand nach der Leiter. Mehr tastend als sehend griff er zu und spürte in seiner Hand das kühle Metall der Leitersprosse. Langsam zog er sich hoch, wobei ihm vor Schmerzen Tränen aus den Augen schossen. Doch endlich kam er in eine kraftvolle Position und zog sich weiter hinauf. Sekunden später überwand er die Treppe und ließ sich in der dahinter liegenden Kammer auf den Boden fallen. Er versuchte wieder zu Atem zu kommen und den malträtierten Arm zu beruhigen.

Sein Herz schlug wie wild und der kalte Schweiß stand ihm auf der Stirn, während er die vergangenen Sekunden noch mal vor seinen geistigen Augen vorbei ziehen ließ. So knapp war er in seinem ganzen Leben noch nie dem Tod von der Schippe gesprungen.

Und das nur für ein verdammtes Perdolo-Spiel!, fluchte er innerlich.

Langsam erholte er sich wieder und begann, sich nach einem Ausgang umzusehen. Das gestaltete sich nicht als besonders schwierig, da dieser Raum genauso geschnitten war wie der, durch den Pantax in das Klimasystem eingestiegen war. Er fand die Tür und beschäftigte sich sofort mit dem elektronischen Öffnungsmechanismus, der dem vorherigen wie aufs Haar glich. Sogleich fuhr die Tür zischend auf und gab den Blick auf einen Rundgang frei, der hinter den Zuschauertribünen vorbei führte. Im Hintergrund hörte er die Hymne der Videx, was ihm zeigte, dass er noch nichts vom Spiel verpasst hatte.

Zögernd schob er seinen Kopf aus der Tür des Wartungsraums hervor und blickte sich nach allen Seiten um, damit er nicht noch eine Überraschung in Form eines Wächters erleben würde. Doch es war alles ruhig. Der Gang lag verlassen vor ihm, da alle Zuschauer auf ihren Plätzen waren und dem Geschehen gebannt folgten. Pantax schritt auf den Gang und schaute sich nach dem nächsten Zugang zur Tribüne um. Dieser lag nur einige Meter entfernt und war somit günstig zu erreichen. Schnell huschte Pantax herüber und schob sich soweit die Treppe herauf, dass er freie Sicht auf das Innere des Stadions hatte.

Die gesamte Innenwand der Kugel war mit Unmengen von Zuschauern besetzt. Jemand, der noch nie ein Perdolo-Stadion gesehen hatte, musste sich unweigerlich fragen, warum die Zuschauer, die weiter oben saßen nicht herunter fielen, da sie scheinbar kopfüber hingen. Doch die anderen Zuschauer dachten von einem wahrscheinlich genau dasselbe, da die Leute auf dieser Seite aus deren Warte ebenfalls an der Decke hingen. Das ganze erklärte sich durch eine Reihe kompliziert angeordneter Schwerefelder, die es ermöglichte, die gesamte Innenfläche der Kugel als Zuschauerraum zu nutzen. In dem Innenraum der Kugel zeigte sich das Perdolo-Spielfeld, in dem absolute Schwerelosigkeit herrschte. Aus Pantax' Sicht lag unter ihm am Ende der Kugel eine grün durchscheinende Endzone und über ihm eine rote Endzone, die durch optische Felder erzeugt wurde. Im Zentrum der Kugel schwebte der golden glänzende Spielball, der von einer Mannschaft in die jeweils gegnerische Endzone getrieben werden musste. Dazu trug jeder Spieler eine Brustplatte, mit der ein magnetisches Feld aufgebaut werden konnte, das die Flugrichtung des Balls verändern konnte, wenn er ihm nahe genug kam. Eine körperliche Berührung des Spielballs war dagegen streng verboten. Mit den magnetischen Feldern der Brustplatten durften sich die gegnerischen Spieler auch gegenseitig behindern, da diese Felder auch mit den anderen Brustplatten reagierten. Doch auch hier galt, dass ein echter Körperkontakt verboten war.

Das eine Team, das von den Videx gestellt wurde, umschloss den Ball in einem Halbkreis. Auf der anderen Seite bildete das gegnerische Team, das Pantax als Cel'Acaran identifizierte, ebenfalls einen Halbkreis um den golden glänzenden Ball.

Da ertönte der Pfiff, der das Perdolo-Finale eröffnete. Ein Aufschrei fuhr durch die Menge, als beide Teams auf den Ball zustrebten und gleichzeitig Spieler strategisch im Raum verteilten. Es bildete sich ein schwer zu überblickender Pulk, aus dem nach Sekunden der Verwirrung der Ball hervor schoss und sofort von den Spielern verfolgt wurde.

Ein Cel'Acaran stellte sich in die Flugbahn des Spielballs und wartete mit aktivierter Brustplatte auf dessen Ankunft. Doch bevor es soweit war, wurde er unsanft aus seiner Warteposition geschleudert. Das Magnetfeld eines gegnerischen Videx hatte ihn voll erwischt.

Dieser Videx flog nun seinerseits auf den Ball zu und warf ihn mit einem magnetischen Puls in Richtung eines Kameraden, der sich mit seinen Steuerdüsen in eine günstigere Position gesteuert hatte. Die Abwehr der Cel'Acaran warf sich in die neue Flugbahn des Balls, um zu verhindern, dass der feindliche Stürmer den Ball erhielt.

Sie hatten den Ball fast schon sicher, da passierte den Cel'Acaran ein folgenschweres Missgeschick. Zwei Spieler kamen sich mit eingeschalteten Magnetfeldern zu nahe und zogen sich gegenseitig aus deren Flugbahn. Die entstandene Lücke lag genau in der Flugbahn des Spielballs, der nun schnell durch die celacaranische Abwehr schoss und bei dem anvisierten Spieler ankam.

Der Videx zielte und warf dem Ball sein Magnetfeld entgegen, das ihn aus der Bahn drängte und eine neue Richtung gab. Die Flugbahn des Balls führte nun genau in die gegnerische Endzone. Einige Cel'Acaran versuchten noch, den Ball abzufangen, doch andere waren schon wie gelähmt, da sie die Sinnlosigkeit des Unterfangens erkannten.

Ein geballter Jubelschrei fuhr durch den Videx'schen Fanblock, als der Ball in die Endzone schoss und somit einen Punkt für die Videx ergab.

Doch so schnell gaben sich die Cel'Acaran nicht geschlagen und griffen nach dem erneuten Anstoß mit geballter Kraft an. Und diesmal passierte ihrer Abwehr nicht noch mal ein solcher Fehler. Im Gegenteil stand die Videx'sche Abwehr nun so unter Druck, dass sie einen Stellungsfehler beging, der zum Ausgleich führte.

Diesmal brach der Jubel auf Seiten der Fans der Cel'Acaran los und Pantax, der gerade noch im siebten Himmel schwebte, fuhr fluchend in die Realität zurück.

Doch es wurde noch schlimmer für ihn, denn kaum war der Ball wieder im Spiel, flog sich ein Cel'Acaran frei, der von der Videx'schen Abwehr sträflich vernachlässigt wurde. Ein Pass, ein Schuss und Pantax hätte heulen können.

»Wie könnt ihr nur so blöd sein!«, schrie er aufgebracht und hätte sich am liebsten mit jedem Spieler der eigenen Abwehr angelegt.

Doch schon ging das Spiel weiter. Es wogte hin und her, ohne dass eines der beiden Teams wirklich noch eine gute Chance hatte, den Ball in die gegnerische Endzone zu schlagen.

Pantax fühlte sich, als ob er bald einen Herzinfarkt erleben würde. Ein solch spannendes Spiel hatte er sein ganzes Leben noch nicht erlebt. Hinzu kam noch, dass die Atmosphäre eines Live-Spiels doch ganz anders war als sich das Spiel nur als Aufzeichnung in einer Holodisk anzusehen.

Endlich ertönte der Pfiff zur Halbzeit und die Teams zogen sich in ihre Kabinen zurück. Pantax nutzte die Zeit, um sich nach einem fliegenden Mondongo-Händler umzusehen. Der wohlschmeckende Snack durfte zu keinem Spiel fehlen und wurde mit Sicherheit auch hier verkauft.

Schon kurze Zeit später sah er seine Vermutung bestätigt, denn auf dem Gang erschien ein Händler, der von einer Traube von Leuten umgeben war, die alle Mondongo essen wollten. Pantax gesellte sich dazu und arbeitete sich langsam aber sicher vor. Endlich war er an der Reihe und hielt ihm seine Kreditkarte vor die Nase. Der Händler nahm die Karte, zog sie durch sein Lesegerät und gab Pantax seine Portion Mondongo und die Karte, nachdem er die Transaktion mit Fingerabdruck bestätigt hatte.

Genüsslich kauend bewegte er sich an seine bisherige Position zurück, um darauf zu warten, das das Spiel wieder anfing.

Kurze Zeit später erschienen die Teams erneut auf dem Spielfeld und formten die beiden Halbkugeln um den Spielball herum, der erneut in der Mitte des Raums hing.

Der Anpfiff erfolgte und die Spieler stürzten sich erneut auf den Ball. Wieder verschwand er in dem Kneul an Spielern, während sich einzelne Mitglieder der Teams an strategischen Positionen platzierten.

Plötzlich schoss der Spielball mit wahnsinniger Geschwindigkeit hervor und bewegte sich zielstrebig auf Pantax' Standort zu. Instinktiv duckte er sich und konnte beobachten wie andere Zuschauer in seiner Umgebung das gleiche taten, als ob sie den Einschlag des Balls erwarteten. Doch stattdessen baute sich direkt über dem Publikum ein Prallfeld auf, das den Spielball zurück in die Arena warf. Zu Pantax' Entsetzen geriet er direkt in den Einflussbereich eines angreifenden Cel'Acaran, der den trudelnden Ball unter Kontrolle brachte und direkt vor die Brustplatte eines anderen Angreifers spielte. Dieser gab dem Ball nur noch einen kleinen Schubs, und er schoss in die Videx'sche Endzone. Nun stand es schon zwei zu eins.

Pantax war am verzweifeln. Die Cel'Acaran waren zwar nicht übermächtig, hatten das Glück aber anscheinend für sich gepachtet. Da half es auch nicht, dass die Videx nun wie wild angriffen und sogar etliche Chancen herausspielten, die alle in letzter Sekunde vereitelt wurden.

Die Zeit zerrann in Windeseile und Pantax kaute nervös auf seiner Unterlippe herum. Nur ein Wunder konnte seinem Team jetzt noch helfen. Und das Wunder geschah. In der letzten Spielminute.

Es hatte schon keiner mehr damit gerechnet, da gelang es einem Spieler der Videx, einen wunderbaren Pass zu einem Teamkollegen zu schießen, der sich geschickt frei gespielt hatte. Es folgte ein genau platzierter Doppelpass, der die gesamte Abwehr der Cel'Acaran aufreißen ließ, sodass sich ein riesiges Loch bildete. Ein Schuss, und der Ball flog in die celacaranische Endzone.

»Verlängerung!«, schrie Pantax mit Leibeskräften und sprang wie ein Derwisch auf seinen vier Beinen umher, während sich die Geräuschkulisse in ungeahnte Höhen hochschraubte.

Alles war wieder offen. Der nächste Treffer würde entscheidend sein. Der Ball wurde erneut in der Mitte des Stadions platziert und die Kugel an Spielern bildete sich darum herum. Schon erfolgte der Anpfiff zur Verlängerung und alle stürmten auf den Ball zu, der nach einem kurzen Verschwinden in den Spielermassen wieder erschien und zu Pantax' Erschrecken in Richtung der Videx'schen Endzone flog. Doch die Abwehr stand sicher und warf den Ball wieder nach vorne, in den Bereich der Brustplatte eines eigenen Angreifers der ihn sofort weiter, in den Lauf eines anderen Angreifers spielte, der ihn aber nicht unter Kontrolle brachte. Der Spielball taumelte frei im Raum und mehrere Spieler der celacaranischen Verteidigung stürzten sich darauf um ihn in den Griff zu bekommen. Das Spiel wurde langsam und strukturiert aufgebaut und im richtigen Moment flog der Ball durch das halbe Stadion um einem Angreifer der Cel'Acaran vor die Brustplatte zu gelangen. Ein Schuss und der Ball flog in Richtung der Videx'schen Endzone. Unaufhaltsam näherte er sich dem rot gefärbten Bereich, der die eigene Endzone darstellte.

Mit jaulenden Schubdüsen erreichte ein Spieler der Videx'schen Verteidigung gerade noch den Ball als er schon fast in der Endzone war. Der Ball prallte weit ab und flog in die Zuschauerränge wo er von einem Prallfeld erneut weggeschleudert wurde. Der abwehrende Spieler wurde durch die Wucht seines Fluges ebenfalls in die Ränge des Publikums getrieben und durch ein Prallfeld, das zwischen Lebewesen und Ball keinen Unterschied machte, erneut ins Spielfeld katapultiert, wo er in der eigenen Abwehr wie eine Bombe einschlug und heilloses Durcheinander anrichtete.

In diesem Moment war die Abwehr der Videx förmlich nicht mehr existent und die Cel'Acaran hätten einfach einen Treffer landen können, wenn sie denn über den Ball verfügt hätten. Doch noch rasten Verteidiger der Cel’Acaran und Angreifer der Videx hinter dem trudelnden Spielball her um ihn unter Kontrolle zu kriegen. Ein Verteidiger war schon ganz nah, als ein Videx in eine günstige Position kam und ihm einen magnetischen Stoß versetzte und aus der Bahn warf. Nun war ein anderer Videx'scher Teamkollege heran und gab dem Ball einen heftigen Schlag, ohne auch nur zu versuchen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Der Spielball schoss wie vom Katapult geschossen davon, einigermaßen in Richtung der celacaranischen Endzone. Doch vorher schlug er gegen das Prallfeld der Spielfeld-Begrenzung und wurde zurückgeworfen. Durch die torkelnden Bewegungen des Spielballs verschätzte sich ein Verteidiger und schoss an ihm vorbei.

Plötzlich war da kein Verteidiger mehr. Der unkontrollierte Flug des Balls hatte die Cel'Acaran völlig verwirrt. Sie blickten sich um und versuchten, sich in Reichweite des Spielballs zu katapultieren. Doch es war schon zu spät, denn mittlerweile erreichte er die Endzone und drang in sie ein.

Ein ohrenbetäubendes Jubeln brauste durch die Fanblöcke der Videx. Das Stadion schien zu kochen und auch Pantax konnte sich nicht mehr beherrschen und sprang jubelnd in der Gegend umher und umarmte wildfremde Personen. Es war unglaublich. Dieses Spiel war eines der spannendsten gewesen, die Pantax je gesehen hatte und er war life dabei. Freudestrahlend setzte er sich erstmal auf den Boden und atmete heftig durch. Noch konnte er es kaum glauben, dass die Videx bis zum nächsten Finale Meister im Perdolo waren, doch langsam aber sicher freundete er sich mit dem Gedanken an. Die Massen strömten an ihm vorbei, um die Ausgänge zu erreichen. Er würde denselben Weg nehmen, da diesmal wohl keine Kontrollen zu befürchten waren. Noch ließ er sich Zeit, da er nicht in den Strom der Leute hinein gesogen werden wollte. Wenn sich die Lage etwas beruhigt hätte würde er sich wieder auf den Weg zum Schiff machen um dort seine Kameraden zu erwarten.

8. Cerva und Kreditkarten

Stunden zuvor standen Aik und seine Kameraden am Infostand an, um zu erfahren, wo die besten Informationshändler zu finden seien.

»Das geht ja keinen Millimeter weiter«, maulte Pavo und stampfte von einem Bein auf das andere, um die schmerzenden Beine zu entlasten.

Lika sah ihn strafend an und deutete auf die Schlange vor den wartenden Manjarden. »So schlimm ist es doch wirklich nicht. OK, die scheinen wirklich alle Zeit der Welt zu haben, aber wir sind ja schon ein gutes Stück voran gekommen.«

Pavo ergab sich seufzend in sein Schicksal und wartete zusammen mit seinen Freunden darauf, endlich an die Reihe zu kommen.

Zwanzig Minuten später war es dann endlich soweit und die Gruppe gelangte am Schalter an, hinter dem ein Wesen arbeitete, das Aik als Zumbaarer zu erkennen meinte.

»Was kann ich für euch tun?«, wurde Aik angesprochen, wobei der Zumbaarer kaum seinen Kopf hob, sondern weiter auf sein Informations-Hologramm sah.

Aik blickte seine Kameraden flüchtig an und erhielt ein bestätigendes Nicken. »Äh … wir sind auf der Suche nach Informationshändlern. Wo können wir einen finden?«

»Goshis Bar in Ebene blau, Sektion drei«, kam es wie aus der Pistole geschossen. »Der nächste!«

Schon wollte sich die hinter den Manjarden wartende Schlange weiter nach vorne schieben, doch Aik gab den Platz noch nicht frei. »Wie komme ich in die Ebene blau, Sektion drei?«

Jetzt hob der Zumbaarer doch den Kopf und blickte sein Gegenüber forschend an. »Ihr seid wohl das erste Mal im Salvarin-Handelsknoten, nicht wahr?«

Die manjardische Gruppe nickte einhellig, da wurde Aik bewusst, das diese Geste möglicherweise nicht von jedem verstanden wurde. »Stimmt. Wir sind das erste mal hier.«

Der Fremde grummelte etwas und griff in das Hologramm, das vor ihm schwebte. Dort tippte er irgendetwas an, woraufhin sich an der Vorderseite des Informationsschalters eine kleine Luke öffnete und eine bedruckte Folie ausspuckte. »Hier ist eure Folie. Der Nächste, bitte!«

Wieder drückte die Schlange gegen die Manjarden, um auch endlich an die Reihe zu kommen. Aik warf einen kurzen Blick auf den Ausdruck und erkannte auf ihm einen Plan, der ihnen den Weg zu der bezeichneten Bar weisen sollte. Schnell machte er einen Schritt zur Seite, um sich nicht den Unmut der ebenfalls wartenden Personen einzuhandeln. Seine Kameraden folgten seinem Beispiel und die Schlange rückte nach vorne, um den wartenden Zumbaarer mit der nächsten Frage zu bewerfen.

Lika stellte sich neben Aik, um den Weg zu studieren, der auf der Karte aufgedruckt war.

»Das scheint ja ganz einfach zu sein«, sagte sie, nachdem sie kurz aufgeblickt und einen Tunnel entdeckt hatte, der die gleiche farbliche Kodierung wie auf der Zeichnung aufwies. »Dort müssen wir längs!«

Aik sah nun auch auf und blickte in die von ihr angedeutete Richtung. Dabei fühlte er sich durch ihre körperliche Nähe an den Moment vor Stunden im Freizeitraum der HASTUUL erinnert und ihm lief ein wohliger Schauer den Rücken herunter. Er fühlte sich versucht, einen Arm um ihre Schulter zu legen, hielt sich jedoch zurück, da er unsicher war, was für Reaktionen er damit provozieren würde.

Stattdessen nickte er nur. »Dann lasst uns den Anweisungen des Plans folgen, damit wir schnell zu Goshis Bar gelangen.«

Er setzte sich in Bewegung und sah, wie die Gruppe ihm folgte. Zielsicher steuerten sie auf den markierten Tunnel zu und mischten sich unter die Leute, die ebenfalls hier entlang kamen. Es war ein unglaubliches Gedränge und Gestoße. Aik kam sich vor wie ein Fisch vor, der gegen die Strömung zu schwimmen versuchte.

Doch endlich kamen sie an einer Abzweigung vorbei, an der sich die Massen aufspalteten und das Gedränge im eigenen Gang halbierte.

Rack blieb einen Augenblick stehen und beugte sich nach vorne, wobei er seine krallenbewehrten Hände auf seine Knie stützte. »Uff, ich dachte schon, ich komm